Erneuter Smog-Alarm Peking verspricht bessere Luft - zumindest ein bisschen

Stand: 24.01.2013 14:05 Uhr

Peking wird den Smog nicht los. Erneut wurde gestern Smog-Alarm ausgelöst, erneut galten die Luftwerte als "gefährlich". Doch die Stadt gelobt Besserung: Der Anteil der Dreckpartikel in der Luft soll 2013 um immerhin zwei Prozent reduziert werden. Viel zu langsam, meinen Experten.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Peking wolle mehr Bäume pflanzen, verkündete Bürgermeister Wang Anshun. Außerdem sollen die alten Heizungen von 44.000 Haushalten modernisiert und 180.000 ältere Fahrzeuge von den Straßen verbannt werden, sagte er. Die Abgasnormen für Neuwagen sollen ab Februar verschärft werden. Die Stadt behält sich außerdem an schlimmen Smog-Tagen Fahrverbote und Produktionsstopps vor.

Die Smogwerte von Peking werden auf einem Smartphone angezeigt. | Bildquelle: dpa
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Smartphone-Apps warnen vor "gefährlicher" Luftqualität.

Doch schlimme Smog-Tage gibt es derzeit ständig. Erst gestern wurde erneut Smog-Alarm ausgelöst. Die Werte für den besonders gefährlichen Feinstaub lagen beim Zehnfachen des WHO-Grenzwertes.

Touristen waren geschockt: "Weil wir unsere Flugtickets schon vor einem Monat gebucht hatten, sind wir nach Peking gekommen", erzählt eine 35-Jährige beim Besuch der Verbotenen Stadt. "Wenn wir gewusst hätten, wie schlimm die Luft ist, wären wir sicherlich nicht gekommen."

Auch Pekings Nachbarn müssen handeln

Rauchende Kraftwerks-Schornsteine in der chinesischen Stadt Changchun | Bildquelle: AFP
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Auch außerhalb Pekings müsste die Energiegewinnung aus Kohle reduziert werden, fordern Experten.

Die Behörden geloben Besserung. Insgesamt soll der Anteil der Dreckpartikel in der Luft in diesem Jahr um zwei Prozent reduziert werden. Das sei viel zu wenig, kritisieren Umweltschützer. Bei dem Tempo würde es Jahrzehnte dauern, bis die Luft besser wird.

Zhou Rong von Greenpeace China vermisst zudem Maßnahmen, die das Grundproblem an der Wurzel packen - nämlich die Abhängigkeit Chinas von der Kohle. "Selbst wenn Peking den Kohleverbrauch in den nächsten fünf Jahren um 50 Prozent senkt, aber die Nachbarprovinz gleichzeitig ihren Kohleverbrauch um 30 Prozent erhöht, verhindert das, dass die Luft in der Region besser wird", erklärt Zhou.

Smog wurde jahrelang als "Nebel" heruntergespielt

Umweltschützer fordern auch eine bessere Einhaltung bestehender Richtlinien. Das sei wichtiger als ständig neue Versprechungen zu machen. Denn das Smog-Problem ist nicht neu in Peking.

Eine Frau in Peking hilft einer anderen, eine Atemschutzmaske aufzusetzen. | Bildquelle: dapd
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Jahrelang wurde das Smogproblem totgeschwiegen.

Neu ist die Offenheit, mit der darüber in den Staatsmedien  berichtet wird, nachdem die Behörden jahrelang den Smog als "Nebel" heruntergespielt hatten.

Doch seit Jahresanfang werden - nach öffentlichem Druck - erstmals Daten zur Feinstaubbelastung veröffentlicht. "Die Daten sprechen für sich und zeigen das wahre Ausmaß der Luftverschmutzung", sagt Zhu Tong von der Universität Peking. "Das hat vielen Menschen die Augen geöffnet."

"Wir brauchen eine andere Industriekultur"

Der Smog hat auch neue Zweifel an Chinas Wachstumsmodell geweckt. Professor Zhu fordert, endlich ernst zu machen mit einem Umbau der Wirtschaft. Weg von der Idee des Wachstums um jeden Preis, hin zu mehr
Ökologie.

Peking verspricht bessere Luft - aber nur ein bisschen
R. Kirchner, ARD Peking
24.01.2013 12:53 Uhr

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"Wenn wir unser Wachstumsmodell nicht umstellen, werden die Umweltbelastungen eines Tages einfach zu groß", erklärt Zhu. "Wir brauchen ein anderes Wachstum, weg von der Billigproduktion, wir brauchen eine andere Energie- und Industriestruktur. In Zukunft muss man diese Dinge im Zusammenhang sehen."

Denn die Luft ist beileibe nicht das einzige Problem. In Peking ist neuerdings auch eine Debatte über die Qualität des Trinkwassers entbrannt. Schon sprechen Experten davon, dass die Umweltprobleme Chinas eines Tages die soziale Stabilität im Land ernsthaft gefährden könnten.

Eine Pandastatue im Smog vom Peking | Bildquelle: dpa
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Eine Pandastatue im Smog von Peking

Dieser Beitrag lief am 13. Januar 2013 um 09:51 Uhr auf NDR Info.

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