Papst Franziskus in Prato | Bildquelle: dpa

Franziskus in Textilstadt Prato Papst prangert Ausbeutung von Arbeitern an

Stand: 10.11.2015 14:46 Uhr

Zehntausende Chinesen arbeiten im italienischen Prato in der Toskana in Textilfabriken - unter teils katastrophalen Bedingungen. Vor zwei Jahren kamen sieben Arbeiter ums Leben. Papst Franziskus war nun in der Stadt - und mahnte zu menschenwürdiger Arbeit.

Papst Franziskus hat in der italienischen Industriestadt Prato die Ausbeutung der dortigen Textilarbeiter angeprangert. Bei einer Rede vor dem Dom erinnerte er an die sieben chinesischen Arbeiter, die im Dezember 2013 bei einem Fabrikbrand in Prato ums Leben gekommen waren. "Es ist eine Tragödie der Ausbeutung und der unmenschlichen Lebensbedingungen, und das ist keine würdige Arbeit", sagte der Papst.

Die rund 25 Kilometer nordwestlich von Florenz gelegene Stadt Prato ist ein Zentrum der italienischen Textilindustrie und hat einen sehr hohen Migrantenanteil. Geschätzte knapp 35.000 der rund 190.000 Einwohner stammen aus China. Sie arbeiten zum größten Teil in der Textilindustrie.

Papst in Prado | Bildquelle: AFP
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Mit Flaggen des Vatikans und Chinas wurde der Papst in Prato empfangen.

Umdenken nach tödlichem Brand

Vor zwei Jahren war Prato nach dem Brand in einer chinesischen Textilfabrik in die Schlagzeilen geraten. Sieben Arbeiter, die in dem Gebäude übernachteten, starben. Das Unglück machte die Missstände in der Textilindustrie offensichtlich, wo chinesische Wanderarbeiter im Akkord für den europäischen Markt Kleider produzieren und oft direkt neben den Nähmaschinen schlafen. So kann man sich teure Mieten sparen und noch mehr arbeiten.

Denn der Termindruck in der Textilbranche sei enorm, sagt der chinesische Kleinunternehmer Wang Li Ping: "Die Kunden kommen aus Frankreich, Deutschland oder Holland. Die kommen mit einem großen Lastwagen, machen ihre Bestellung, fahren weiter nach Neapel - und wenn sie zurückkommen, muss die Ware schon fertig sein. Wenn du nicht schnell bist, verlierst du die Arbeit."

Mehr Chancen als Risiken

Seit dem Brand vor zwei Jahren hat sich viel getan. Die Gewerkschaften versuchen mit Arbeitern in Kontakt zu kommen und die Bürger von Prato kümmern sich vermehrt um die Einwanderer aus dem Fernen Osten, die oft schon in der zweiten Generation in Prato leben. Vize-Bürgermeister Simone Faggi sieht in der starken chinesischen Gemeinde mehr Chance als Risiko: "Die chinesischen Bürger öffnen uns ein Tor zur Welt. Die Stadt muss diese Chance nur nutzen."

Mit Informationen von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

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