Papst Franziskus im Auto nach seiner Ankunft in den USA | Bildquelle: dpa

Papst Franziskus in Washington Im Fiat-Kleinwagen zu Obama

Stand: 23.09.2015 09:35 Uhr

Papst Franziskus ist zu Besuch in den USA. Am Flughafen empfing ihn US-Präsident Obama wie einen Staatsgast. Der pompöse Rahmen hat auch damit zu tun, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Aber bei ihren Autovorlieben gibt es deutliche Unterschiede.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Der Jubel klappt schon: Am Militärflughafen Andrews in der Nähe von Washington begrüßen hunderte Jugendliche von katholischen Schulen den Papst. Präsident Barack Obama ist gekommen - zusammen mit seiner Frau, den Töchtern und der Schwiegermutter. Vizepräsident Joe Biden ist ebenfalls da, er ist Katholik.

Kurz danach die erste Geste von Papst Franziskus: Er lässt sich mit einem Fiat-Kleinwagen in die Stadt bringen, gefolgt von den schweren SUVs des Secret Service. Die Behörden sprechen von einem der größten Sicherheits-Einsätze in der Geschichte der USA, der heute so richtig losgeht. Der Papst wird im Weißen Haus erwartet.

Papst Franziskus in den USA eingetroffen
tagesschau 09:00 Uhr, 23.09.2015

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Kleinwagen zwischen Karossen

Bis zu 15.000 geladene Gäste werden vom Rasen aus dabei zuschauen. Franziskus kommt an bei den Amerikanern, das bestätigt auch Obama-Sprecher Josh Earnest: "Er ist für so viele ein Vorbild, weil er seinen Werten gerecht wird. Er spricht nicht nur über sie, er lebt sie. Ich glaube, dass berührt viele Leute." Der Papst wird im Weißen Haus als Staatsgast behandelt: Darum gibt es militärische Ehren und ein Vier-Augen-Gespräch im Oval Office. Im Gegensatz zu anderen Staatsgästen erwartet den Präsidenten aber keine robuste Diskussion über politische Fragen. Es sei vielmehr eine Chance für beide, über gemeinsame Werte zu sprechen, und davon gibt es viele.

Das Weiße Haus betont gerne die Gemeinsamkeiten: Frieden, religiöse Freiheiten und Dialog. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut. Und vor allem: der Umweltschutz. Als Franziskus im Juni seine Umwelt-Enzyklika vorlegte, lobte sie Präsident Obama überschwänglich. Er verehre den Papst tief für seinen Kampf gegen den Klimawandel. Andere Themen fallen da gerne unter den Tisch: Denn bei Abtreibungen oder der Homo-Ehe sind der Papst und der Präsident überhaupt nicht einer Meinung.

Erster Papst im Kongress

Der Journalist und Buchautor Carl Bernstein sagte, trotzdem komme der Papst gerne zu Obama: "Der Papst sieht diesen Präsidenten als jemanden, der die gleiche Heilsbotschaft hat. Wird der Präsident seine Meinung über Abtreibung teilen - nein. Aber wird er seine Botschaft über die Rechte der Menschen überall teilen - ja." Der Papst sehe die Welt nicht durch amerikanische Augen, "aber er sieht die große Chance, die Amerika hat, gute Dinge für alle Menschen zu erreichen."

Die Chance, den Amerikanern ins Gewissen zu reden, wird der Papst am Donnerstag haben. Dann spricht er nämlich vor beiden Kammern des Kongresses - als erster Papst überhaupt. Heute erstmal steht in Washington noch eine wichtige Messe an: Der Papst wird nämlich den Franziskaner Junipero Serra heilig sprechen. Er hatte im 18. Jahrhundert Kalifornien missioniert. Die einen feiern ihn als "Kolumbus von Kalifornien", die anderen sehen ihn als Eroberer, der Indianer in die Taufe zwang und ihrer Kultur schweren Schaden zugefügt habe.

Missbrauchs-Skandal und enttäuschte Erwartungen

Bei einem Treffen mit amerikanischen Bischöfen könnten dann auch innerkirchliche Probleme zur Sprache kommen: Der Missbrauchs-Skandal zum Beispiel beschäftigt die katholische Kirche hier noch immer. Opferverbände sind unzufrieden mit Franziskus.

Becky Ianni ist die Washingtoner Direktorin eines Netzwerk von Missbrauchsopfern von katholischen Geistlichen und ist ernüchtert: "Ich habe keine Erwartungen. Ich hatte Erwartungen, als Papst Benedikt XVI. kam. Er versprach null Toleranz, er sprach mit Opfern. Er versprach all diese Dinge und nichts geschah. Jetzt kommt also Papst Franziskus und er ist ja ein sehr liebenswerter Kerl. Alle mögen ihn. Ein Mann des Volkes. Aber leider hat er nichts für die Opfer getan. Er hat viel gesagt, aber nichts unternommen", wirft sie ihm vor. Auf dem offiziellen Besuchsplan des Papstes spielen die Missbrauchs-Opfer keine Rolle.

Obama empfängt den Papst im Weißen Haus
J. Bösche, ARD Washington
23.09.2015 11:49 Uhr

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