Wegen außerehelicher Beziehung CIA-Chef Petraeus tritt zurück

Stand: 10.11.2012 05:28 Uhr

David Petraeus | Bildquelle: dpa
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Als CIA-Chef zurückgetreten: David Petraeus

US-Präsident Barack Obama hat ein Rücktrittsgesuch von David Petraeus, Chef des US-Geheimdienstes CIA, angenommen. Als Begründung nannte er eine außereheliche Beziehung. In einer Erklärung an die Mitarbeiter der CIA teilte Petraeus mit, er habe mit der Affäre "sehr schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt. Ein derartiges Verhalten sei "inakzeptabel, sowohl als Ehemann als auch als Führer einer Organisation wie der unseren", schrieb Petraeus.

Obama würdigte in einer Erklärung die "außerordentlichen Dienste" von Petraeus. Er sei einer der "herausragenden Generäle" seiner Generation gewesen. Als CIA-Direktor habe der 60-Jährige seinen jahrzehntelangen Dienst für die USA mit "intellektueller Präzision, Hingabe und Patriotismus" fortgesetzt, lobte der Präsident.

Antiterrorberater Brennan als möglicher Nachfolger

Petraeus habe "unser Land sicherer und stärker" gemacht. "Meine Gedanken und Gebete sind bei Dave und Holly Petraeus, die durch ihre eigene Arbeit so viel für die Familien unseres Militärs gemacht hat", erklärte Obama. "Ich wünsche ihnen nur das Beste in dieser schwierigen Zeit."

Als kommissarischer Nachfolger bei der CIA wurde Petraeus bisheriger Stellvertreter Michael Morell benannt. Als möglicher Nachfolger komme Obamas Antiterrorberater John Brennan in Frage, sagte der ehemalige CIA-Beamte Bruce Riedel. Dieser sei reich an Erfahrungen und genieße das Vertrauen des Präsidenten. Brennan sei bereits in der Vergangenheit für den Posten des CIA-Direktors genannt worden, sagte Riedel.

Autorin veröffentlichte Details über Petraeus

Obama | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Obama dankte Petraeus für dessen Dienste.

Mit wem Petraeus eine außereheliche Beziehung hatte, blieb zunächst offen. Auch war unklar, ob der Rücktritt ausschließlich aus persönlichen Gründen erfolgte oder ob Sicherheitsbedenken eine Rolle spielten, die seine Arbeit als Chef des US-Geheimdienstes beeinträchtigt hätten. Der Fernsehsender NBC und andere US-Medien berichteten, die Bundespolizei FBI ermittele gegen die Autorin Paula Broadwell wegen des Versuchs, Petraeus' E-Mails mit vertraulichen Informationen zu lesen. Broadwell hatte in der Biographie "All In" viele Details über Petraeus veröffentlicht.

Der Rücktritt erfolgte inmitten von Kritik an Petraeus' Reaktion auf einen tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Benghasi, bei dem unter anderem der US-Botschafter ums Leben kam. Petraeus sollte in der kommenden Woche im Kongress dazu befragt werden.

Die Geheimdienstexpertin der Demokraten, Dianne Feinstein, schloss politische Gründe für den Rücktritt Petraeus' indes aus. "Die Leute werden sagen, dass er ein Sündenbock für Bengasi ist. Aber das ist absolut falsch", sagte sie nach CNN-Angaben. "Nach allem, was ich weiß, war es ein unerhörter persönlicher Fehltritt."

Experten werten Rücktritt als schweren Schlag für Obama

Experten werteten das Ausscheiden von Petraeus so kurz nach Obamas Wiederwahl als einen schweren Schlag für den Präsidenten. Petraeus war auch als Kandidat für ein Ministeramt in der neuen Regierung gehandelt worden.

Petraeus war erst im Sommer 2011 als CIA-Chef auf Leon Panetta gefolgt, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor war er Oberkommandierender der internationalen Truppen in Afghanistan. Vor der Aufgabe am Hindukusch hatte Petraeus den US-Einsatz im Irak geführt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 9. November 2012 um 21:45 Uhr.

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