Syrer hält Pass in die Kamera  | Bildquelle: dpa

Erbeutete IS Blanko-Dokumente? Frontex warnt vor falschen Pässen

Stand: 20.12.2015 12:16 Uhr

Die Terrormiliz IS hat offenbar in mehreren arabischen Staaten Passdokumente erbeutet. Das berichtet die "Welt am Sonntag" und beruft sich auf Erkenntnisse westlicher Geheimdienste. EU-Grenzschützer sprechen von einem Sicherheitsrisiko.

Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex warnt vor falschen Pässen. Behördenchef Fabrice Leggeri sagte in einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag", seine Beamten kontrollierten zwar genau, ob Flüchtlinge möglicherweise mit gefälschten oder gestohlenen Papieren einreisten. Die Aussagekraft von Flüchtlingspässen sei aus seiner Sicht aber sehr begrenzt.

Frontex-Chef Fabrice Leggeri, am 18.03.2015 in seinem Büro in Warschau | Bildquelle: dpa
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Frontex-Chef Leggeri: "Die großen Ströme von Menschen, die derzeit unkontrolliert nach Europa einreisen, stellen natürlich auch ein Sicherheitsrisiko dar."

In einem Bürgerkriegsland wie Syrien könne niemand garantieren, "dass Dokumente, die echt aussehen, auch wirklich von einer offiziellen Behörde ausgestellt wurden oder wirklich von dem rechtmäßigen Inhaber mitgeführt werden".

IS soll Tausende Dokumente erbeutet haben

Unter Berufung auf westliche Geheimdienste berichtet die Zeitung weiter, die Terrormiliz habe sich Zehntausende echte Passdokumente beschafft. In Syrien, dem Irak und in Libyen hätten die Extremisten in mehreren Städten die offiziellen Ämter und Behörden übernommen, dabei Blanko-Pässe erbeutet und wohl auch Maschinen zur Produktion von Ausweisdokumenten.

Behörden sehen Sicherheitsrisiko

Die Sicherheitsbehörden befürchten jetzt, dass die Dschihadisten die Pässe auch nutzen, um Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schleusen.

Mindestens zwei der Attentäter der islamistischen Anschlägen von Paris am 13. November sollen Anfang Oktober mit syrischen Pässen über Griechenland in die Europäische Union eingereist sein. Sie sollen dabei Ausweise verwendet haben, die der IS im syrischen Raka gestohlen hatte.

In Österreich hatte die Polizei jüngst zwei weitere Verdächtige in einem Flüchtlingsheim in Salzburg festgenommen. Die beiden Männer sollen mit Pässen aus derselben Tranche aus Raka nach Europa gekommen sein.

Informationen über erbeutete Papiere

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" übermittelte ein ausländischer Geheimdienst jüngst deutschen Behörden eine Liste mit Passnummern jener Dokumente, die von der IS-Miliz im syrischen Raka erbeutet worden sein sollen. Die Daten seien inzwischen im Schengener Informationssystem eingespeist worden.

Flüchtlinge Griechenland | Bildquelle: dpa
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Seit März sind Flüchtlinge und Migranten in großer Zahl weitgehend unkontrolliert in die EU eingereist.

Bereits im März war berichtet worden, dass der Terrormiliz IS im ostsyrischen Al-Rakka rund 3800 syrische Blanko-Reisepässe in die Hände gefallen. Einen entsprechenden Bericht des Bielefelder "Westfalen-Blatts" hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Dezember 2015 um 23:15 Uhr.

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