Papst spendet den Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis | Bildquelle: dpa

Papst Franziskus feiert Ostermesse "Urbi et Orbi" in Zeiten des Terrors

Stand: 27.03.2016 13:43 Uhr

Syrien, Irak, Ukraine und Jemen - Libyen Mosambik oder Südsudan. In seiner Osterbotschaft hat Papst Franziskus die Länder erwähnt, die von Krieg und Terror betroffen sind. Er erinnerte auch an das Schicksal Tausender Flüchtlinge.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Osterwetter in Rom. Bei strahlendem Sonnenschein hat Papst Franziskus heute mit tausenden Gläubigen die Ostermesse auf dem Petersplatz gefeiert. Zum Abschluss dieses Gottesdienstes spendete der Papst von der Loggia des Petersdoms den Segen Urbi et Orbi, der Stadt und dem Erdkreis.

Nach den Terroranschlägen von Brüssel fanden die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr unter noch einmal verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt. Auch in Italien gibt es offenbar Verbindungen zu den Attentätern von Brüssel und Paris. Die italienische Polizei nahm gestern in Salerno einen Algerier fest, der im Verdacht steht, Terroristen mit falschen Papieren ausgestattet zu haben.

Botschaft gegen Terror und Krieg

Ein Osterfest überschattet von Terror und Krieg. Und die Osterbotschaft des Papstes ist eine Friedensbotschaft. So sagte Franziskus "Jesus ermuntere uns an diesem Osterfest zur Nähe mit den Opfern des Terrors, einer blinden und grausamen Form der Gewalt die nicht aufhört, in vielen Teilen der Welt unschuldiges Blut zu vergießen, wie zum Beispiel bei den jüngsten Attentaten in Belgien, in der Türkei, in Nigeria, im Tschad, in Kamerun und in der Elfenbeinküste und im Irak."

Papst Franziskus erinnert in Osterbotschaft an Terroropfer
tagesschau 20:00 Uhr, 27.03.2016, Richard C. Schneider, ARD Rom

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Kritik an religiösem Fundamentalismus

Bei der traditionellen Kreuzwegprozession am Karfreitag hatte Papst Franziskus Terrorismus und religiösen Fundamentalismus scharf verurteilt und gleichzeitig Waffenhändler angeklagt, die - so wörtlich - "den Glutofen der Kriege mit dem unschuldigen Blut der Brüder und Schwestern beschicken“. In seiner Osterbotschaft erinnert er an die Opfer der Kriege: Die Welt sei voll von Menschen, die an Leib und Seele leiden, sagt der Papst und nennt an erster Stelle den Krieg in Syrien.

"Der auferstandene Christus möge dem geschätzten Syrien Wege der Hoffnung aufzeigen, einem Land, das von einem langen Konflikt zerrissen ist und von einer ganzen Reihe von Zerstörung, Tod, Missachtung von Menschenrechten und Zermürbung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Der Kraft des auferstandenen Herrn vertrauen wir die im Augenblick stattfindenden Gespräche an, auf dass mit gutem Willen und der Zusammenarbeit aller die Früchte des Friedens eingesammelt werden können und mit dem Aufbau einer geschwisterlichen Gesellschaft begonnen werden kann, einer Gesellschaft, die die Würde und Rechte aller Bürger respektiert."

Krieg und Gewalt in vielen Ländern

Syrien und der Irak, die Ukraine, Jemen und Libyen. Die Liste der von Krieg und Gewalt geplagten Länder ist lang. Der Papst erwähnt sie alle, auch die Konflikte, die in Vergessenheit geraten sind: In Mosambik oder im Südsudan. Die Osterbotschaft besiege die "Härte der Herzen", fordert der Papst  und appelliert besonders an die Bewohner des Heiligen Landes, an Israelis und Palästinenser.

"Das Bild des neuen Menschen, das auf dem Antlitz Jesu erstrahlt, fördere im Heiligen Land das Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern, wie auch die geduldige Bereitschaft und den täglichen Einsatz [..] für einen gerechten und anhaltenden Frieden durch direkte und ehrliche Verhandlungen."

Besuch bei Flüchtlingen

Papst Franziskus setzt Zeichen. Am Gründonnerstag hatte er ein Aufnahmezentrum für Asylbewerber in der Nähe von Rom besucht und dort Flüchtlingen die Füße gewaschen, wie es die katholische Tradition an diesem Tag vorsieht. Heute fordert der Papst die Christen auf, Menschen nicht zu vergessen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft seien.

"Eine immer größer werdende Anzahl von Migranten und Flüchtlingen - unter ihnen viele Kinder - fliehen vor Krieg, Hunger, Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Diese unsere Schwestern und Brüder begegnen auf ihrem Weg oft genug dem Tod oder der Ablehnung durch diejenigen, die ihnen Gastfreundschaft und Hilfe bieten könnten."

Und an die Weltgemeinschaft appellierte der Papst, eine Politik zu entwerfen, die den Opfern von Konflikten und anderen Notlagen helfen und sie schützen kann - "vor allem die Schwächsten und die aus ethnischen und religiösen Gründen Verfolgten".

Papst spendet traditionellen Segen ''Urbi et Orbi''
T. Kleinjung, ARD-Studio Rom
27.03.2016 13:17 Uhr

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