Papst Franziskus auf dem Weg zum Patriarchen Kyrill  | Bildquelle: AP

Papst Franziskus trifft Patriarchen Kyrill Eine kleine Sensation in der Karibik

Stand: 12.02.2016 09:44 Uhr

Es ist die erste Begegnung zwischen einem römischen Papst und einem Patriarchen der russischen-orthodoxen Kirche: Papst Franziskus und der Moskauer Patriarchen Kyrill treffen in Kuba zusammen - und schreiben damit Kirchengeschichte.

Von Ulrich Pick, SWR

Das Treffen zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill darf man als kleine kirchenpolitische Sensation bezeichnen. Denn noch nie gab es ein Treffen zwischen den Bischöfen von Rom und Moskau. Zwar gebührt Kyrill im Reigen der orthodoxen Kirchenfürsten traditionell nur der zweite Platz nach dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Doch die Macht des Moskauer Patriarchats ist ausgesprochen groß. Etwa ein Drittel der weltweit rund 300 Millionen orthodoxen Christen lebt in seinem Einflussgebiet.

Jahrzehntelang ein Treffen abgelehnt ...

Anders als der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, der schon mehrfach mit dem Papst gesprochen hat, lehnte Moskau seit Jahrzehnten ein Treffen mit dem Papst strikt ab. Stattdessen wurden dem Vatikan immer wieder Vorhaltungen gemacht. Zum einen ging es dabei um die mit Rom verbundene Kirche in der Ukraine. Unter Stalin aufgelöst, war sie nach dem Fall der UdSSR wieder an die Öffentlichkeit getreten und forderte alte Rechte und Besitztümer zurück - auch von den Orthodoxen. Zum anderen sah Moskau in der Errichtung von vier katholischen Bistümern in Russland 2002 einen Affront und warf dem Vatikan vor, aggressiv zu missionieren auf Kosten der Orthodoxie.

Papst Franziskus, Archivbild | Bildquelle: AP
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Historisches Treffen: Papst Franziskus fliegt nach Havanna ...

Patriarch Kyrill | Bildquelle: AP
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... um sich mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill zu treffen.

... nun die überraschende Zusage

Dass sich der russische Patriarch jetzt so plötzlich zu einem Gespräch mit dem Papst bereit erklärt, ist sehr überraschend. Immerhin hatten die Vertreter des Moskauer Patriarchats die letzten offiziellen Annäherungsgespräche zwischen Katholiken und Orthodoxen noch torpediert - im Gegensatz übrigens zu den Vertretern der griechisch-orthodoxen Kirche.

Hintergrund: Römisch-katholisch oder orthodox?

Die römisch-katholische und die östlich-orthodoxe Kirche gehen seit 1054 getrennte Wege. Hintergrund waren theologische und politische Streitigkeiten, unter anderem über den Autoritätsanspruch des Papstes.

Den orthodoxen Kirchen gehören weltweit in etwa 15 eigenständigen (autokephalen) Zweigen rund 250 Millionen Gläubige an. Die russisch-orthodoxe Kirche ist bei weitem die größte - sie hat nach Angaben aus Moskau etwa 150 Millionen Mitglieder.

Orthodoxe betrachten sich als Bewahrer der unverfälschten christlichen Überlieferung, sie sind eng an die Tradition gebunden. Ihre Gottesdienste zeichnen sich durch eine besonders feierliche Liturgie aus, sie dauern oftmals viele Stunden, bei hohen Festen eine ganze Nacht. Die Autorität des Papstes lehnen sie ab.

Die Orthodoxen werden nicht - wie in der katholischen Kirche - von einem einzigen Oberhaupt geleitet. Stattdessen gibt es verschiedene Patriarchate - wie in Moskau, Istanbul oder Jerusalem. Sind katholische Geistliche generell an den Zölibat, die Ehelosigkeit, gebunden, so können orthodoxe Priester vor der Ordination noch heiraten. Nur Bischöfe sollten alleine leben.

Ein großer Fortschritt für Ökumene

Offen ist auch, welche Rolle das seit Jahrzehnten geplante orthodoxe Konzil beim Treffen auf Kuba spielt. In der vergangenen Woche hatten sich Vertreter aller orthodoxen Kirchen in der Schweiz definitiv darauf geeinigt, dass die große Kirchen-Versammlung im Juni auf Kreta abgehalten wird. Eine Schlüsselfigur - sowohl beim Treffen mit dem Papst als auch beim orthodoxen Konzil - dürfte der Außenamtsleiter des russisch-orthodoxen Patriarchats, Hilarion Alfejev, sein. Er war Bischof in Wien, habilitierte sich im schweizerischen Fribourg und gilt als Kenner der katholischen Kirche, in die er exzellente Kontakte hat.

Eines ist jetzt schon sicher: Das Treffen von Franziskus und Kyrill auf Kuba dürfte ein großer Fortschritt für die Ökumene sein.

Treffen von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill
U. Pick (SWR)
12.02.2016 09:43 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Februar 2016 um 09:36 Uhr im Deutschlandfunk.

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