Gedenken an die Opfer des Anschläge von Paris | Bildquelle: REUTERS

Was Anwohner und Angehörige sagen Das Leben ist zurück - die Leichtigkeit nicht

Stand: 13.11.2016 17:07 Uhr

Paris ist nicht mehr dieselbe Stadt - dieses Gefühl haben viele Anwohner ein Jahr nach den Anschlägen. Der Sohn eines der Opfer findet trotzdem beeindruckende Worte: "Die Hassgefühle einiger weniger dürfen sich nicht in die Brutalität aller verwandeln."

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Es wurde viel geschwiegen am heutigen Sonntag, dem 13. November, ein Jahr nach den furchtbaren Anschlägen, die Paris erschüttert hatten. Sechs Schweigeminuten an den sechs Orten, an denen die Attentäter zugeschlagen hatten, begonnen am Stade de France. Und überall verharrten die Menschen, sammelten sich, gedachten der Opfer und der Schrecken jener Nacht.

Staatspräsident François Hollande und die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalogo legten an jedem der Orte einen Blumenkranz nieder und enthüllten Gedenktafeln, auf denen die Namen der Toten eingraviert sind. Still sollte das Gedenken sein und würdevoll - nur die Namen der Opfer wurden verlesen.

Frankreich gedenkt der 130 Opfer der Anschläge von Paris
tagesschau 20:00 Uhr, 13.11.2016, Ellis Fröder, ARD Paris

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Reden von Politikern hatten sich die Angehörigen der 130 Toten ausdrücklich verbeten, viele trauern noch und versuchen, irgendwie wieder in ein normales Leben zurückzufinden - so zum Beispiel Stephane Le Bourgies, dessen Frau auf der Terrasse des Restaurants Belle Equipe umgebracht worden war: "Ich kenne Leute, die haben sich total zurückgezogen", sagt Le Bourgies: "Ich aber bin nicht so. Das bin ich meiner Frau Veronique schuldig. Ich muss darüber reden - und ich rede."

Und dann erfuhr er: Der Tote was sein Vater

Eindringliche Worte fand der Sohn des Mannes, der von einem der Selbstmordattentäter am Stade de France getötet wurde. Mickael Dias hatte in den Nachrichten gehört, dass es am Stadion einen Toten gegeben hatte. "Gottseidank, es ist nur einer", dachte er sich. Dann erfuhr er, dass es sich beim dem Toten um seinen Vater handelte.

"Er war der erste an jenem Abend, 129 sollten ihm folgen", sagt Dias. "Diese Anschläge haben unsere Leben für alle Zeit verändert. Wir wissen, dass nichts mehr sein wird, wie es war." Mickael Dias hält eine Rede, wie sie kein Politiker besser hätte halten können: Wie kann man weiterleben, ohne zum Hassenden zu werden, fragt er, wie ein freies Land bleiben angesichts dieser Bedrohungen? Dias hat die Antworten im Leben seines Vaters gefunden - eines portugiesisch-stämmigen Einwanderers, der vor der Diktatur geflüchtet war: Integration sei möglich, aber dafür brauche es Toleranz und Bildung.

"Mit Wissen und mit Intelligenz können wir verhindern, dass die Kinder von morgen sich demütigen und als Kanonenfutter in den Dienst von verbrecherischen, mafiösen Interessen stellen - wie es heute der Fall ist", sagt Dias. Von seinem Vater habe er gelernt, dass Ausgrenzung der falsche Weg sei: "Wir müssen die Stigmatisierung bekämpfen. Integration ist die Lösung. Wenn alle die gleichen Möglichkeiten bekommen sich zu entfalten, werden wir verhindern, dass die Hassgefühle einiger weniger sich in die Brutalität aller verwandeln."

"Die Anschläge haben das Viertel total erschüttert"

Gegen den Hass - und gegen die Angst: So wollen die Pariserinnen und Pariser heute trauern und gedenken, vor allem aber wollen sie sich ihre Stadt von den Terroristen und deren Schatten zurückerobern: "Das ist ein sehr lebendiges Viertel", sagt eine Anwohnerin, "viele Leute kommen her, und glücklicherweise ist das Leben, nun ja, wieder zurück. Wir müssen der Angst widerstehen“

Ein anderer Bewohner des Viertels, in dem die Attentäter zugeschlagen haben, ist skeptischer: "Man spürt das, was hier passiert hat. Die Anschläge haben das Viertel total erschüttert. Zwar haben die Bars schnell wieder geöffnet, aber hier gibt es Leute, die sind auf ewig gezeichnet, das ist klar."

Am Jahrestag zeigt sich wieder, wie sehr die Stadt, wie sehr das Land unter den Anschlägen gelitten hat und immer noch leidet. Es wird noch lange dauern, bis die Leichtigkeit in die Stadt des Lichts zurückgekehrt ist.

Stilles Gedenken - Paris am Jahrestag der Attentate vom 13. November
Barbara Kostolnik, ARD Paris
13.11.2016 16:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2016 um 17:15 Uhr.

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