Papst Franziskus besucht Ecuador | Bildquelle: AP

Papst besucht Südamerika Zurück in der Heimat

Stand: 06.07.2015 07:35 Uhr

Herzlicher Empfang für den Papst: Zum Auftakt seiner Südamerika-Reise ist Franziskus in Ecuador eingetroffen. Eines der drängendsten Themen, die ihm am Herzen liegen, ist die soziale Ungerechtigkeit in seinem Heimatkontinent.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom, zzt. Ecuador

Wenn er könnte, würde er am liebsten ganz Ecuador umarmen, ja den ganzen Kontinent. Nach 13 Stunden Flug ist Papst Franziskus auf seinen Heimatkontinent zurückgekehrt, in ein Land, das mit seinen gewaltigen Gipfeln in den Anden und seinen unberührten Regenwäldern für die Schönheiten dieses Kontinents steht. Aber auch für dessen ungelöste Konflikte: Eine gewaltige Kluft zwischen Arm und Reich, die Ausbeutung der Natur und die Bedrohung indigener Völker.

Am Anfang dieser Reise steht ein Wunsch: "Dass niemals die Fähigkeit verloren geht, den Kleinen und den Einfachen zu beschützen, die Kinder und Alten zu behüten, auf die Jugend und den Edelmut der Menschen zu vertrauen und die einzigartige Schönheit dieses Landes zu bestaunen."

Papst Franziskus ist in Ecuador gelandet | Bildquelle: AFP
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Der Wind in Quito blies so heftig, dass dem Papst das Scheitelkäppchen abhanden kam.

Tausende jubeln dem Papst zu

Ecuador erwidert die warmherzige Begrüßung. Zigtausende säumen die Straßen Quitos, als Franziskus vom Flughafen in die Stadt fährt. Hände werden ihm entgegen gereckt und Kinder, die er segnen soll. Mit dem Besuch des Papstes verbinden viele Ecuadorianer große Hoffnungen: Für sie ist er ein "Botschafter für die Menschlichkeit.", ein "Friedensbotschafter für ganz Lateinamerika." "Der Papst ist allen nah. Allen zugänglich. Er ist der erste lateinamerikanische Papst und wir sind das erste Land bei dieser Reise. Wunderbar!", sagt ein Passant. Eine Frau meint: "Es gibt Dinge, die größer sind als Politik. Die Spiritualität. Wir sind ein katholisches Volk. Und darum geht es jetzt."

Papst Franziskus beginnt achttägige Lateinamerika-Reise
tagesschau24 09:15 Uhr, 06.07.2015, Andreas Caspari, ARD-aktuell

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Präsident will vom Besuch des prominenten Gastes profitieren

Die Politik spaltet Ecuador in diesen Tagen. Der sozialistische Präsident Rafael Correa stößt mit seinem autokratischen Regierungsstil auf immer größere Widerstände im Land. Vom Besuch des populären Papstes kann er nur profitieren. "Willkommen in 'ihrem' Amerika", ruft Correa dem Gast aus Rom zu und umarmt ihn herzlich zur Begrüßung.

Ecuadors Präsident begrüßt Papst Franziskus | Bildquelle: AFP
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Präsident Correa begrüßte den Pontifex am Flughafen.

In Südamerika hat das Protokoll keinen großen Stellenwert. Doch die Aufforderung des Papstes, den Dialog ohne Ausgrenzungen zu fördern, darf Ecuadors Präsident als Fingerzeig verstehen: "Die Erfolge in Fortschritt und Entwicklung, die gerade erzielt werden, müssen eine bessere Zukunft für alle garantieren. Dabei ist besonderes Augenmerk auf unsere schwächsten Brüder und Schwestern zu legen und auf die am meisten verletzlichen Minderheiten. Das ist das Versäumnis Lateinamerikas", sagt Franziskus.

Ungerechtigkeit - die "große soziale Sünde Amerikas"

Die Schuld, das Versäumnis Lateinamerikas, hat auch Correa bei seiner Begrüßungsrede angesprochen. Die jahrhundertelange Unterdrückung indigener Völker, deren Angehörige bis heute von Aufschwung und Entwicklung kaum profitieren. Und das in einem Land, in dem sich fast alle Bürger zur katholischen Kirche bekennen und in einem Kontinent, in dem die meisten Katholiken leben. "Die große soziale Sünde Amerikas ist die Ungerechtigkeit. Wie können wir von Lateinamerika als dem christlichsten Kontinent sprechen, wenn dort zugleich die Unterschiede am größten sind. Noch dazu, wenn eines der christlichsten Symbole das Teilen des Brotes ist", sagt Correa.

Erste Etappe der Papstreise ist heute die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil. Außerdem besucht Franziskus in der kommenden Woche Bolivien und Paraguay. Doch offenbar plant er bereits eine weitere Reise, einen Deutschland-Besuch. Auf dem Flug von Rom nach Quito sagte Franziskus, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihn eingeladen; das sei "eine sehr gute Sache". Es solle eine europäische Friedensmission werden, so der Papst. Ein konkretes Datum nannte er nicht.

Willkommen zu Hause! Papst Franziskus in Südamerika eingetroffen
T. Kleinjung, ARD Rom
06.07.2015 07:32 Uhr

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