Papst Franziskus vor der Kathedrale von Trujillo. | Bildquelle: AFP

Papst in Peru Korruption als "Virus der Gesellschaft"

Stand: 21.01.2018 09:37 Uhr

Die Umwelt schützen, Korruption bekämpfen - Papst Franziskus bleibt seinen Kernthemen in Peru treu und spart nicht mit Kritik an der politischen Führung. Doch die Reise hat auch an seinem Ruf Kratzer hinterlassen.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

Es gab einen begeisterten Empfang für Papst Franziskus im Norden von Peru, in Trujillo. Zur Messe am Strand waren sogar mehr als die erwarteten 500.000 Menschen gekommen. Kein Zweifel: In Peru erreicht der Pontifex die Menschen.

Die Küstenstadt Trujillo war vor einem Jahr von schweren Überschwemmungen und Schlammlawinen verwüstet worden - eine lokal begrenzte Auswirkung des Wetterphänomens El Niño. Wissenschaftler sagen, die Häufung dieser Wetterextreme sei eine Folge des Klimawandels.

Ausbeutung von Natur und Mensch

"Viele Familien leiden immer noch unter seinen schmerzhaften Folgen", bezog sich auch der Papst auf die noch spürbaren Konsequenzen der Überschwemmungen. Er wies aber auch auf andere Probleme der Region hin: auf organisiertes Verbrechen und Auftragsmorde sowie auf fehlende Zukunftschancen der jungen Menschen.

Damit bleibt Franziskus den Themen treu, die er für diese Reise nach Chile und Peru gesetzt hat. Er mahnte und warnte vor der Zerstörung der Umwelt und er rief dazu auf, den indigenen Völkern Südamerikas Anerkennung und Gehör zu schenken. Die Umweltzerstörung und die gesellschaftlichen Probleme haben nach den Worten des Papstes dieselbe Ursache: Profitgier und Ausbeutung - Ausbeutung der Natur wie Ausbeutung der Menschen.

"Wir müssen Grenzen setzen, die uns helfen, die massive Zerstörung unserer Lebensumwelt einzuschränken", So hatte es der Papst bei einem Treffen mit indigenen Völkern in der Urwald-Stadt Puerto Maldonado formuliert. Bemerkenswert war, dass Franziskus zuerst nach Puerto Maldonado reiste, noch bevor er das protokollarisch erforderliche Treffen mit Perus Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski und anderen Spitzenpolitikern und Würdenträgern absolvierte.

Scharfe Worte gegen Perus Staatsspitze

Auch gegenüber Kuczynski nahm Franziskus kein Blatt vor den Mund. Erst vor einem Monat wäre der Präsident beinahe durch eine Schmiergeld-Affäre gestürzt. Der Papst legte den Finger in die Wunde und erweiterte einfach sein Leitthema: Auch Korruption sei eine Art Umweltzerstörung:

"Wir müssen auch auf diese andere Verschmutzung der Umwelt achten, die nach und nach alle lebenswichtigen Strukturen vergiftet - die Korruption. Welchen Schaden richtet dieses gesellschaftliche Virus bei unseren Völkern Lateinamerikas an und bei den Demokratien dieses gesegneten Kontinents? Ein Phänomen, das alles ansteckt, und unsere Mutter Erde und die Armen sind oft die größten Leidtragenden."

Der Applaus, der nach diesen Worten aufbrandete, kam nicht von den Würdenträgern, die die Ermahnung im Ehrenhof des Regierungspalastes mit pflichtschuldigem Nicken hinnahmen. Er ertönte vor dem Zaun, von der Plaza de Armas, wo Hunderte Menschen den Auftritt des Papstes verfolgten.

Gerade diese Kritik an der Korruption kam bei den Peruanern gut an: "Korruption hat fast alle Ebenen der Gesellschaft hier in Peru angesteckt. Leider ist das die Realität in der wir leben. Aber ich hoffe, wir können uns ändern", sagte ein Besucher auf der Plaza de Armas.

Papst Franziskus kritisiert Korruption
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
21.01.2018 08:18 Uhr

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Vorwürfe wegen Missbrauchsskandal

Mit seinem dreitägigen Besuch in Peru hat Papst Franziskus in jedem Fall die Menschen für sich eingenommen. Hunderttausende kamen zu den großen Messen, Tausende säumten jede Straße, auf der der Papst fuhr. Dass das auch in Lateinamerika keine Selbstverständlichkeit mehr ist, hatte zuvor der Besuch in Chile gezeigt. Dort gab es viel Kritik - vor allem wegen des Umgangs der Kirche und des Papstes selbst mit den Missbrauchsskandalen.

Heute soll Franziskus auch Sean O'Malley treffen: Der Erzbischof von Boston ist einer seiner engsten Berater und hatte bis vor Kurzem die päpstliche Missbrauchskommission geleitet. O'Malley hatte den Papst für seinen Umgang mit Missbrauchsfällen in Chile ungewöhnlich scharf kritisiert. Franziskus hatte einen chilenischen Bischof, der einen Täter gedeckt haben soll, mit den Worten verteidigt: Es gäbe keine Beweise gegen ihn, es sei alles Verleumdung. O'Malley reagierte mit dem Vorwurf, diese Worte verursachten bei den Überlebenden sexuellen Missbrauchs großen Schmerz.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom, derzeit in Lima

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2018 um 11:15 Uhr.

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