Papst Franziskus spricht mit ernstem Gesichtsausdruck bei einer Zeremonie. | Bildquelle: REUTERS

Papst zur EU-Politik "Flüchtlingscamps sind Konzentrationslager"

Stand: 22.04.2017 21:06 Uhr

Papst Franziskus hat einige der Flüchtlingscamps in Europa als Konzentrationslager bezeichnet. Gleichzeitig kritisierte er die EU-Flüchtlingspolitik und lobte die Großzügigkeit der Länder, in denen die meisten Migranten ankommen.

Der Papst hat Aufnahmezentren für Migranten in Griechenland mit Konzentrationslagern verglichen. Mit Blick auf die sogenannten Hotspots, etwa auf der Insel Lesbos, sagte Franziskus: "Viele Flüchtlingslager sind Konzentrationslager - wegen der Menge an Menschen darin."

Papst Franziskus wird vom griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras auf Lesbos begrüßt. Hinter den beiden gehen weitere Geistliche.
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2016 besuchte der Papst das Aufnahmelager auf Lesbos.

Seine Worte fielen bei einer Zeremonie zum Gedenken an moderne christliche Märtyrer. Er wich damit von seinem ursprünglichen Redetext ab. Der Papst stellte den Vergleich zur Nazi-Zeit an, als er von einem Flüchtling berichtete, den er 2016 auf Lesbos getroffen hatte. Dessen Ehefrau sei wegen ihres christlichen Glaubens vor den Augen ihres Mannes getötet worden.

"Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, ob er es aus seinem Konzentrationslager heraus geschafft hat", sagte der Papst. An anderer Stelle während der Zeremonie in der römischen Bartholomäuskirche sprach Franziskus von "diesen Konzentrationslagern - es gibt so viele, volle Konzentrationslager ... weil internationale Abkommen anscheinend wichtiger sind als Menschenrechte".

Papst: EU-Flüchtlingspolitik ist "Selbstmord"

Flüchtlingscamp in Moria auf Lesbos | Bildquelle: AFP
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In den Flüchtlingscamp wie hier auf Lesbos herrschen oft unhaltbare Zustände.

Papst Franziskus rügte auch grundsätzlich die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Er pries die Großzügigkeit von Staaten wie Griechenland und Italien, wo die meisten Migranten ankommen, und kritisierte, dass eine gleichmäßige Verteilung auf alle Mitgliedstaaten verhindert wird. Einwanderung sei im Interesse Europas, sagte er. Die Europäer bekämen immer weniger Kinder, schlössen aber zugleich die Türen für Migranten. "Das nennt sich Selbstmord", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Die Lage in den griechischen Registrierzentren - die sogenannten Hotspots auf den Ägäis-Inseln - ist seit Monaten angespannt. Auf den Inseln befinden sich insgesamt etwa 13.800 Flüchtlinge, die weiter nach Mitteleuropa oder zumindest zum griechischen Festland wollen. Auf dem Festland leben gut 50.000 Migranten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2017 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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