US-Vize-Präsident Mike Pence, rechts, begrüßt bei seiner Ankunft in San Antonio den Gouverneur von Texas, Greg Abbott. | Bildquelle: REUTERS

Nach Schießerei in Texas Pence besucht Ort des Massakers

Stand: 09.11.2017 01:10 Uhr

Nach den Schüssen von Texas hat US-Vizepräsident Pence dem Ort des Massakers einen Besuch abgestattet. Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Behörden zuvor versäumt haben, Informationen über den späteren Schützen weitergegeben zu haben. Er hätte keine Waffen kaufen dürfen.

Im Wirbel um die Hintergründe des Massakers in einer Kirche in Texas ist US-Vizepräsident Mike Pence in den südlichen Bundesstaat gereist. Gemeinsam mit dem Gouverneur von Texas, Greg Abbott, nahm er in Sutherland Springs an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer teil. Pence sprach unter anderem mit Überlebenden des Gottesdienstes.

Unterdessen veröffentlichten die Behörden die Namen der 26 Opfer, darunter mehrere Kinder. Die Untersuchungen über die Hintergründe gehen weiter. Möglicherweise wurden frühe Warnzeichen bei dem Attentäter übersehen, deren rechtzeitiges Erkennen die Tat hätte verhindern können.

Trauernde in Sutherland Springs | Bildquelle: AP
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Trauernde Menschen in Sutherland Springs.

Aus einer psychiatrischen Einrichtung geflohen

Nach übereinstimmenden Medienberichten war der Schütze Devin Patrick Kelley im Juni 2012 aus einer psychiatrischen Einrichtung im Bundesstaat New Mexico geflohen. Zwei Polizisten hätten ihn an einer Bushaltestelle in der texanischen Stadt El Paso aufgegriffen.

Unklar blieb zunächst, wie lange Kelley in der psychiatrischen Einrichtung war. Er war in New Mexico bei der Luftwaffe stationiert, die bei den Ermittlungen nach der Tat in der First Baptist Church in Sutherland Springs mit 26 Todesopfern und 20 Verletzten unter Druck geraten ist. Dabei geht es um die Frage, wie der Täter Waffen kaufen konnte, obwohl er wegen häuslicher Gewalt vorbestraft war.

Debatte über Waffenbesitz

Befürworter des in Texas besonders hoch gehaltenen Rechts auf freien Zugang zu Schusswaffen argumentieren, nicht die Waffenfreiheit, sondern die unzureichende Anwendung von Gesetzen hätten die Tat ermöglicht. Die Luftwaffe räumte ein, dass das Vorstrafenregister des Mannes nicht an eine Datenbank des FBI weitergegeben worden sei. Das Militär habe eine Untersuchung eingeleitet.

Wegen der Verurteilung hätte es Kelley eigentlich nicht erlaubt sein dürfen, Waffen zu kaufen. Er erwarb aber ein halbautomatisches Gewehr und zwei Pistolen. Mit dem Gewehr verübte er die Tat.

Beamte in weißen Schutzanzügen stehen vor dem Eingang der Baptistenkirche in Texas. | Bildquelle: AP
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Der Ort des Anschlags wenige Stunden nach der Tat. Der Amokläufer hatte 26 Menschen getötet.

Motiv weiter unklar

Der 26-jährige Kelley war kurz nach seinem Amoklauf tot in seinem Wagen gefunden worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich selbst erschoss. Das Motiv steht noch nicht fest, aber bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es in seinem persönlichen Umfeld liegt.

Kelley hatte für mehrere Jahre in der Luftwaffe gedient. 2012 wurde er von einem Militärgericht wegen Angriffen auf seine damalige Frau und seinen kleinen Stiefsohn verurteilt. Offenbar hielt er sich vor dem Prozess in der psychiatrischen Einrichtung auf. Kelley verbrachte dann ein Jahr in Haft und wurde 2014 aus der Luftwaffe entlassen.

Textnachrichten mit Drohungen

Als mögliches Motiv kristallisiert sich immer stärker heraus, dass Kelley wütend auf die Familie seiner zweiten Frau war. Er hatte 2014 erneut geheiratet, lebte aber von der Frau getrennt. Nach Angaben von Ermittlern schickte er seiner Schwiegermutter Textnachrichten mit Drohungen. Die Frau hatte die Kirche in der Vergangenheit besucht. Am Sonntag war sie aber nicht im Gottesdienst.

Kelley selbst sei früher zu Kirchenveranstaltungen gegangen, aber dort nicht willkommen gewesen, sagte der Sheriff von Wilson County, Joe Tackitt, dem Sender CNN. Der Pastor der Gemeinde, Frank Pomeroy, habe Kelley von dessen Besuchen her gekannt und ihn dort ungern gesehen. Es habe keine Bedrohungen gegeben, aber Pomeroy habe den Behörden gesagt, dass Kelley "kein guter Mensch ist, den man um sich haben will". Die 14-jährige Tochter des Geistlichen kam bei dem Amoklauf am Sonntag ums Leben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. November 2017 um 03:00 Uhr.

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