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Chinas Hauptstadt unter giftiger Glocke
Wieder Smog-Alarm in Peking
Nur ein paar Tage konnten die Bürger Pekings letzte Woche durchatmen, dann kehrte der Smog zurück. Atemschutzmasken sind vielerorts ausverkauft und die Notaufnahmen vieler Krankenhäuser überfüllt. Die Pekinger sind hochgradig genervt und besorgt, und sogar Staatsmedien üben offen Kritik.
Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking
Es kratzt im Hals, die Bronchien schmerzen, die Luft schmeckt nach einem Gemisch aus Abgasen, Kohle und Rauch. Die Sichtweite auf den Straßen liegt wieder einmal unter wenigen hundert Metern. "Früher gab es blauen Himmel", sagt eine Frau. "Aber jetzt sehen wir die Farbe des Himmels überhaupt nicht mehr. Und viel zu viele alte Leute und Kinder werden krank."
Peking erneut unter giftiger Smog-Glocke
R. Kirchner, ARD Peking
29.01.2013 14:18 Uhr
Immer mehr Kranke durch Smog
Laut Medienberichten ist die Zahl der Patienten in den Notaufnahmen zahlreicher Krankenhäuser sprunghaft gestiegen. Viele litten unter Atemwegsproblemen und Husten, der durch die Luftverschmutzung verursacht sei. Die hohen Schadstoffkonzentrationen schwächten das Immunsystem, sagen Ärzte. Allein das Pekinger Kinderkrankenhaus hat in diesem Monat 9000 kleine Patienten behandelt, so viele wie noch nie, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.
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So sieht dieser Platz in Peking am heutigen Tag aus und an einem klaren Tag ohne Smog.
"Natürlich mache ich mir große Sorgen", sagt eine Mutter. "Meine Tochter hat eine Hautallergie. Früher hatte sie damit fast nie Probleme, aber wegen des Smogs sagt unser Arzt sieht er immer mehr ähnliche Fälle."
Nicht mehr so schnell Rad fahren
Sorgen machen sich nicht nur die Pekinger, auch viele Ausländer in der Stadt sind hochgradig genervt. So wie dieser Kölner, der seit einem Jahr in Peking lebt: "Das Atmen fällt schon schwerer, man sollte keinen Sport machen, langsam fahren. Ich fahre sonst recht schnell mit dem Fahrrad, jetzt fahre ich langsam. Möglichst wenig rausgehen. Und den Luftwäscher anschmeißen."
Smog-Alarm wurde nicht nur für Peking ausgerufen, sondern für große Teile von Nordostchina. Die Konzentrationen des besonders gefährlichen Feinstaubs lag vielerorts beim Zwanzigfachen des von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwertes. Rund 100 Fabriken in und um Peking mussten die Produktion runterfahren oder einstellen. Viele Schulen sind wegen des bevorstehenden Neujahrsfestes bereits geschlossen. Viele internationale Schulen - darunter auch die Deutsche Schule in Peking - lassen die Kinder nicht mehr auf den Pausenhof, Sportvereine sagen das Training ab.
Kritik sogar von Staatsmedien
Eine amerikanische Ärztin gibt ihren ausländischen Patienten einen ganz unverblümten Rat: "Wenn ich Babies hätte oder kleine Kinder würde hier nicht länger als ein oder zwei Jahre bleiben. Auf keinen Fall. Und ich sage manchen meiner Patienten, dass sie eine Versetzung ins Auge fassen sollten."
20 Millionen Pekinger haben diese Option nicht. Sie hoffen auf ihre Regierung. Die hat für dieses Jahr eine Reduzierung der Schadstoffe in der Luft um zwei Prozent angekündigt. Das sei eher bescheiden, kritisieren selbst Staatsmedien. Es brauche neue, schärfere Gesetze, forderte ein bekannter Immobilien-Entwickler im Internet - und erntete viel Zustimmung. "Was ist eine Weltstadt?", fragte auch die englischsprachige "China Daily". Und die Antwort schob sie gleich hinterher: "Ganz sicher keine Stadt, die an den meisten Wintertagen unter einer dichten Smogglocke liegt."
Stand: 29.01.2013 14:45 Uhr
