Rebellenführer Oscar Perez | Bildquelle: AFP

Venezuela "Staatsfeind Nr. 1" ist tot

Stand: 17.01.2018 02:20 Uhr

Er wollte Präsident Maduro stürzen, kaperte einen Helikopter und feuerte Granaten auf das Innenministerium und das Oberste Gericht in Caracas. Nun wurde der ehemalige Polizist Oscar Pérez in Venezuela bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Die dramatischen Handykameraaufnahmen, die Oscar Pérez und seine Mitstreiter am Montag verbreiteten, legten bereits nahe, dass kaum einer die bewaffnete Konfrontation mit den Sicherheitskräften überlebt hatte.

Pérez sagte darin mit blutverschmiertem Gesicht, er wolle sich ergeben, werde jedoch trotzdem weiter beschossen. Über Twitter verbreiteten Regierungsgegner die Nachricht seines Todes und erklärten Pérez zum Helden, lange bevor die Behörden Stellung nahmen.

Erst einen halben Tag nach dem Einsatz informierte Innenminister Nestor Reverol über den Tod von Anführer Pérez. Die Gruppe, die Venezuela habe destabilisieren wollen, sei "neutralisiert" worden.

"Trotz aller Versuche sie zum friedlichen Aufgeben zu bewegen und eine Verhandlungslösung zu erreichen, attackierte die terroristische Gruppe die Sicherheitskräfte", sagte Reverol. Zwei Polizisten seien dabei ums Leben gekommen, acht wurden schwer verletzt. Sieben "Terroristen" seien ums Leben gekommen.

Venezolanische Sicherheitskräfte auf dem Weg zum Versteck des Rebellenführers Perez | Bildquelle: AP
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Venezolanische Sicherheitskräfte auf dem Weg zum Versteck des Rebellenführers Perez.

Die Suche dauerte ein halbes Jahr

Ein halbes Jahr hatte die  Suche nach ihnen gedauert: Ende Juni hatte der Ex-Polizist Oscar Pérez aus einem gestohlenen Hubschrauber auf das Innenministerium und das Oberste Gericht in Caracas geschossen. Danach tauchte er ab.

Die spektakuläre Aktion fand in der Zeit der blutigen Antiregierungsproteste statt. Mindestens 130 Menschen kamen zwischen April und Juli ums Leben - die meisten von ihnen durch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Auslöser der Demonstrationen war die Entmachtung des oppositionsdominierten Parlaments durch die sozialistische Regierung. Die große Protestwelle ebbte im August ab, als die Regierung von Nicolas Maduro das Parlament durch eine vermeintlich verfassunggebende Versammlung ersetzte. Ihre ausschließlich regierungstreuen Mitglieder reformieren aber nicht die erst 1998 erneuerte Verfassung, sondern beschließen Gesetze, die die Macht der Sozialisten absichern.

Gesetz gegen den Hass

Vor einigen Monaten brachte die Verfassungsversammlung das Gesetz gegen den Hass auf den Weg, mit dem sich jegliche Kritik unterdrücken lässt. Und am Tag des Todes von Rebellenführer Pérez machte Präsident Maduro klar, was mit denen passiert, die seine Regierung kritisieren.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro spricht am 27.11.2017 bei einer Veranstaltung des Militärs in Maracay (Venezuela). | Bildquelle: dpa
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Kritik mag er nicht: Venezuelas Präsident Nicolas Maduro.

So drohte er den Geistlichen im katholischen Venezuela, weil zwei Bischöfe in ihren Sonntagspredigten über die katastrophalen Zustände im Land gesprochen hatten. "Einer von ihnen hat uns die Pest genannt. Das Volk von Chávez die Pest!", schimpfte Maduro, und drohte: "Lieber Generalstaatsanwalt - da müssen sie schauen, ob die Worte dieser Leute mit unseren Gesetzen in Einklang stehen. Oder ob das Verbrechen des Hasses sind, die Gewalt zwischen den Venezolanern auslösen können. Aber sicher hat diesen Priestern niemand zugehört. Denn wir sind hier die Christen! Wir glauben diesen Teufeln in Soutanen nicht."

Maduros Regierung hat kaum noch Geld um Lebensmittel für die hungernde Bevölkerung zu importieren. Misswirtschaft und der gefallene Ölpreis haben die Staatskasse geleert. Grundnahrungsmittel und Medikamente fehlen. Täglich gibt es Plünderungen, die Verzweiflung wächst.

Wirksame Reformen, um der schweren Krise zu begegnen sind nicht in Sicht. Der sozialistische Präsident will sich in diesem Jahr wieder wählen lassen. Seine Chancen stehen gut, weil das Oppositionsbündnis weitgehend kalt gestellt ist und sich selbst durch interne Konflikte zerlegt hat. Und so dürfte auch der Tod des Oscar Pérez für Präsident Maduro ohne Folgen bleiben.

Venezuela: Rebellenführer Oscar Pérez ist tot
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko Stadt
17.01.2018 13:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2018 um 09:00 Uhr.

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