Der Papst bat um Versöhnung | Bildquelle: AFP

Papst in Mexiko "Verzeiht uns, Brüder!"

Stand: 15.02.2016 20:22 Uhr

Es waren viele Schritte, mit denen der Papst auf die indigene Bevölkerung zuging. Nicht nur bat er um Verzeihung. Er lobte sie auch für ihr harmonisches Leben mit der Natur. Es gibt auch Anzeichen, dass der Zölibat gelockert werden könnte.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Es ist eine Geste der Versöhnung. Erstmals erhebt die katholische Kirche eine Maya Sprache zur Gottesdienstsprache. Damit erkennt Rom nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Missachtung den Wert der indigenen Kultur und Sprache offiziell an. Die Messe, die Papst Franziskus in San Cristobal de las Casas gemeinsam mit vielen Tausenden indigenen Mexikanern feiert, trägt dem Rechnung. Lesungen und Gebete werden in verschiedenen Maya-Sprachen vorgetragen, traditionelle Tänze und Gesänge bereichern den Gottesdienst."

Die indigenen Völker Mexikos seien systematisch und strukturell verkannt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden, sagt Papst Franziskus bei der Messe: "Einige haben eure Werte, eure Kultur und eure Traditionen für minderwertig gehalten. Andere haben - gleichsam trunken vor Macht, Geld und den Gesetzen des Marktes - euch eures Bodens beraubt oder ihn durch ihr Handeln verseucht. Wie traurig! Wie gut täte es uns allen, unser Gewissen zu erforschen und zu lernen, um Verzeihung zu bitten! Verzeiht uns Brüder!"

Papst Franziskus kritisiert Unterdrückung der Ureinwohner in Mexiko
tagesschau 20:00 Uhr, 15.02.2016, Peter Sonnenberg, ARD Mexico-City

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"Ihr habt uns viel zu lehren"

Schon bei seinem Besuch im vergangenen Juli in Bolivien hatte der Papst die indigenen Völker Amerikas "für die Sünden der Kirche" bei der Eroberung des Kontinents um Vergebung gebeten. Als besonders würdigt Franziskus die Tradition der indigenen Völker, in einer harmonischen Beziehung zur Natur zu leben. "In diesem Punkt habt ihr uns viel zu lehren", sagt er zu den Menschen in Chiapas.

"Wir werden durch die Umweltzerstörung herausgefordert, ihre menschlichen Wurzeln betreffen uns alle und rufen uns auf den Plan. Wir können uns angesichts einer der größten Umweltkrisen der Geschichte nicht mehr taub stellen", führte Franziskus weiter aus.

Der Papst in Chiapas | Bildquelle: REUTERS
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Als Geste der Versöhnung wurde eine Sprache der Maya im Gottesdienst verwendet.

Lockerung des Zölibats möglich

Der Besuch des Papstes in Chiapas hat auch eine innerkirchliche Bedeutung. Bischof Samuel Ruiz hatte seit den 1960er-Jahren viele verheiratete Männer in der Diözese San Cristobal zu Diakonen geweiht, eine Praxis, die der Vatikan mit seinem Rücktritt im Jahr 2000 unterband. Der Besuch von Franziskus in San Cristobal wird auch als Indiz gedeutet, dass der Papst über eine Lockerung des Zölibats nachdenkt.

In der indigenen Kultur ist es nicht üblich, dass Männer alleine, zölibatär leben", sagt Bernd Klaschka vom katholischen Hilfswerk Adveniat. Der Papst sage, man müsse die verschiedenen Kulturen ernst nehmen und mit ihnen Kirche gestalten, das priesterliche Leben inbegriffen. "Da kann ich mir vorstellen, dass er sagt, der Zölibat ist nicht die einzige verbindliche Form für die Existenz des Priesters."

Es gibt tatsächlich starke Zeichen, die in diese Richtung deuten. Papst Franziskus hat die Weihe von verheirateten Diakonen in San Cristobal 2014 ermöglicht. Im Anschluss an die Messe besucht er das Grab des vom Vatikan gemaßregelten Bischofs Samuel Ruiz.

Papst bittet indigene Bevölkerung in Chiapas um Verzeihung
T. Kleinjung, ARD Rom
15.02.2016 18:44 Uhr

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