Die Polizeiwache in Paris, die angegriffen wurde | Bildquelle: dpa

Vereitelter Anschlag in Paris Angreifer war deutscher Polizei lange bekannt

Stand: 10.01.2016 17:16 Uhr

Der bei einem Angriff auf eine Polizeiwache in Paris erschossene Terrorverdächtige hat als Asylbewerber unter verschiedenen Namen in Deutschland gelebt und war der Polizei als Kleinkrimineller bekannt. "Es sind uns sieben Identitäten bekannt", sagte der nordrhein-westfälische LKA-Chef.

Der bei einem Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann ist der deutschen Polizei seit langem bekannt gewesen und war sogar schon inhaftiert. Er habe unter verschiedenen Identitäten Straftaten verübt und eine einmonatige Freiheitsstrafe unter anderem in Heinsberg, Iserlohn und Bochum abgesessen, sagte der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, in Düsseldorf. Gegen den Mann sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden. Er lebte zuletzt in einem Asylbewerberheim in Recklinghausen.

Erschossener Attentäter von Paris
galerie

Die Polizei veröffentlichte dieses Foto und bittet die Bevölkerung um Hinweise auf mögliche weitere Aufenthaltsorte.

Der Mann, der 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist sein soll und davor fünf Jahre illegal in Frankreich lebte, habe mindestens sieben Identitäten vorgespielt. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner und Georgier. "Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist", sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen. Zum Jahreswechsel soll er sich nicht in Deutschland aufgehalten haben.

Schlachterbeil gezogen

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. In seinem Zimmer in Recklinghausen seien selbst gefertigte Zeichnungen von IS-Fahnen gefunden worden.

Statement des LKA-Chefs Jacob zum Ermittlungsstand
10.01.2016

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Der Bürgermeister von Recklinghausen reagierte mit Bestürzung auf die Nachricht, dass der erschossene Attentäter in einer Asylbewerberunterkunft seiner Stadt gelebt hatte. Er wolle nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden "sehr intensiv daran arbeiten", dass sich Islamisten nicht "in unseren Einrichtungen verstecken können", erklärte Bürgermeister Christoph Tesche. Diese Maßnahme sei eine "Pflicht gegenüber unseren Bürgern", so der CDU-Politiker.

Angreifer in Paris kam aus Recklinghausen
tagesthemen 23:15 Uhr, 10.01.2016, Gudrun Engel, WDR

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