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In Frankreich sitzt der Schock über die Entscheidung des Papstes, den Traditionalisten die Hand zu reichen, besonders tief. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Katholiken im Geburtsland des Piusbruders Lefèbvre um die Modernisierung der Kirche und den Dialog mit der Jüdischen Gemeinde.
Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: Papst Benedikt XVI. bei seinem Frankreich-Besuch vor dem Invalidendom in Paris. ]
Die "Benedetto"-Rufe der Jugend sind verstummt. Von der Volksfeststimmung unter den Katholiken in Paris, als der Papst im vergangenen Herbst Frankreich besuchte, ist nicht viel geblieben. Stattdessen: Empörung und Ärger über die Entscheidung Benedikt XVI., den Traditionalisten die Hand zu reichen. Vor allem dem einen Bischof, der den Holocaust leugnet: "Das ist katastrophal - für die katholische Kirche generell und für alle Christen", sagt eine Frau nach dem Kirchbesuch. "Ich schäme mich angesichts der Leiden so vieler. Das kann man doch nicht leugnen! Was für ein Rückschritt!"
Demonstrativ hat der Primas der französischen Katholiken, Bischof Barbarin aus Lyon, dem neuen Oberrabbiner Gilles Bernheim die Hand gereicht. Barbarin ist von den Worten des Holocaust-Leugners Williamson entsetzt, aber auch von der Geste des Papstes. "Das ist skandalös und verletzt uns Katholiken ebenso sehr wie die jüdische Gemeinschaft." Es könne keine Wiedereingliederung geben. Wenn Williamson und die anderen Traditionalisten das Zweite Vatikanische Konzil ablehnten, hätten sie kein Recht, wiederaufgenommen zu werden.
Der Dialog zwischen Katholiken und Juden in Frankreich ist nicht abgebrochen. Oberrabbiner Bernheim nannte Williamsons Worte widerlich. Gerade jetzt müsse jedoch miteinander geredet werden. "Wir wollen, dass das Gespräch zwischen den Religionen auf einer klaren Basis verstärkt wird. In der Kontinuität des Konzils", sagte er.
[Bildunterschrift: Erzbischof Marcel Lefebvre gründete die Piusbruderschaft. ]
Die Stimmung in Frankreich ist dennoch angespannt. Der Begründer der rehabilitierten Pius-Bruderschaft, Marcel Lefèbvre, war Franzose. Er galt als Kirchenrebell, der sich niemals mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dessen Öffnung und Modernität abgefunden hatte: Bis zu seinem Tod lautete sein Credo: "Für das Heil der Welt, das Heil der Seelen müssen wir dieses Testament unseres Herren wahren und die Messe wie früher lesen. Wir bleiben dabei und sprechen die Weihe-Worte wie unsere Vorfahren sie uns gelehrt haben!"
Lefèbvre selbst starb 1991. Die Traditionalisten-Bewegung ist in Frankreich lebendig, eine Minderheit, aber weit mehr verankert als in Deutschland. Sie hat bis zu 100.000 Mitglieder, andere stehen ihr nahe, vor allem in der konservativen katholischen Bourgeoisie. Viele französische Bischöfe mussten dafür kämpfen, dass sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Modernität durchgesetzt hat. Jetzt empfinden sie die Entscheidungen des Papstes als besonders schmerzlich. Sie ist katastrophal für die Kirche in Frankreich, sagt Frédéric Lenoir von der Zeitung "Le Monde des religions": "Das ist ein Schock für die meisten Katholiken hier. Gerade weil es diese stark konservative Minderheit gibt, sind die Zugeständnisse des Papstes an die Traditionalisten nicht gern gesehen. Es gibt eine tiefgreifende Versöhnung zwischen den Juden und den Katholiken in Frankreich. Diese Affäre bringt das in Gefahr!"
Der Pariser Erzbischof und Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, André Vingt-Trois, hält sich in seiner Kritik am Papst hingegen zurück. Er spricht von einer Chance für die Katholiken. Schließlich müsse die Kirche ihre Türen allen öffnen, nicht nur den Perfekten.
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