Verkäufer mit Papst-Bildern | Bildquelle: REUTERS

Franziskus in Chile Ein heikler Papst-Besuch

Stand: 15.01.2018 05:00 Uhr

Wie bei anderen Besuchen irgendwo auf der Welt auch wird der Papst in Chile bejubelt werden. Doch mehr als sonst ist diese Reise von Problemen und gar Gewalt überschattet. Kann Franziskus den Dialog vorantreiben?

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Südamerika

Arbeiter kratzen Ruß und Asche vom Portal der Kirche Sante Isabel de Ungria. Diesmal erwartet den Papst nicht nur Jubel. Brandanschläge und Protestkundgebungen trüben die Vorfreude der chilenischen Katholiken auf den Papstbesuch. Brandsätze, Farbbeutel und Steine werden auf Kirchen geworfen, außerdem attackierte eine linke Gruppe die Nuntiatur, wo der Papst von Montag an übernachten wird.

Mit der Reise nach Chile begibt sich Papst Franziskus sich in schwieriges Gelände. Schon, weil er Argentinier ist und die Nachbarländer Chile und Argentinien eine lange Rivalität verbindet - oder trennt.

Besonders schlechtes Ansehen

Aber noch wichtiger: Nirgends in Lateinamerika ist das Ansehen der katholischen Kirche - und des Papstes selbst - so schlecht wie in Chile. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten die Chilenen Franziskus nur mit einem Durchschnitt von 5,3 - in Argentinien bekommt der Papst 6,6 Punkte, in Brasilien sogar 8 von 10. Das sind zumindest die neuesten Zahlen des Umfrageinstituts Latinobarómetro.

Nur 42 Prozent der Chilenen haben eine positive Meinung von der Kirche. Das dürfte auch eine Auswirkung der Missbrauchsskandale sein, die auch Chile erschüttert haben. Die Organisation "Bishop Accountability" ("Verantwortung der Bischöfe") erhebt schwere Vorwürfe gegen 80 Priester und Ordensleute, die Kinder missbraucht haben sollen. Aber in Chile würden die Fälle immer noch unter den Teppich gekehrt.

Man schalte die Datenbank bewusst vor dem Papstbesuch frei und hoffe, dass einer seiner Mitarbeiter ihn darauf aufmerksam mache. "Dann wird er hoffentlich verstehen, dass die Bischöfe und Kirchenoberen in Chile sein Versprechen von null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch untergraben", sagt Anne Barret-Doyle von "Bishop Accountability".

Die als "Machi" bekannte Mapuche-Heilerin und religiöse Anführerin Kallfurayen Llanquileo | Bildquelle: AP
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Anführer der Mapucho habe ihre Hoffnung geäußert, dass der Papst-Besuch den Dialog mit der Regierung voranbringt.

Anschläge auf Kirchen

Die Brandanschläge haben allerdings einen ganz anderen Hintergrund. Sie dürften mit dem Mapuche-Konflikt im Süden Chiles zusammenhängen. Darauf deuten zumindest die Flugblätter hin, die an den Tatorten gefunden wurden. Im Süden, in der Konfliktregion Araukanien sind Kirchen immer wieder Ziel von Angriffen und Anschlägen. Und die Gewalt hat in letzter Zeit zugenommen.

Die Kirche hat sich zwar in vielen Fällen vor die Indigenen gestellt. Aber die radikalen Mapuche sagen, die Kirche sei mitverantwortlich für die Unterdrückung ihres Volkes, ihrer Kultur und Religion gewesen.

Der Papst komme in einem sehr schwierigen Moment, meint Historiker Pedro Canales von der Universität von Santiago. Einige radikale Mapuche-Gruppen seien nicht mehr zum Dialog bereit.

Am Mittwoch will Papst Franziskus selbst nach Temuco reisen, die Hauptstadt Araukaniens und dort auch Vertreter der Mapuche treffen. Natürlich werden trotzdem wie bei anderen Papstbesuchen auch, Tausende Gläubige den Pontifex jubelnd und singend empfangen.

Aber in Chile wird sich Franziskus auf mehr Gegenwind einstellen müssen, als er es von seinen Reisen nach Lateinamerika gewöhnt ist.

Brandanschläge und Protestkundgebungen vor Papstbesuch
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
15.01.2018 09:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2018 um 04:48 Uhr.

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