Eine Gruppe syrischer Flüchtlinge begleitet Papst Franziskus

Franziskus-Besuch auf Lesbos Papst nimmt Flüchtlinge mit nach Italien

Stand: 16.04.2016 15:03 Uhr

Überraschung bei der Abreise von Lesbos: Nicht nur der Papst bestieg sein Flugzeug, sondern auch zwölf syrische Flüchtlinge. Zuvor hatte Franziskus das größte Flüchtlingslager der Insel besucht und der vielen Ertrunkenen gedacht.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom, zzt in Mytilini auf Lesbos

Da kann der Vatikan noch so sehr betonen, der Besuch des Papstes sei eine "rein humanitäre Reise". In Wirklichkeit ist der Besuch von Franziskus auf der Flüchtlingsinsel Lesbos hochpolitisch.

In jedem Fall ist das ein ungewöhnlicher Besuch, der Empfang am Flughafen gehörte da fast noch zum Standardprogramm. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras stand am Rollfeld und mit ihm Bartolomaios, der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, und Hieronymos, Erzbischof von Athen und Primas der Orthodoxen Kirche in Griechenland.

Flüchtlinge in Papst-Flugzeug

Papst Franziskus hat zwölf Flüchtlinge mit nach Italien genommen, wie der Vatikan bestätigte. Es handele sich um drei Familien aus Syrien, darunter sechs Kinder. Alle sind Muslime.

In einer vom Vatikan herausgegebenen Erklärung hieß es, Franziskus' Initiative sei eine Willkommensgeste an die Flüchtlinge, die bereits vor dem am 20. März zwischen der EU und der Türkei geschlossenen Abkommen in Griechenland gewesen seien.

Der Erklärung zufolge wird sich der Vatikan zunächst um die Versorgung der Familien kümmern. Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio werde sich um ihre Ansiedlung bemühen.

Vom Flüchtlingslager zum "Haftzentrum"

Lange hielt sich Papst Franziskus nicht mit Höflichkeiten auf - er wollte nach Moria, dem größten Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Draußen haben sie noch schnell die Mauer weiß gestrichen. Drinnen hat das Lager sein Gesicht total verändert, seit das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei in Kraft getreten ist, sagt Sasha Myers von Save the Children. Sie erläutert: "Seit dem 20. März ist Moria ein Haftzentrum geworden, eine geschlossene Einrichtung, niemand kommt rein und raus. Da sind Kinder eingesperrt. Einige sind seit Wochen da und wir wissen nicht, wie lange sie bleiben werden. Denn die griechischen Behörden haben nicht die Möglichkeiten, alle Asylanträge zu bearbeiten. Das heißt, Frauen, Kinder, Familien sind für lange Zeit festgesetzt."

Papst Franzikus besucht Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos
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Es ist unklar, wie lange die Menschen in Moria bleiben müssen. Unter den Flüchtlingen sind viele Frauen und Kinder.

Die Verzweiflung wächst

Etwa 600.000 Flüchtlinge sind seit Beginn vergangenen Jahres über Lesbos nach Europa gekommen. Seit ein paar Wochen kommen im Schnitt deutlich weniger Menschen. Mehr als 300 Flüchtlinge sind in den vergangenen Tagen in die Türkei abgeschoben worden. Die Verzweiflung der Menschen auf Lesbos ist seitdem größer geworden.

Schon vor der Reise des Papstes haben hohe Vertreter des Vatikan das Abkommen kritisiert. Man könne Menschen nicht wie eine Ware hin- und herschieben, sagte ein Kurienkardinal.

Kritik an der EU

Auch Wenzel Michalski, Direktor von Human Rights Watch Deutschland, hält die neue Flüchtlingspolitik der Europäischen Union für hochproblematisch: "Wenn sich die Zahl verringert hat, bedeutet das nur, dass die Menschen in der Türkei und in Syrien feststecken. Es gibt provisorische Flüchtlingslager in Syrien an der türkischen Grenze, die Leute kommen da nicht rüber, und die werden zur Zeit gerade von der Terrorgruppe "Islamischer Staat" überfallen. Weniger Flüchtlinge, die nach Europa kommen, bedeuten nicht weniger Flüchtlinge überhaupt." Eine Folge der Politik sei, dass das Leben der Flüchtlinge noch gefährlicher und verzweifelter werde.

"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen"

"Freiheit!" rufen die Menschen bei der Ankunft des Papstes. Franziskus nimmt sich dann viel Zeit für die Begegnung mit ihnen.

Papst Franzikus besucht Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos
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Viele Flüchtlinge begrüßten Papst Franziskus euphorisch.

"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen. Sie haben Gesichter, Namen und Geschichten - und als solche müssen sie behandelt werden", hatte der Vatikan am Morgen noch über den Twitteraccount des Papstes verbreitet. Für die Menschen in Moria ist der Besuch des Papstes ein Zeichen der Hoffnung.

Papst Franziskus @Pontifex_de
Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden.

Verbeugung vor den Toten

In einer kurzen Ansprache machte Franziskus deutlich, dass sein Besuch mehr sein soll, als das: "Es ist auch eine Aufforderung, dieselbe Barmherzigkeit denen zu erweisen, die in Not sind. Möchten doch alle unsere Brüder und Schwestern auf diesem Kontinent wie der barmherzige Samariter Euch zu Hilfe kommen, in jenem Geist der Brüderlichkeit, der Solidarität und der Achtung gegenüber der Menschenwürde, der Europas lange Geschichte gekennzeichnet hat!"

Am Nachmittag gedachte Franziskus zusammen mit den Vertretern der Orthodoxen Kirchen im Hafen von Mytilini, der Hauptstadt von Lesbos, der Toten. Mehr als 700 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen seit Jahresbeginn auf dem Seeweg nach Europa ertrunken. Viele von ihnen starben zwischen der Türkischen Küste und Lesbos.

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