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10.02.2010

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Ausland
Papst Benedikt XVI. im Clementina-Saal des Vatikans
Vatikan: Audienz des Papstes mit Spannung erwartet
Generalaudienz von Benedikt XVI.

Sagt er was oder sagt er nichts?

Die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Bischof Williamson hat für viel Wirbel und Kritik gesorgt. Gespannt wird nun die heutige Generalaudienz des Papstes erwartet. Wird sich Benedikt XVI. nochmal dazu äußern? Eine Klarstellung hat er bisher abgelehnt.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Papst Benedikt XVI. beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Erwartungen vor der Generalaudienz des Papstes sind hoch: Wird er sich zur Williamson-Affäre äußern? (Archivbild) ]
Es dürfte einer der spannendsten Papst-Termine seit langem sein. Sagt er was, oder sagt er nichts? Dass sich Benedikt XVI. heute Vormittag bei seiner wöchentlichen Generalaudienz noch einmal zur Williamson-Affäre äußert, ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Der Leiter der vatikanischen Pressestelle Pater Federico Lombardi sagte allerdings gestern dem ARD-Hörfunkstudio Rom, er habe keinen Grund zur Annahme, dass sich der Papst erneut dazu äußert. "Was soll er auch anderes sagen als vergangenen Mittwoch? Ich weiß nicht, ob er vielleicht noch einmal das Thema anspricht, weil er weiß, dass da in Deutschland drüber diskutiert wird – wir werden es ja sehen."

Vatikan sieht keinen Grund für Klarstellung

Trotz deutlicher Kritik der deutschen Bundeskanzlerin, und inzwischen auch des polnischen Parlamentspräsidenten Komorowski, sieht der Vatikan bisher offenbar keinen weiteren Grund für eine Entschuldigung oder für eine weitere Klarstellung. Denn Sprecher Lombardi betont, dass sich der Papst bereits vier Mal zum Thema Holocaust geäußert habe - zuletzt vor einer Woche. Da sagte Benedikt wörtlich: "Der Judenmord muss eine Mahnung für alle sein, gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Verharmlosung."

Damit, so Lombardi, sei die Sache eigentlich klar. Und selbstverständlich könne man aus diesen Äußerungen auch die Haltung des Papstes gegenüber den Anhängern der Piusbruderschaft ablesen: "Aus dem Zusammenhang wird klar, dass sich diese auch auf die Positionen des Bischofs Williamson und alle anderen derartigen Äußerungen bezieht."

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Aussitzen ist keine Möglichkeit

Nur: Die Position des Papstes zum Holocaust stellt eigentlich niemand in Frage. Es geht vielmehr um die Wiedereingliederung von Abtrünnigen in die katholische Kirche, deren abstruses Denken glasklar und - für den Vatikan erst recht - auch nachprüfbar war. Und es geht darum, dass diese Wiedereingliederung geschah, ohne irgendwelche Vorleistungen zu verlangen, wie beispielsweise die Anerkennung der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Wie schwer die Krise außerhalb des Vatikans tatsächlich eingeschätzt wird, dürfte den Verantwortlichen der Kurie möglicherweise erst jetzt aufgehen, nachdem sich nach vielen kircheninternen Kritikern mit Angela Merkel die erste Regierungschefin zu Wort gemeldet hat.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. (Archivbild vom 9 September 2006) (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sie fordert eine Klarstellung, er hält das nicht für nötig: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. (Archivbild vom 9.9.2006) ]

Vielleicht ist der Papst aus Deutschland ja inzwischen aus Schaden klug geworden und findet einige deutliche Worte - oder fällt eine für alle nachvollziehbare Entscheidung. Denn aussitzen lässt sich das Thema nicht mehr, und ob sich die umstrittenen Piusbrüder entschuldigen oder nicht, dürfte inzwischen keine Rolle mehr spielen. Es geht um mehr: Benedikt XVI. muss erklären, welchen Kurs die katholische Kirche seiner Meinung nach künftig einzuschlagen hat. Und er riskiert, dass ihm dabei die Gläubigen in Scharen davonlaufen.

Kann ein Papst zurücktreten?:

Papst Haube und Kreuz (Foto: dpa)
Ein Papst wird grundsätzlich auf Lebenszeit gewählt, das Kirchenrecht sieht aber auch die Möglichkeit des freiwilligen Rücktritts vor. Im Canon 332, Absatz zwei, des kanonischen Rechts (CIC), des Rechts der katholischen Kirche, steht dazu: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird."
Quelle: Quelle: www.kirchensite.de; www.kirchenrecht.ch,
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Rehabilitierung von Piusbrüdern: Was halten Sie von der Entscheidung des Papstes?

Die von Papst Benedikt XVI. vorgenommene Rehabilitierung von vier ultrakonservativen Bischöfen, unter ihnen der Holocaust-Leugner Williamson, hat weltweit für Aufregung gesorgt. Auch die Wiederannäherung an die Piusbruderschaft ist umstritten. Begeht der Papst damit einen Fehler - was denken Sie?

Stand: 04.02.2009 05:10 Uhr

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