Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII. sollen heilig gesprochen werden (Bildquelle: dpa)

Vor den Heiligsprechungen im Vatikan Ein päpstlicher Balanceakt

Stand: 26.04.2014 08:35 Uhr

Die Heiligsprechung morgen im Vatikan ist keine "One-Man-Show". Denn neben Johannes Paul II. wird auch Johannes XXIII. heilig gesprochen. Damit zeigt sich Papst Franziskus mal wieder als unbequemes Oberhaupt für die katholische Kirche.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom 

Für die vielen Anhänger Papst Johannes Pauls II. konnte es gar nicht schnell genug gehen mit der Heiligsprechung. Und Benedikt XVI. hörte die Signale, setzte für den Seligsprechungsprozess sogar das Kirchenrecht außer Kraft und verkürzte die fünf Jahre, die eigentlich zwischen dem Tod und der Eröffnung eines Seligsprechungsverfahrens vergehen müssen.

Aber nun ist der nächste Schritt, diese Heiligsprechung, keine "One-Man-Show". Nicht allein der Papst aus Polen steht im Mittelpunkt. Franziskus hat gewollt, dass mit Johannes XXIII. an diesem Tag ein weiterer Papst zum Heiligen wird.

Doppelte Heiligsprechung als Balanceakt
J.-C. Kitzler, ARD Rom
26.04.2014 07:36 Uhr

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Franziskus eint die Lager

Für den langjährigen Vatikanbeobachter John Allen ist das einerseits Ausdruck der inneren Zerrissenheit der katholischen Kirche, und anderseits Ausdruck eines päpstlichen Balanceaktes. "Er weiß, dass unter den Katholiken Johannes XXIII. ein großer Held der Linken und Johannes Paul II. ein Held der Rechten ist. Wenn er einen von beiden allein heilig gesprochen hätte, wäre das eine Siegesfeier für dessen Fraktion der Kirche geworden." Doch nun bringe Franziskus beide Seiten zusammen.

Und so versucht der Vatikan in diesen Tagen, die Gemeinsamkeiten der beiden neuen Heiligen herauszustellen: Beide haben die katholische Kirche auf ihre Art geöffnet: Johannes Paul II. unter anderem durch seine vielen Reisen in insgesamt 127 Länder. Johannes XXIII. tat dies, indem er seiner Kirche mit dem zweiten Vatikanischen Konzil einen Reformprozess verordnete.

Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII. sollen heilig gesprochen werden (Bildquelle: dpa)
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Ein Balanceakt: die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII.

Als Johannes XXIII. Anfang 1959 im stolzen Alter von 77 Jahren die Einberufung eines Konzils mit dem ausdrücklichen Ziel der Erneuerung ankündigte, gab es einerseits viel Begeisterung. Es gab aber auch diejenigen, die jahrhundertealte Traditionen der katholischen Kirche in Gefahr sahen. Diese beiden Lager gibt es im Prinzip bis heute und sie tragen ihre Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Vergangenheit und die Zukunft der Kirche mehr oder weniger offen aus.

Bewahrer gegen Reformer

Johannes Paul II. ist zu einer Ikone der Bewahrer geworden. Viele verehren den Papst aus Polen wegen seiner tiefen Frömmigkeit - aber auch kirchenpolitisch hat er viele Bewunderer. Alternative theologische Bewegungen wie in Südamerika bekämpfte Johannes Paul II. vehement, in Fragen der Moraltheologie war er unnachgiebig. In den mehr als 26 Jahren seines Pontifikats kamen Männer in wichtige Positionen, die von der Erneuerung der Kirche im Sinne Johannes XXIII. nicht viel hielten, die lieber alte Pracht und Traditionen wiederbeleben wollten.

Bei dieser Heiligsprechung kommen aber nun die beiden innerkirchlichen Lager zusammen, ob sie wollen oder nicht. "Das ist nur erschütternd für diese Kampfhunde auf beiden Seiten, die diese beiden Päpste gegeneinander ausspielen wollen", meint Vatikanbeobachter Allen. "Franziskus sagt, dass die Gemeinsamkeiten hier viel tiefgehender sind, als die Unterschiede."

So zeigt sich Franziskus mal wieder als unbequemer Papst, der seiner Kirche viel abverlangt und der Bewahrer wie Reformer auffordert, ausgetretene Wege zu verlassen. Die Heiligsprechung zweier Päpste wird so, bei aller Feierlichkeit, zum Balanceakt.

Dieser Beitrag lief am 26. April 2014 um 12:09 Uhr auf Inforadio.

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