Papst Franziskus winkend in offenem Wagen | Bildquelle: AFP

Papst in Ägypten "Barmherzigkeit - legitimer Extremismus"

Stand: 29.04.2017 12:55 Uhr

Am zweiten Tag seines Besuchs in Ägypten hat Papst Franziskus eine katholische Messe vor etwa 20.000 Gläubigen gefeiert. Seine Botschaft: Es gebe nur eine legitime Form des Extremismus - die der Barmherzigkeit.

Papst Franziskus hat in Kairo eine Messe mit Angehörigen der katholischen Minderheit in Ägypten gefeiert. Seine Predigt fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Stadion auf einem Luftwaffenstützpunkt statt, vor etwa vor 20.000 Gläubigen.

In Hinblick auf religiös motivierte Gewalt sagte er, dass Glaube den anderen "nicht als einen zu besiegenden Feind, sondern als Bruder" erscheinen lasse. Der wahre Glauben bringe die Menschen dazu, die Rechte der anderen mit dem gleichen Enthusiasmus zu verteidigen wie die eigenen. Der einzig legitime Extremismus sei der der Barmherzigkeit. "Jedweder andere Extremismus kommt nicht von Gott", so Franziskus.

Mut zur Vergebung

Der Papst forderte bei dem Gottesdienst eine Kultur der Begegnung, des Dialogs und des Respekts. Dies erfordere auch den "Mut, dem zu vergeben, der uns beleidigt", sagte er angesichts von Diskriminierungen der christlichen Minderheit in Ägypten.

Nicht in dem kugelsicheren "Papamobil", sondern in einem offenen Golfwagen fuht der Papst vor der auf lateinisch und arabisch gefeierten Messe durch das Stadion, um die Menschen zu begrüßen. Unter den Besuchern waren neben Katholiken auch zahlreiche Kopten und Muslime.

Rund zehn Prozent der mehrheitlich sunnitischen Ägypter sind Christen. Sie sind immer wieder Ziel von Anschlägen.

Papst winkend vor Gläubigen | Bildquelle: dpa
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Vor der Messe begrüßte Papst Franziskus die Gläubigen bei einer Fahrt durch das Stadion in einem offenen Golf.

"Fundamentalismus missbraucht den Namen Gottes"

Papst Franziskus mit Al-Sisi | Bildquelle: dpa
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Papst Franziskus lobte Al-Sisis Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben.

Am Vortag hatte der Papst mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi und Regierungsvertretern über religiösen Extremismus und Terror gegen Christen gesprochen. Er nahm die Verantwortlichen in die Pflicht. "Ägypten hat eine einzigartige Aufgabe: Auch den Frieden in der Region zu stärken und zu festigen, selbst wenn es auf eigenem Boden durch blinde Gewalt verwundet wird", sagte er.

Fundamentalismus missbrauche den Namen Gottes, um "unerhörte Blutbäder und unglaubliches Unrecht zu verüben", erklärte er mit Hinweis auf die jüngsten Attentate von Islamisten auf koptische Kirchen.

Ausdrücklich würdigte Franziskus die wiederholten Aufrufe Al-Sisis zu Toleranz und einem friedlichen Zusammenleben. Ägypten müsse als Wiege der drei monotheistischen Religionen endlich aus der "langen Nacht des Leids" aufwachen.

Versöhnungsbesuch in sunnitischer Lehrstätte

In der Al-Azhar-Universität, der wichtigsten theologischen Akademie des sunnitischen Islams, hatte er Imame, Gelehrte und Theologiestudenten aufgerufen, Dialog und Versöhnung zu predigen und nicht Konflikte zu verschärfen.

Papst Franziskus feiert Messe in Kairo
tagesschau 17:00 Uhr, 29.04.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Der Leiter der Universität, Scheich Ahmed al-Tajjib, pflichtete dem Papst bei und erklärte: "Der Islam ist keine Religion des Terrorismus, weil eine Minderheit unter seinen Anhängern einige seiner Texte an sich gerissen hat, um Blut zu vergießen". Er dankte Franziskus ausdrücklich für seine "fairen" Aussagen zu Terrorvorwürfen gegen Muslime und den Islam.

Nächstenliebe statt Extremismus: Papst feiert Messe in Kairo
J. Stryjak, ARD Kairo
29.04.2017 18:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 29. April 2017 um 12:55 Uhr.

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