Papst in Prado | Bildquelle: AP

Franziskus reist in Textilstadt Prato Der Papst in Italiens "Chinatown"

Stand: 10.11.2015 05:08 Uhr

Franziskus besucht heute die Stadt Prato in der Toskana. In der Textilindustrie arbeiten dort Tausende Chinesen - teils unter unwürdigen Bedingungen. Das soll sich jetzt jedoch ändern. Dafür musste aber erst eine Katastrophe passieren.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Es gibt Straßen in dieser Stadt, da vergisst man, dass man mitten in der Toskana ist. In Pratos Chinatown reiht sich ein chinesisches Restaurant an das andere, dazu Lebensmittelläden und kleine Wechselstuben, über die Chinesen das in Italien verdiente Geld in den fernen Osten schicken können.

"Die Stadt", sagt Pratos Bischof Franco Agostinelli "bietet genau die Themen, um die es Papst Franziskus geht: Arbeit, Aufnahme und Integration von Fremden. Prato ist eine Art Labor für die Gesellschaft der Zukunft - eine multiethnische, multireligiöse Gesellschaft. Das sind unsere Herausforderungen."

Papst in Prado | Bildquelle: AFP
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Flaggen des Vatikans und Chinas wurden anlässlich des Besuchs von Franziskus in Prato geschwenkt.

Umdenken nach tödlichem Brand

Vor zwei Jahren kam Prato nach einem Brand in einer chinesischen Textilfabrik in die Schlagzeilen. Sieben Arbeiter, die in dem Gebäude übernachteten, starben. Das Unglück hat die Missstände in der Textilindustrie offensichtlich gemacht, wo chinesische Wanderarbeiter im Akkord für den europäischen Markt Kleider produzieren und oft direkt neben den Nähmaschinen schlafen. So kann man sich teure Mieten sparen und noch mehr arbeiten.

Denn der Termindruck in der Textilbranche ist enorm, sagt der chinesische Kleinunternehmer Wang Li Ping: "Die Kunden kommen aus Frankreich, Deutschland oder Holland. Die kommen mit einem großen Lastwagen, machen ihre Bestellung, fahren weiter nach Neapel und wenn sie zurückkommen muss die Ware schon fertig sein. Und wenn du nicht schnell bist, verlierst du die Arbeit."

30.000 Chinesen arbeiten in Prato

"Pronto Moda" heißt dieser Industriezweig, von dem in Prato geschätzte 30.000 Chinesen leben. Sie arbeiten als Zwischenhändler, Schneider oder so wie Wang Li Ping als Zulieferer. "Ich bin  die dauernde Polemik über die Chinesen in Prato leid: Alle illegal, alle böse und so weiter", sagt Wan Li Ping. "Für mich sind die Chinesen, wenn man sie gut regiert, eine Zukunft für Prato."

Papstmasken | Bildquelle: AP
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Im Vorfeld wurden Papstmasken verkauft.

Für das Regieren ist Simone Faggi zuständig, der stellvertretende Bürgermeister von Prato. Und er sagt, tatsächlich kann die Stadt von den Chinesen profitieren. Etwa 1000 Italiener arbeiten bereits im Bereich der "Pronto Moda". Die Steuereinnahmen sind auch dank der chinesischen Betriebe in Prato höher als in anderen Städten.

"Wir wollen nichts schönreden", sagt Faggi. "Es gibt immer noch schlimme Arbeitsbedingungen bei uns. Aber man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass wir nun mit Kontrollen und Stichproben begonnen haben, die in etwa drei Jahren die Gewerbestruktur in dieser Stadt komplett ändern werden."

Seit dem Brand vor zwei Jahren hat sich viel getan. Die Gewerkschaften versuchen mit Arbeitern in Kontakt zu kommen und die Bürger von Prato kümmern sich vermehrt um diese Einwanderer aus dem fernen Osten, die oft schon in der zweiten Generation in Prato leben. Und Bürgermeister Faggi sieht in der starken chinesischen Gemeinde mehr Chance als Risiko: "Die chinesischen Bürger öffnen uns ein Tor zur Welt. Die Stadt muss diese Chance nur nutzen."

Der Papst in China-Town: Franziskus besucht Prato in der Toskana
T. Kleinjung, ARD Rom
10.11.2015 00:11 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 10. November 2015 um 05:52 Uhr im Deutschlandfunk.

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