US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: dpa

Koreanische Annäherung Trump bleibt stur

Stand: 08.02.2018 08:43 Uhr

Die morgen beginnenden Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang haben für politische Entspannung auf der koreanischen Halbinsel gesorgt. Die US-Regierung verfolgt das allerdings mit Skepsis.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Nordkorea wird bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele hochrangig vertreten sein: Sogar die 28-jährige Schwester des nordkoreanischen Diktators reist erstmals nach Südkorea. Obwohl sie auf der amerikanischen Sanktionsliste steht, könnte sie im Stadion in der Nähe von US-Vizepräsident Mike Pence sitzen.

Pence führt die US-Delegation an. Bei seinem Zwischenstopp in Japan warnte Pence davor, sich von Nordkoreas olympischer Charme-Offensive täuschen zu lassen: "Wir werden der nordkoreanischen Propaganda nicht erlauben, die Botschaften und die Bilder der Olympischen Spiele zu missbrauchen. Wir werden Nordkorea nicht erlauben, hinter der olympischen Flagge die Tatsache zu verstecken, dass sie ihre Bürger versklaven und die ganze Region bedrohen."

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit seiner Schwester Kim Yo Jong. | Bildquelle: AP
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Die Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, wird am Freitag zu den Olympischen Spielen reisen.

Entspannungspolitik im Alleingang

Dass Amerikas Verbündeter Südkorea im Alleingang olympische Entspannungspolitik betreibt, wird in der Trump-Regierung mit Misstrauen verfolgt. Damit sich Nordkorea gar nicht erst falsche Hoffnungen macht, kündigte Pence noch vor dem Start der Olympischen Spiele eine drastische Verschärfung der Sanktionen an. Die Vereinigten Staaten würden in Kürze die härtesten und aggressivsten Sanktionen gegen Nordkorea verhängen, die es je gab, so Pence. "Wir werden Nordkorea so lange weiter isolieren, bis es sein Atom- und Raketenprogramm ein für alle Mal aufgibt."

Während Nordkoreanerinnen und Südkoreanerinnen mit einer gemeinsamen Eishockey-Mannschaft antreten und sich nordkoreanische Taekwondo-Kämpfer präsentieren dürfen, will der amerikanische Vizepräsident auf Veranstaltungen die Menschenrechtsverletzungen des nordkoreanischen Regimes anprangern.

alt Südkoreas Präsident Moon Jae In hält bei der Eröffnung der 132. IOC-Versammlung eine Rede | Bildquelle: dpa

Präsident Südkoreas trifft Kim Jong Uns Schwester

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In will sich mit der Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un treffen. Ein Präsidentensprecher erklärte, die Delegation um Kim Yo Jong werde an der Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitagabend teilnehmen. Für Samstag sei dann ein Mittagessen mit den südkoreanischen Vertretern geplant. Zeit und Ort wurden nicht bekannt.

Die mehrköpfige Delegation unter Leitung des protokollarischen Staatsoberhauptes von Nordkorea, Kim Yong Nam, soll nach südkoreanischen Angaben am Freitag mit einem Privatjet anreisen. Der Besuch gilt als Zeichen dafür, dass Machthaber Kim die seit Anfang des Jahres betriebene Annäherung fortsetzen will. Seine Schwester Kim Yo Jong wäre das erste Mitglied der nordkoreanischen Herrscherfamilie, das seit dem Koreakrieg den Süden besucht.

Begleitet wird Pence von Fred Warmbier, dem Vater des monatelang in Nordkorea inhaftierten US-Studenten, den das Regime erst freiließ, als er im Koma lag und der kurz nach seiner Heimkehr starb. Gemeinsam mit Warmbier werde er die Welt daran erinnern, dass Nordkorea das brutalste Regime der Welt ist, sagte Pence. Auf die Frage, ob er sich dennoch am Rande der Spiele mit einem Vertreter Nordkoreas zu Gesprächen treffen werde, sagte Pence: "Ich habe mich nicht darum bemüht, aber wir werden sehen, was passiert."

Mike Pence setzt damit um, was US-Präsident Trump in seiner Rede zur Lage der Nation angekündigt hatte: Die "Kampagne des maximalen Drucks" wird fortgesetzt. Trump lehnt Zugeständnisse oder gar eine Beschwichtigungspolitik gegenüber Nordkorea ab und droht weiter mit einer militärischen Option.

Trump-Regierung sei "stur"

Als der designierte US-Botschafter für Südkorea, Victor Cha, kürzlich warnte, es gebe keine Option für einen begrenzten Militärschlag gegen Nordkorea ohne einen Flächenbrand zu riskieren, nahm das Weiße Haus die Berufung des renommierten Korea-Experten zum Botschafter zurück.

Korea-Experte Victor Cha | Bildquelle: AP
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Victor Cha gilt als Korea-Experte und gehörte zu Präsident George W. Bushs Sicherheitsberatern.

Die Trump-Regierung laufe Gefahr, mit ihrer sturen Haltung die diplomatischen Chancen zu verpassen, findet der Fernost-Experte Ian Bremmer von der Denkfabrik Eurasia-Group: "Nordkorea schickt hochrangige Vertreter wie den offiziellen Staatschef und Kims Schwester. Auch weil die Trump-Regierung solchen Druck ausübt. Es gibt also eine Möglichkeit für Gespräche. Aber es ist unklar, ob es dazu tatsächlich kommt."

Den Regierungen der USA und Südkoreas empfiehlt Bremmer ein Vorgehen mit verteilten Rollen: die Trump-Regierung als "böser Polizist", Südkorea als "guter Polizist". Trumps harte Haltung habe durchaus Erfolge gebracht, meint der Fernost-Experte. So habe China im vergangenen Jahr mehr Druck auf Nordkorea ausgeübt als in den zwei Jahrzehnten zuvor. Letztlich erfolgversprechend sei jedoch nur eine Doppelstrategie aus harten Sanktionen und Diplomatie.

Olympisches Tauwetter in Korea - Trump-Regierung warnt vor Illusionen
Martin Ganslmeier, ARD Washington
08.02.2018 11:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Februar 2018 um 08:03 Uhr.

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