Papst Franziskus spricht vor Gläubigen in Dhaka, Bangladesch. | Bildquelle: AP

Franziskus in Bangladesch Ende eines diplomatischen Drahtseilaktes

Stand: 02.12.2017 15:33 Uhr

Papst Franziskus hat seine Asienreise beendet und ist auf dem Weg zurück nach Rom. Nach der großen Anspannung in Myanmar war der letzte Tag in Bangladesch geprägt von Gelassenheit und Spontaneität.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Es war ein heiterer Abschluss in der Rosario-Kirche zu Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Der Papst wirkte deutlich gelassener als in den Vortagen, als er noch jedes Wort auf die Goldwaage legte. Stattdessen heute: eine seiner liebsten Ansagen.

"Ich habe Euch heute eine Rede vorbereitet, die acht Seiten lang ist", so Franziskus. "Aber Ihr seid ja hier, um den Papst zu hören, und nicht, um Euch zu langweilen." Darum wolle er die Rede inklusive der Übersetzung auf Bengalisch dem Erzbischof geben und spontan und frei sprechen. "Es wird von Herzen kommen."

"Wir werden nicht wegschauen"

Und dann sprach er darüber, dass auch in der Kirche, in Religionen überhaupt, zu viel geredet werde. Der Terrorismus des Schwatzens, das war Franziskus' Überschrift. Und er appellierte an die Gläubigen: "Bitte, hüten Sie Ihre Zungen."

Franziskus selbst hatte tagelang in Myanmar und Bangladesch penibel auf jedes Wort geachtet. Vor allem auf das Wort "Rohingya". Es bezeichnet die muslimische Volksgruppe, die derzeit brutal aus Myanmar nach Bangladesch vertrieben wird. Weil das Regime in Myanmar sie partout nicht anerkennen will, lehnt es auch die Verwendung des Wortes Rohingya strikt ab. Der Papst hielt sich an den Sprachduktus, das brachte ihm viel Kritik ein.

Gestern dann, nachdem er in Dhaka Flüchtlinge getroffen hatte, platzte es doch spontan aus ihm heraus. Er bat die Rohingya um Vergebung für die Gleichgültigkeit, die die Welt ihnen entgegen bringe. "Wir werden nicht wegschauen", sagte der Papst. "Wir werden unsere Herzen nicht verschließen. Die Anwesenheit Gottes trägt heute den Namen Rohingya".

Positives Echo in Bangladesch

Es fiel also doch noch, das Wort "Rohingya", wenn auch arg zusammen genuschelt auf Italienisch mit argentinischem Einschlag. Anschließend weinten einige der Rohingya, als ein Imam das gemeinsame Gebet anstimmte. "Der Papst hat uns versprochen, dass er sich dafür einsetzen wird, dass wir zurückkehren dürfen in unsere Heimat, um dort in Frieden leben zu können", sagte ein Mädchen aus der Gruppe.

Die spontanen Worte des Papstes bestimmten heute die Schlagzeilen in Bangladesch. Das Land hat eine Million Rohingya aufgenommen. Dabei ist es selbst bitterarm. Es gibt zaghafte Gespräche mit Myanmar darüber, die Flüchtlinge zurückzuführen. Aber die Vertreibungen gehen trotzdem weiter, jeden Tag kommen hunderte Menschen über die Grenze. In den Flüchtlingslagern drohen Epidemien.

Die Rohingya-Krise hat andere Themen, die dem Papst am Herzen liegen, in den Hintergrund gedrängt. Extreme Armut, Umweltzerstörung, die Ausbeutung von Arbeitern der Textilfabriken - all das konnte er nur am Rande ansprechen. Am Nachmittag flog Franziskus zurück nach Rom - Abschluss seiner bislang vielleicht schwierigsten Reise.

Papst Franziskus beendet Asienreise
Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi
02.12.2017 13:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 1. Dezember 2017 um 23.38.

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