Ermittler untersuchen den Anschlagsort in Paris | Bildquelle: AP

Schüsse auf Polizisten IS reklamiert Anschlag von Paris für sich

Stand: 21.04.2017 02:43 Uhr

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich zum Anschlag auf Polizisten in Paris bekannt. Für den Angriff, bei dem ein Beamter und der Täter starben, sei der IS-Kämpfer "Abu Yussef der Belgier" verantwortlich. Laut Ermittlern soll der Täter ein vorbestrafter Franzose sein.

Der IS hat den Anschlag von Paris auf Polizisten für sich reklamiert. Für die Attacke sei der IS-Kämpfer "Abu Yussef der Belgier" verantwortlich, teilte das IS-Sprachrohr Amaq mit. Bei dem Attentat waren ein Polizist getötet und zwei weitere Sicherheitskräfte verletzt worden, der Angreifer wurde daraufhin getötet. Zudem sei eine Touristin durch eine Kugel leicht verletzt worden, verlautete aus Polizeikreisen. Ihre Nationalität wurde nicht mitgeteilt. Der Vorfall ereignete sich nahe der Metrostation Franklin Roosevelt auf den Champs-Élysées.

Die Sicherheitskräfte riegelten die Straße nach dem Angriff weiträumig ab und riefen die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden. Über der Prachtstraße war ein Hubschrauber im Einsatz. Der Besitzer eines Restaurants in der Nähe des Tatorts sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei ein kurzer, aber intensiver Schusswechsel zu hören gewesen. "Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt."

Schüsse in Paris: Mindestens ein Polizist und Angreifer getötet
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.04.2017

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Täter offenbar vorbestrafter Franzose

Die Staatsanwaltschaft von Paris identifizierte den Angreifer. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen ist er bereits wegen bewaffneter Angriffe auf Polizisten vorbestraft gewesen. Der Angreifer, ein 39-jähriger Franzose, sei im Februar 2005 zu fünf Jahren Haft wegen versuchter Tötung von drei Menschen, darunter zwei Polizeibeamte, verurteilt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen. Der Mann hatte die Angriffe den Angaben zufolge in einem Berufungsprozess gestanden. In erster Instanz sei der Mann 2003 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Laut Polizei soll der Mann aus einem Vorort von Paris stammen.

Derzeit werde ermittelt, ob er Komplizen gehabt habe, teilte die Ermittler mit. Laut Staatsanwaltschaft war er mit einem Sturmgewehr bewaffnet. Die Behörden durchsuchten eine Wohnung, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll. Der getötete Schütze soll vor dem Angriff die Absicht geäußert haben, Polizisten zu töten, wie aus dem Umfeld der französischen Anti-Terror-Ermittler verlautete.

Mathias Werth, ARD Paris, zum Anschlag auf den Champs-Elysées
nachtmagazin 00:15 Uhr, 21.04.2017

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Hollande spricht von Terror

Der französische Präsident François Hollande zeigte sich überzeugt, dass es sich bei der Tat um einen Terrorakt handelt. "Wir sind überzeugt, dass die Spuren (...) terroristischer Art sind", sagte Hollande nach einem Krisentreffen im Élyséepalast. Er kündigte ein Treffen des Sicherheitskabinetts an. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl am Sonntag sagte er: "Wir werden absolute Wachsamkeit zeigen, insbesondere im Hinblick auf den Wahlprozess."

Kanzlerin Angela Merkel sprach Hollande ihr Beileid aus. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Familien. Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es sieht wie ein weiterer Terrorangriff aus", sagte er in Washington. "Es endet einfach nie." Die Öffentlichkeit müsse daher "stark" und "wachsam" sein, appellierte Trump.

Polizisten in Paris | Bildquelle: REUTERS
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Polizisten sperren den Tatort ab.

Wahlkampfauftritte abgesagt

Der konservative Kandidat François Fillon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen kündigten an, ihre Wahlkampfauftritte ausfallen zu lassen. Auch Präsident Hollande sagte einen geplanten Besuch in der Bretagne nach Angaben seines Umfeldes ab.

In Frankreich sind vor der Wahl Tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. In dem Land gilt seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 der Ausnahmezustand. Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt, der womöglich im Zusammenhang mit dem Wahlkampf stand. In Marseille wurden zwei "radikalisierte" Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden unter anderem Sprengstoff und Schusswaffen sowie eine IS-Flagge gefunden. In den vergangenen Jahren hatte es in Frankreich immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte gegeben.

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