Polizist in Paris nach dem vereitelten Angriff | Bildquelle: dpa

Vereitelter Angriff in Paris Angreifer auf Polizeiwache hatte deutsche SIM-Karte

Stand: 08.01.2016 11:38 Uhr

Der Angriff ereignete sich gestern, am Jahrestag des Terroranschlags auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo": Ein Mann attackierte eine Polizeiwache in Paris und wurde erschossen. Laut französischer Staatsanwaltschaft hatte er eine deutsche SIM-Karte im Handy.

Der gestern vor einem Pariser Polizeirevier erschossene Angreifer hatte eine deutsche SIM-Karte im Mobiltelefon. Das sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins in einem Interview des Radiosenders "France Inter". Nach Angaben Molins ist die Identität des Mannes noch nicht abschließend geklärt.

Er war am Jahrestag des islamistischen Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auf zwei Polizisten zugelaufen und hatte ein Schlachterbeil gezogen.

Tunesier oder Marokkaner?

Aus Ermittlerkreisen hatte es kurz danach geheißen, dass es sich um einen 20-Jährigen aus Marokko handele. Er sei den französischen Behörden wegen eines Diebstahls bekannt und 2013 im Süden Frankreichs verurteilt worden. Dies habe der Abgleich der Fingerabdrücke der Leiche mit der Datenbank ergeben.

Laut Molins sei es jedoch nicht sicher, dass diese Angaben korrekt sind. In dem bei ihm gefundenen Dokument gebe er sich als Tunesier aus.

Den Ermittlern zufolge soll der Mann dem Chef der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, die Treue geschworen haben. Dies gehe aus dem bei dem Toten gefundenen Bekennerschreiben mit einer IS-Fahne hervor. Darin habe er seine geplante Tat als Rache für "die Angriffe in Syrien" bezeichnet. Frankreich fliegt in Syrien im Rahmen der US-geführten Militärkoalition Luftangriffe gegen die IS-Miliz.

Mit Metzgerbeil und Sprengstoffattrappe

Am Jahrestag des Terroranschlags auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hatte der Mann versucht in das Kommissariat im 18. Bezirk einzudringen, wie das Innenministerium mitteilte. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit einem Metzgerbeil bewaffnet. Eine Polizeigewerkschaft erklärte zunächst unter Berufung auf Beamte, der Mann habe sich in die Luft sprengen wollen. "Er schrie 'Gott ist groß', und aus seiner Kleidung hingen Drähte heraus. Deshalb haben die Polizisten das Feuer eröffnet", sagte ein Sprecher. Der Mann wurde erschossen. Später wurde bekannt, dass es sich bei dem Gürtel um eine Sprengstoffattrappe gehandelt habe.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus.

Rätselraten um Messer-Angreifer von Paris
B. Kostolnik, ARD Paris
08.01.2016 12:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

1/36

Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" - und was danach geschah (09. und 10.01.2015)

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" gilt in Frankreich als Symbol einer freien Presse, die mit bissigem Humor religiösen Fanatismus, Rassismus, Intoleranz und die Exzesse des Kapitalismus angreift. Die aktuelle Ausgabe nimmt das Buch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq aufs Korn, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft. | Bildquelle: AFP

Darstellung: