Der Sieger der Präsidentenwahl in Peru, Pedro Pablo Kuczynski, winkt seinen Anhängern zu.

Kuczynski wird neuer Präsident Perus Keine Chance und doch gewonnen

Stand: 10.06.2016 17:39 Uhr

Er galt als klarer Außenseiter im Rennen um das Präsidentenamt in Peru, doch am Ende entschied Pedro Pablo Kuczynski die Wahl für sich - mit hauchdünnem Vorsprung. Seiner Konkurrentin Keiko Fujimori wurde die politische Vergangenheit ihres Vaters zum Verhängnis.

Von Julio Segador, ARD-Studio Südamerika

Am Sonntag wählte Peru - nach Tagen des Wartens steht der Sieger jetzt fest. Obwohl - so richtig dann doch noch nicht. Er ist virtueller Sieger: Pedro Pablo Kuczyinski. Entsprechend zurückhaltend gibt er sich: "Das ist keine offizielle Ankündigung, wir müssen auf die letzten, wirklich allerletzten Ergebnisse warten. "

Denn der oberste Wahlleiter zögert noch mit der Verkündung des offiziellen Endergebnisses. Zwar sind alle Stimmen inzwischen ausgezählt. Doch einige Dutzend handgeschriebener Strichlisten, die etwa 50.000 Stimmen auflisten, sind umstritten. Dass Keiko Fujimori – die Gegnerin Kuczyinskis bei der Stichwahl – ihren Rückstand aufholt, gilt dennoch als ausgeschlossen.

Knappestes Ergebnis jemals in Peru

Es ist das knappeste Ergebnis, das es je bei Wahlen in Peru gab. 50,12 Prozent für Kuczyinski gegen 49,88 Prozent für Fujimori – die beiden trennen gerade etwas mehr als 41.000 Stimmen, und das bei mehr als 17 Millionen abgegeben gültigen Stimmen.

Auch deshalb tritt Kuczyinski nicht als strahlender Sieger auf. Er schlägt versöhnliche Töne an: "Wir nehmen dieses virtuelle Ergebnis mit viel Bescheidenheit auf." Peru stehe vor wichtigen Herausforderungen. "Wir brauchen ein geeintes, versöhntes Land, in dem es Dialog gibt."

Sieger kündigt Dialog mit Fujimori an

Den Dialog wird Kuczyinski auch nötig haben. Denn im Parlament stellt Fujimoris Fraktion Fuerza Popular die absolute Mehrheit. Auch deshalb reicht er schon jetzt - unmittelbar nach der Wahl - Fujimori die Hand. Peru sei nicht geteilt zwischen Nord und Süd, zwischen Hochland und Küsten, so Kuczyinski. "Wir sind ein geeintes Land und wir müssen zusammenarbeiten. Auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt."

Bislang hat sich die Tochter des inhaftierten ehemaligen Diktators Alberto Fujimori noch nicht zum Ausgang der Wahl geäußert. Keiko Fujimori war als klare Favoritin in die Stichwahl gegangen, hatte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl fast 20 Prozentpunkte Vorsprung auf Kuczyinski. Doch eine gewaltige Anti-Fujimori-Stimmung im Land ließ ihren Vorsprung schmelzen. Tausende Peruaner gingen auf die Straße, um gegen die Kandidatin und ihren Vater zu protestieren. Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen sie und enge Mitarbeiter wegen Geldwäsche und Drogenhandel.

Kuczyinski - der Saubermann

Kuczyinski dagegen trat im Wahlkampf als Saubermann auf. Nicht einmal sein fortgeschrittenes Alter – der Sohn eines deutschen Arztes und einer französischen Lehrerin ist bereits 77 Jahre alt – hielt die Peruaner ab, ihn zum künftigen Präsidenten zu wählen: "Das Alter hat einen Vorteil: die Erfahrung – zumindest solange der Kopf noch mitspielt. Und die habe ich im Übermaß."

Kuczyinski hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er war Unternehmer, Ökonom und Politiker. Unter anderem war er in Peru in unterschiedlichen Regierungen mehrmals Minister und Regierungschef.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2016 um 20:00 Uhr.

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