Paul Ryan bei seiner Vereidigung | Bildquelle: REUTERS

Ryan neuer Sprecher des Repräsentantenhauses Zögerlich an die Macht

Stand: 29.10.2015 21:51 Uhr

Zuerst kandidierte er nur widerwillig, nun ist Paul Ryan der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses. Damit bekleidet der konservative Politiker eines der machtvollsten Ämter Washingtons. Wer ist der Mann?

Von Andreas Horchler, ARD-Hörfunkstudio Washington

Der gemäßigte, sentimentale, 65 Jahre alte John Boehner geht. Er hatte größere Probleme mit der konservativen Tea Party als mit dem demokratischen Präsidenten. Der junge, rechte Paul Ryan tritt an.

Ryan ist ein versierter Redner und Haushaltsexperte. Einer der sich durchbeißen kann, der mit 16 den Vater verlor und erster Sprecher ist, der als junger Mann bei McDonalds gearbeitet hat. Unser nächster Sprecher muss Visionen haben, hatte Ryan gesagt, als er seine Bedingungen dafür formulierte, nach John Boehner "Speaker" zu werden.

Weniger Staat, weniger Steuern, mehr Individualismus

Ryans Visionen: Weniger Staat, weniger Steuern, mehr Selbstverantwortung, mehr Individualismus. Kein Entgegenkommen mehr für wenige, sondern Chancen für alle, forderte er in seiner Antrittsrede: "Das ist unser Motto."

In der Rede gab Ryan sich staatsmännisch. Einer, der den jahrelangen politischen Stillstand in Washington beenden will. Der Mann aus Janesville, Wisconsin ist stolz darauf, schon in fünfter Generation Einwohner des nördlichen Bundesstaates zwischen Mississippi und Michigan-See zu sein. Mit seiner Frau und drei Kindern lebt Ryan dort, wo er geboren wurde. In Janesville. Selbst zum Wirtschafts- und Politikstudium zog es ihn nur ins benachbarte Ohio.

Ryan gab sich als Fan von Ayn Rand

Mit 28 Jahren begann seine politische Karriere im Kongress. Jahrelang berief sich der Kongressabgeordnete auf Ayn Rand. Die in Russland geborene Autorin entwickelte in Romanen wie "Der Streik" ein Bild der guten Industriebarone und Unternehmer und der armen, bösen Sozialschmarotzer. 1959 erklärte sie einem verblüfften Interviewer: "Ich stelle das Konzept des Altruismus in Frage, die Vorstellung, dass der Mensch für andere Leben soll, dass er sich für andere aufopfern soll. Das ist doch die heutige Moralvorstellung."

Mit dem Aufkommen der rechten Tea Party verkauften sich die Bücher Rands prächtig, in Europa wurden die Werke der erzkonservativen Exil-Russin kaum beachtet. Ryan gab sich 2009 als großer Fan: "Ich las als Heranwachsender Ayn Rand", sagte er damals. "Die Lektüre zeigte mir, wer ich bin, was meine Moralvorstellungen, meine Überzeugungen sind. Das inspirierte mich so sehr, dass ich meine Mitarbeiter und Praktikanten anhielt, Ayn Rand zu lesen. Wenn ich eine Denkerin, eine Person dafür verantwortlich machen müsste, warum ich in die Politik gegangen bin, dann wäre das Ayn Rand."

Paul Ryan | Bildquelle: dapd
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2012 war Ryan als "Running Mate" von Mitt Romney Vizepräsidentschaftskandidat.

Vor seiner Kandidatur als Vizepräsident 2012 distanzierte Ryan sich von Rands Philosophie. Die atheistischen Gedanken Rands passten nicht zu Ryans Katholizismus, nicht in den konservativen Wertekanon Amerikas. Viele Kritiker nehmen dem neuen Speaker aus Wisconsin die Gedankenwende allerdings nicht ganz ab.

Und auch bei seiner ersten Rede als Sprecher des Repräsentantenhauses schimmerte die alte Überzeugung durch. "Freie Menschen können sich selbst regieren. Sie können ihre Probleme selbst lösen. Sie können ihre eigenen Entscheidungen treffen, abwägen und zusammenarbeiten."

Freie Menschen kommen für Ryan ohne Fürsorge aus, ohne Sozialhilfe, ohne großen Staat. Sie sorgen für sich selbst. Die Vorzeichen für ein neues Miteinander von Republikanern und Demokraten stehen schlecht.

Porträt Paul Ryan
Andreas Horchler, ARD Washington
29.10.2015 22:02 Uhr

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