Matthew Festing und Papst Franziskus | Bildquelle: dpa

Konflikt um Malteserorden Mit den Kondomen fing alles an

Stand: 25.01.2017 14:26 Uhr

Offiziell ging es um die Verteilung von Kondomen durch den katholischen Malterserorden. Wochenlang hatte dieser sich dagegen gewehrt, dass der Vorgang vom Vatikan untersucht wird. Ein Machtkampf, hinter dem mehr steckt? Nun gab es einen Rücktritt.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Papst Franziskus hat den Machtkampf um den Malteserorden gewonnen. Matthew Festing, der Großmeister des Ordens, ist zurückgetreten. Bei einem Treffen der beiden am Dienstag habe der Papst um den Rücktritt gebeten, heißt es aus Kreisen des Ordens.

Kern des Streits war die Absetzung und der Ausschluss aus dem Orden eines Deutschen Anfang Dezember 2016: Albrecht von Boeselager, der als Großkanzler bis dahin für die Exekutive der Malteser zuständig war, wurde für die Verteilung von Kondomen in drei Hilfsprojekten von Malteser International verantwortlich gemacht.

Eine nützliche Affäre?

Weil die Projekte aber nach dem Einwand, das entspreche nicht der katholischen Lehre, bereits beendet worden waren, gehen Insider davon aus, die Affäre sei nur ein Vorwand gewesen. Wahrscheinlich ist, dass Raymond Leo Burke, der Kardinalpatron des Ordens, diesen Konflikt mit provoziert und ihn für seinen persönlichen Machtkampf mit dem Papst missbraucht hat. Burke der zum Lager der Ultrakonservativen in der katholischen Kirche gezählt wird, lässt keine Gelegenheit aus, gegen Papst Franziskus zu opponieren.

Der Papst hatte daraufhin eine Kommission eingesetzt, um die Vorfälle um Albrecht von Boeselager zu untersuchen. Festing, der Großmeister, hatte die Kooperation mit dieser Kommission verweigert.

Matthew Festing | Bildquelle: dpa
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Der Papst wollte seinen Rücktritt - und Matthew Festing kam seinem Wunsch nach.

Keine einfache Beziehung

Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen dem Orden und dem Heiligen Stuhl kompliziert. Der Kirchenrechtsprofessor Ulrich Rhode erläutert, dass diese Beziehungen auf zwei Ebenen angesiedelt sind: einerseits in der kirchlichen Rechtsordnung, andererseits im internationalen Recht.

In der kirchlichen Rechtsordnung, so Rhode, ist der Malteserorden schon seit dem 12. Jahrhundert als katholisch anerkannt. Deswegen unterstehe er wie alle anerkannten katholischen Gemeinschaften und Organisationen auch dem Papst.

Der Malteserorden gilt zugleich als Völkerrechtssubjekt und unterhält diplomatische Beziehung zu über 100 Staaten. Aber die Beziehung zum Heiligen Stuhl ist eben mehr als das.

Gehorsam vor Unabhängigkeit

Nicht nur Matthew Festing muss erkannt haben, dass in einem katholischen Orden der Ungehorsam gegenüber dem Papst schwerer wiegt als das Pochen auf Unabhängigkeit.

Im Orden hatte man in den vergangenen Wochen dennoch auf eine Lösung gehofft. Sprecher Eugenio Ajroldi di Robbiate verweist darauf, dass der Orden seit über 900 Jahren ein religiöser Laienorden der katholischen Kirche und gleichzeitig "eine souveräne Institution" sei - "und diese beiden Naturen überlagern sich sehr stark". Doch mit etwas gesundem Menschenverstand sei "leicht zu verstehen, wo der moralische, stark katholische Teil des Malteserordens endet und wo sein Bereich der Unabhängigkeit und Souveränität beginnt".

Neu gezogene Grenze

Mit dem Rücktritt des 67-jährigen Großmeisters ist diese Grenze neu gezogen worden. Nun soll zunächst Festings Stellvertreter die Geschäfte des Ordens übernehmen. Dann will Franziskus einen Sonderbeauftragten ernennen, der den Orden leiten soll.

Normalerweise werden die Großmeister von einem Generalkapitel gewählt und bleiben bis zum Lebensende im Amt.

Aus der Leitung des Ordens heißt es, man würde sich jetzt gerne wieder um die Kernaufgaben kümmern, also vor allem die zahlreichen Hilfsprojekte der Malteser in aller Welt. Und Papst Franziskus hat sich in diesem Streit durchgesetzt, der Rom in den vergangenen Monaten in Atem gehalten hat.

Papst gewinnt Machtkampf um Malteserorden - Großmeister tritt zurück
J.-C. Kitzler, ARD Rom
25.01.2017 11:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2017 um 09:36 Uhr.

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