Putin bei einem Empfang im Kreml | Bildquelle: dpa

Nach Explosion in St. Petersburg Putin will Terroristen härter angehen

Stand: 28.12.2017 16:48 Uhr

Nach der Bombenexplosion in St. Petersburg hat Russlands Präsident Putin ein härteres Durchgreifen gegen Terroristen angeordnet. Bei Gefahr für Leib und Leben müssten die "Banditen" liquidiert werden. Bei der Explosion waren 13 Menschen verletzt worden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Bombenexplosion in einem Supermarkt in St. Petersburg als Terroranschlag bezeichnet. "Gestern ist in St. Petersburg eine terroristische Tat verübt worden", sagte Putin in Moskau. Bei der Explosion waren am Mittwochabend 13 Menschen verletzt worden.

Putin wies die russischen Sicherheitsbehörden an, "entschieden zu handeln". Bei Festnahmen seien die Gesetze einzuhalten. "Aber bei Gefahr für Leib und Leben unserer Mitarbeiter, unserer Offiziere muss entschieden gehandelt werden - keine Gefangenen, die Banditen werden sofort liquidiert", sagte Putin bei einer Zeremonie im Kreml.

"Es handelt sich um diejenigen, die sich darauf vorbereiten, Anschläge in unserem Land zu verüben", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Das Staatliche Ermittlungskomitee teilte mit, dass es weiter alle Möglichkeiten prüfe.

Sprengsatz mit Metallteilen

In einem Supermarkt war ein Sprengsatz mit der Sprengkraft von 200 Gramm Dyamit explodiert, wie der Chef des St. Petersburger Büros der staatlichen Ermittlungsbehörde, Alexander Klaus, mitteilte. Sie sei in einem Bereich des Supermarkts zur Aufbewahrung für Kundentaschen explodiert. Die Bombe war mit Metallteilen gefüllt.

Im Internet kursierten nicht verifizierte Überwachungsvideos, die einen jungen Mann als möglichen Täter zeigten. Die Bilder einer Überwachungskamera im Supermarkt zeigen einen Mann in einer Kapuzenjacke mit einem offenbar schweren Rucksack, der das Geschäft anschließend ohne den Rucksack verlässt.

Supermarkt in St. Petersburg nach der Bombenexplosion | Bildquelle: REUTERS
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Bei der Explosion wurden 13 Menschen verletzt.

Ermittlungen der Antiterror-Behörde

Inzwischen übernahm das Nationale Antiterror-Komitee (NAK) die Ermittlungen. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft den Vorfall als versuchten Mord eingestuft. Kein mögliches Motiv werde ausgeschlossen, hieß es weiter.

Im April waren bei einem Anschlag in der Metro von St. Petersburg 16 Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Zu der Tat bekannte sich eine Gruppe aus dem Umfeld des Terrornetzwerks Al-Kaida. Die russischen Behörden gehen seitdem noch härter gegen mutmaßliche Terroristen vor.

Der Inlandsgeheimdienst FSB gibt immer wieder Erfolge bei Razzien bekannt. Alleine in diesem Jahr sollen zahlreiche Terrornetzwerke ausgehoben worden sein. Mitte Dezember teilte Putin mit, dass aufgrund von Informationen des US-Geheimdienstes CIA ein Anschlag auf die Kasaner Kathedrale von St. Petersburg habe verhindert werden können.

4500 russische Kämpfer im Ausland

In Russland herrscht Besorgnis über die Rückkehr von Dschihadisten, die in Syrien gekämpft haben. Putin hatte Mitte Dezember einen Teilabzug der russischen Truppen aus Syrien angekündigt. Die russischen Sicherheitsbehörden erklärten anschließend, es sei eine Rückkehr von Dschihadisten zu befürchten, nachdem die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) praktisch alle ihre Gebiete in Syrien und im Irak verloren habe.

Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB sind knapp 4500 russische Staatsbürger ins Ausland gereist, um "an der Seite von Terroristen" zu kämpfen. Putin lobte bei der Zeremonie im Kreml zur Ehrung von Soldaten für ihren Syrien-Einsatz Russlands "wichtigen Beitrag beim Sieg über kriminelle Kräfte, welche die gesamte Zivilisation herausforderten".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Dezember 2017 um 13:00 Uhr.

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