Bengasi: Wusste Petraeus mehr, als veröffentlicht wurde?

Aussage im Bengasi-Untersuchungsausschuss

Wusste Petraeus mehr, als veröffentlicht wurde?

Die Terrorattacke auf das US-Konsulat in Bengasi beschäftigt das politische Washington weiter massiv. Jetzt hat ausgerechnet der wegen seiner Liebesaffäre zurückgetretene Ex-CIA-Chef Petraeus ausgesagt - hinter verschlossenen Türen. Für Klarheit sorgte das aber offenbar nicht.

Von Timo Fuchs, HR-Hörfunkstudio Washington

Nicht nur mit seiner Liebesaffäre sorgt David Petraeus zurzeit für große Irritationen, er tut es auch bei einem ganz anderen Thema: dem Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi vom 11. September. Seine Antworten werfen neue Fragen auf - der Fall Bengasi wird immer komplizierter.

CIA nimmt offiziell Ermittlungen gegen Ex-Chef Petraeus auf
nachtmagazin 01:03 Uhr, 17.11.2012, Karin Dohr, ARD Washington

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Der ehemalige CIA-Chef sagte heute vor einem Untersuchungsauschuss im Kongress aus. Der Republikaner Peter King war einer der Teilnehmer im Gremium: "Die ursprüngliche Erkenntnis zum Anschlag war offenbar eine andere als die, die an die Öffentlichkeit gegeben wurde", berichtet er.

Konkret sagte Petraeus dem Ausschuss hinter verschlossenen Türen, er habe schon kurze Zeit nach dem Anschlag gewusst und erklärt, dass es sich um eine Terrorattacke handele. Petraeus soll auch ausgesagt haben, dass die Hinweise der CIA auf einen terroristischen Hintergrund von einer Regierungsbehörde vor der Veröffentlichung entfernt wurden.

Kritik an UN-Botschafterin Rice

Susan Rice, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen (Bildquelle: AFP)
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Susan Rice steht wegen ihrer Aussagen nach dem Angriff in Bengasi unter Druck.

Tatsächlich erfuhr die Öffentlichkeit noch am 14. September durch Susan Rice, der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, dass der tödliche Anschlag wohl eine spontane Reaktion auf das islamfeindliche Video aus Amerika gewesen sei. "Das ist die beste Information, die wir haben", sagte sie damals.

Es gab außerdem mehr als 20 Geheimdienstberichte, die diese Sichtweise stützten, sagt der republikanische Berater Ron Bonjean. Offenbar sei die Information, dass es sich um einen Terroranschlag handelte aus den Berichten für Rice herausgenommen worden: "Und zwar von jemandem im oder nah am Weißen Haus. Wer hat die Geschichte verändert?"

"Das war die bestmögliche Information"

Der Demokratische Abgeordnete Adam Schiff war ebenfalls in der heutigen Anhörung dabei - er stellt sich hinter die Informationspolitik von Regierung und CIA. Rices Aussage habe genau den Vorgaben entsprochen, meint er: "Das war die bestmögliche Information, die veröffentlicht werden konnte - ohne Quellen und Methoden offenzulegen und zu gefährden."

EX-CIA Chef Petraeus sagt zum Anschlag in Bengasi aus
T. Fuchs, SR Washington
16.11.2012 20:10 Uhr

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Diese Erklärung wird aber wohl die wenigsten zufrieden stellen. Denn viele, so wie der Republikaner Bonjean, sehen nicht etwa den Schutz von Quellen hinter der Informationspolitik. Das treibende Motiv könne die Wiederwahl von Präsident Barack Obama gewesen sein.

Stand: 16.11.2012 18:45 Uhr

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