Der Papst in Quito | Bildquelle: REUTERS

Papst ruft in Quito zu Umweltschutz auf Ein echter Fundi, kein Realo

Stand: 08.07.2015 09:19 Uhr

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Ecuador mit deutlichen Worten einen besseren Schutz der Umwelt gefordert. Bei einer Messe in der Hauptstadt Quito sagte er, die Bewahrung der Schöpfung sei eine zwingende Pflicht.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom, zzt. Quito

Im Osten Ecuadors, an der Grenze zu Peru, liegt ein echter Schatz, ein verborgener Schatz im Herzen Südamerikas: Der Yasuní Nationalpark, viermal so groß wie das Saarland, besitzt eine unvergleichliche Arten- und Pflanzenvielfalt. Eine bedrohte Welt, seit Ecuadors Präsident Rafael Correa plant, im Yasuní Regenwald Erdöl fördern zu lassen.  

Papst Franziskus ruft zum Schutz der Umwelt auf
08.07.2015

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Umweltschützern ist das ein Dorn im Auge: "Hier leben vor allem viele indigene Völker ohne Kontakt zur Außenwelt, viele Tiere, viele Pflanzen, die weltweit einzigartig sind", erklärt Luis Armijo, Dozent an der Universität Quito. "Der Verlust des Yasuní und seine Ausbeutung wären schrecklich für Umwelt und Natur in Ecuador."

"Mutter Erde nicht den Rücken zukehren"

Armijo ist mit seinen Studenten eingeladen am Treffen mit Papst Franziskus teilzunehmen. Von dem Kirchenoberhaupt erwartete er sich ein klares Wort gegen die Ausbeutung und Zerstörung des Regenwalds - so wie in dessen jüngst veröffentlichten Umweltenzyklika "Laudato Si".

Blick auf Teile des Yasuni-Nationalparks in Ecuador (Archiv) | Bildquelle: AP
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Im Yasuni-Nationalpark in Ecuador soll nach Erdöl gebohrt werden - Umweltschützer befürchten dadurch drastische Auswirkungen auf die Artenvielfalt.

Franziskus hat die Hoffnung von Luis Armijo nicht enttäuscht und die Menschen aufgefordert, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Das sei keine bloße Empfehlung, sondern eine zwingende Forderung. "Eines ist klar: Wir können unserer Wirklichkeit, unseren Brüdern und Schwestern, unserer Mutter Erde nicht weiter den Rücken zukehren. Wir dürfen, was um uns herum geschieht, nicht ignorieren, als ob bestimmte Situationen nicht existieren würden und nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun hätten."

Gute Ausbildung bedeutet Engagement für den Umweltschutz

Daraus leitet der Papst einen unmittelbaren Erziehungsauftrag ab. Ein Universitätsabschluss dürfe nicht länger Synonym für einen höheren Status, Geld oder soziales Ansehen sein. Eine gute Ausbildung beweist sich für Franziskus in Verantwortung für die Ärmsten, für den Umweltschutz. Zum Beispiel für den Erhalt des ecuadorianischen Regenwalds.

"Wenn diese Wälder niedergebrannt oder eingeebnet werden, um den Boden zu bewirtschaften, gehen in wenigen Jahren unzählige Arten verloren, wenn sich diese Gebiete nicht gleich in Wüsten verwandeln." Papst Franziskus präsentiert sich in Ecuador als radikaler Umweltschützer. Ein echter Fundi, kein Realo. Ein Fürsprecher für die unberührte Natur und die Menschen, die darin leben.

"Sein Besuch wird uns verändern"

Alberto Ainaguano
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Alberto Ainaguano vom Volk der Chibuleo fordert besseren Umweltschutz in Ecuador.

Alberto Ainaguano vom indigenen Volk der Chibuleo hofft, dass Ecuadors Regierung auf den Papst hört: "Das war eine Botschaft, die mich motiviert und ermutigt. Er sagt, dass wir Menschen zu wenig über die Natur nachdenken. Und dass wir die Natur manchmal missbrauchen und Pflanzen zu wenig schützen. Wichtig ist, dass uns die Botschaft des Papstes aufrüttelt. Sein Besuch wird uns alle ein bisschen verändern."

Ecuadors Präsident Correa gilt als Mann einsamer Entscheidungen. Auch hier wurde Papst Franziskus ungewöhnlich, undiplomatisch deutlich und forderte eine bessere Integration der indigenen Bevölkerung sowie der afrikanischstämmigen Ecuadorianer. In einer wirklichen Demokratie seien alle sozialen Kräfte für den Dialog unentbehrlich.

Papst Franziskus präsentiert sich in Ecuador als radikaler Umweltschützer
T. Kleinjung, ARD Rom, zzt. Quito
08.07.2015 09:27 Uhr

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