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Weihnachten im Vatikan
Papst Benedikt prangert Gottvergessenheit an
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Der Heilige Abend beginnt im Vatikan traditionell mit einem kleinen Ritual von großer Symbolkraft: Benedikt XVI. entzündet am Fenster seiner Privatwohnung oberhalb des Petersplatzes ein Licht. Das Feuer stammt vom "Friedenslicht von Bethlehem", einer Fackel, die in der Geburtsstadt Jesu angezündet wurde.
Bei der Christmette im Petersdom erinnerte der Papst dann auch an die "konkrete Stadt Bethlehem" im Westjordanland: "Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können. Beten wir auch für die umliegenden Länder, für den Libanon, für Syrien, den Irak und so fort: dass dort Friede werde."
Papst bei Christmette im Petersdom
T. Kleinjung, ARD Vatikan
25.12.2012 03:45 Uhr
"Frieden ist überall dort in Gefahr, wo Gott vergessen wird"
Der Papst sieht den Frieden überall dort in Gefahr, wo Gott vergessen, geleugnet oder bekämpft wird: "Mit der Herrlichkeit Gottes in der Höhe hängt der Friede auf Erden unter den Menschen zusammen." Wenn das Licht Gottes erlische, erlische auch die göttliche Würde des Menschen. "Welche Arten von anmaßender Gewalt dann erscheinen, wie dann der Mensch den Menschen missachtet und zertritt, das haben wir in seiner ganzen Grausamkeit im vergangenen Jahrhundert gesehen", führte der 85-Jährige aus: "Nur wenn das Licht Gottes über den Menschen und in ihnen leuchtet, nur wenn jeder einzelne Mensch von Gott gewollt, gekannt und geliebt ist, nur dann ist seine Würde unantastbar, wie armselig seine Situation auch immer sein mag."
An Weihnachten feiert die Kirche die Präsenz Gottes in der Welt - auch gegen den Widerstand der Menschen. In der Herberge, schreibt der Evangelist Lukas, war kein Platz für Gott. Benedikt XVI. erinnert an die verzweifelte Suche von Josef und Maria nach einem Ort für die Geburt des Gottessohnes. Für ihn hat dieser Abschnitt aus der Weihnachtsgeschichte existentielle Bedeutung: "Haben wir eigentlich Platz für Gott, wenn er bei uns einzutreten versucht?", so der Papst. Er gab die Antwort selbst: "Es gibt keinen Platz für ihn, auch in unserem Fühlen und Wollen ist kein Raum für ihn da." Der Mensch wolle sich selbst. Er wolle das Handgreifliche, das fassbare Glück, den Erfolg der unserer eigenen Pläne und Absichten: "Wir sind mit uns selbst voll gestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt."
"Religion kann erkranken"
Für Benedikt XVI. ist die Gottvergessenheit das eigentliche Grundübel der Zeit. Und Weihnachten, die Feier der Geburt des Gottessohnes, ist für ihn Anlass, die Welt an die Existenz Gottes zu erinnern. Der Glaube an Gott sei deshalb nicht Rechthaberei oder Ausdruck von Intoleranz: "Wahr ist, dass Religion erkranken und sich so ihrem tieferen Wesen entgegenstellen kann." Gegen diese Verzerrungen des Heiligen müsse man wachsam sein, mahnte das Kirchenoberhaupt.
Die Christmette im Petersdom bildete den Auftakt für die Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan. Der Papst absolviert in den kommenden Tagen ein reiches und dichtes Programm. Heute Mittag wird er auf dem Petersplatz seine Weihnachtsbotschaft verkünden und den Segen "Urbi et Orbi" spenden.
Papst feiert Christmette im Petersdom
tagesschau 23:05 Uhr, 24.12.2012, Susanne Hornberger, ARD Vatikan
Stand: 25.12.2012 04:39 Uhr
