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Weihnachten im Vatikan
Papst Benedikt fordert mehr Zeit für Gott
Papst Benedikt XVI. hat im Petersdom die Christmette gefeiert. Tausende Gläubige hatten ihn begrüßt, als er zwei Stunden vor Mitternacht für die traditionelle Feier zur Geburt Christi in die Basilika einzog. Der 85-Jährige fuhr auf einer rollenden Plattform mit Haltestange zum Altar. Dort zelebrierte er gemeinsam mit rund 30 Kardinäle die Messe, die in etwa 60 Länder der Welt und live im Internet übertragen wurde.
Der Papst appellierte an die Gläubigen, auch in einer schnelllebigen Welt einen Platz für Gott zu schaffen. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir", kritisierte er. Die Frage nach Gott erscheine nie dringend, weil die Zeit schon ausgefüllt sei. "Es gibt keinen Platz für ihn. Auch in unserem Fühlen und Wollen ist kein Raum für ihn da. Wir wollen uns selbst." Deshalb gebe es auch keinen Raum für andere, die Kinder, Armen und Fremden. Wo aber Gott "vergessen oder gar geleugnet" werde, gebe es keinen Frieden.
"Es ist wahr, dass Monotheismus als Vorwand für Gewalt diente"
Er forderte in diesem Zusammenhang auch zur Wachsamkeit gegenüber dem Missbrauch von Religion auf. Es sei "wahr, dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient" habe. Auch sei wahr, dass Religion "erkranken" könne, wenn der Mensch meine, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu müssen. Aber auch "wenn Missbrauch der Religion" in der Geschichte unbestreitbar sei, betonte der Papst, sei es doch nicht wahr, dass das Nein zu Gott Frieden herstelle.
Das Kirchenoberhaupt bat insbesondere für die Menschen in Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu, und an allen anderen Orten, an denen Jesus "gelebt, gewirkt und gelitten" habe. Die weltweit 1,1 Milliarden Katholiken sollten für Israelis und Palästinenser sowie für die Menschen im Libanon, in Syrien und dem Irak beten.
Papst zündet ein Friedenslicht an
Die Christmette war wie in den Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem 85-jährigen Kirchenoberhaupt mehr Ruhe vor der heutigen Weihnachtsbotschaft und dem Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis - zu gönnen.
Vor dem Gottesdienst hatte der Papst ein Friedenslicht angezündet und vom Fenster des Apostolischen Palastes aus die Menschen auf dem Petersplatz gegrüßt. Der große Platz vor dem Petersdom erstrahlt in hellem Glanz: Nur wenige Schritte neben einem 24 Meter hohen Weihnachtsbaum wurde die Weihnachtskrippe enthüllt - beide stammen aus Süditalien.
Papst feiert Christmette im Petersdom
tagesschau 23:05 Uhr, 24.12.2012, Susanne Hornberger, ARD Vatikan
Stand: 25.12.2012 01:38 Uhr
