Eine Luftaufnahme von Gibraltar | Bildquelle: picture alliance / Arco Images

Parlamentswahl in Gibraltar Emotionaler Streit ums Fußballstadion

Stand: 26.11.2015 11:57 Uhr

Gut 23.000 Einwohner in Gibraltar sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Nach Umfragen wird die regierende Mitte-Links-Partei wiedergewählt. Doch es gibt Streit - über die Zukunft des Fußballstadions wird emotional debattiert.

Von Oliver Neuroth, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Gibraltar ist winzig. Die britische Überseezone hat aber ein eigenes Parlament. Heute sind gut 23.000 Einwohner aufgerufen, über die 17 Sitze zu entscheiden. Bisher regiert dort die Mitte-Links-Partei - nach Umfragen wird es dabei auch bleiben. Doch selbst im winzigen Gibraltar gibt es politische Streitthemen.

Opposition will "Kult-Stadion" sanieren

Gibraltar: Das sind rund 30.000 Einwohner und 300 Affen. Letztere leben auf dem berühmten Felsen, die Menschen gleich daneben in einer dicht gedrängten Stadt. Denn viel Platz hat Gibraltar nicht - gerade mal sechseinhalb Quadratkilometer. Auf dieser Fläche gibt es auch einen Flughafen und gleich daneben ein Fußballstadion. Und das ist zu einem Wahlkampfthema geworden. "Gibraltar hat ein Kult-Stadion an einem Kult-Ort verdient. Und das Victoria-Stadion war immer schon die Heimat des Fußballs und des Sports in Gibraltar", sagt Peter Feetham von den Gibraltar Social Democrats, einer Mitte-Rechts-Partei, die gerne an die Macht will und die aktuelle Mitte-Links-Partei an der Spitze ablösen möchte.

Feethams Idee: Das alte Victoria-Stadion wird zu einer Fußball-Arena aufgerüstet, sodass dort internationale Spiele stattfinden dürfen. Im Moment ist das Stadion dafür nämlich zu klein - die Nationalmannschaft von Gibraltar kann dort zwar trainieren, fährt aber jedes Mal nach Portugal, wenn ein Team aus dem Ausland zu Besuch kommt.

Der aktuelle Regierungschef von Gibraltar, Chief Minister Fabian Picardo von der Gibraltar Socialist Labour Party, ist gegen den Plan der Konkurrenz: "Es gibt die Chance, dass die UEFA uns ein ganz neues Stadion baut. Herr Feetham will stattdessen Geld in die Sanierung des alten stecken - und nicht in eine neue Schule für Kinder mit Behinderung. Ich finde, das ergibt keinen Sinn. Wo ist da das Mitgefühl?"

Einigkeit über eine eigene Regierung

Große Rhetorik im Wahlkampf in Gibraltar, die das Thema Fußballstadion zu einer emotionalen Debatte gemacht hat. Bei einem anderen Thema sind sich die beiden größeren Parteien immerhin einig: Gibraltar soll seine eigene Regierung behalten und keinesfalls irgendwelche Vereinbarungen mit Spanien treffen. Denn mit dem Land, das nur ein paar Schritte von Gibraltar entfernt liegt, gibt es seit langem Streit. Im Grunde seit gut 300 Jahren - seitdem Spanien das Gebiet an Großbritannien abtreten musste.

Vor zwei Jahren ging es um die Frage, wem welche Bereiche des Mittelmeers gehören. Gibraltar rammte Betonblöcke ins Wasser, um Fakten zu schaffen - der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo drohte, 50 Euro für den Grenzübertritt zu erheben und den Luftraum nach Gibraltar zu sperren. "Señor Margallo war sehr aggressiv und erhob Anspruch auf Gibraltar. Als Spanien uns auf diese Weise angriff, haben wir uns verteidigt - die ganze Welt hat mitbekommen, dass wir die besseren Argumente hatten", sagt Picardo.

Zeichen für eine neue Arena stehen gut

Amtsinhaber Picardo hat auch die besseren Chancen, wieder zum Chief Minister von Gibraltar gewählt zu werden. Umfragen sehen ihn klar vor seinem Herausforderer Feetham. Sollte Picardo also gewinnen, könnte das heißen: Gibraltar bekommt eine neue Fußballarena, geplant ist der Bau am Südzipfel der Stadt, und Gibraltar bleibt absolut britisch. So wollen es auch die Einwohner - das haben sie in mehreren Volksabstimmungen klargemacht. Zuletzt 2002, als 99 Prozent für die Herrschaft Großbritanniens stimmten. Deshalb wird auch klassisch britisch an einem Donnerstag gewählt. Die Wahllokale haben von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Gibraltar wählt ein neues Parlament
Oliver Neuroth, ARD Madrid
26.11.2015 11:34 Uhr

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