Papst Franziskus spricht vor dem US-Kongress | Bildquelle: AFP

Papst-Rede vor US-Kongress Klare Worte gegen die Todesstrafe

Stand: 24.09.2015 18:57 Uhr

Zum ersten Mal hat ein Papst vor dem US-Kongress gesprochen: In einer historischen Rede wandte sich Franziskus gegen Todesstrafe und Waffenhandel. Er fand klare Worte vor den Abgeordneten. Viele von ihnen halten ihn für zu liberal.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Der Papst kommt - und der Kongress gibt sich feierlich. Eine Atempause, denn eigentlich streiten die Abgeordneten in diesen Tagen heftig über den Haushalt und darüber, ob und wie sie Abtreibungskliniken unterstützen. Es droht mal wieder eine Blockade, die unterschiedlichen Lager belauern sich.

Der Papst sprach sanft, aber er rief die Abgeordneten doch zur Ordnung: "Doch es gibt noch eine andere Versuchung, vor der wir uns besonders hüten müssen: Es ist der grob vereinfachende Reduktionismus, der die Wirklichkeit in Gute und Böse oder in Gerechte und Sünder unterteilt. Die heutige Welt mit ihren offenen Wunden, unter denen so viele unserer Brüder und Schwestern leiden, verlangt, dass wir jeder Form von Polarisierung entgegentreten, die eine Aufteilung in diese beiden Kategorien versucht."

Papst hält historische Rede vor dem US-Kongress
tagesschau 20:00 Uhr, 24.09.2015, S. Niemann, ARD Washington

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Appell der Chefs, sich zu benehmen

Vor der Rede hatten die Führungen von Repräsentantenhaus und Senat ihren Mitgliedern ins Gewissen geredet, sich zu benehmen. Gerade unter Konservativen gibt es nämlich viele, die den Papst kritisch sehen und ihm vorwerfen, zu liberal zu sein. Der Papst ließ sich davon nicht beirren. Beispiel Todesstrafe: Eine Mehrheit der Amerikaner ist dafür, die katholische Kirche in den USA gehört zu den Gegnern.

Der Papst mahnte, jeder Mensch habe eine unveräußerliche Würde. Strafe brauche auch Hoffnung und das Ziel der Rehabilitierung. Franziskus rief die Amerikaner auf, Einzelinteressen zurückzustellen und großherzig zu sein - auch angesichts der Flüchtlingskrise auf der Welt: "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen, ihre Geschichten anhören und versuchen, so gut wir können, auf ihre Situation zu reagieren. In einer Weise zu reagieren, die immer menschlich, gerecht und brüderlich ist."

Papst fordert Stopp des Waffenhandels

Der Papst forderte dazu auf, mehr zu tun, um die bewaffneten Konflikte in der Welt abzuschwächen und zu beenden. Dafür sei es die Pflicht aller, den Waffenhandel zu stoppen. Es gehe um Geld, das von Blut triefe. Mit Spannung war erwartet worden, ob der Papst dem Kongress auch ins Gewissen reden würde, was Kuba angeht.

Papst Franziskus betritt den US-Kongress | Bildquelle: REUTERS
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Papst Franziskus betritt den US-Kongress

Während die Obama-Regierung die Blockade des Nachbarlandes lockern will, ist die republikanische Mehrheit im Kongress dagegen. Franziskus hatte sich stark dafür eingesetzt, dass die beiden Länder ihre Eiszeit überwinden. Nun sagte er: "Es ist meine Pflicht, Brücken zu bauen und allen Menschen zu helfen, auf jede mögliche Weise dasselbe zu tun. Wenn Länder, die miteinander im Konflikt standen, den Weg des Dialogs einschlagen - eines Dialogs, der aus sehr legitimen Gründen unterbrochen sein mag - , öffnen sich neue Möglichkeiten für alle."

Abtreibung und Ehe für alle ausgeklammert

Andere Streitthemen der amerikanischen Politik erwähnte der Papst nicht, Abtreibung zum Beispiel oder die gleichgeschlechtliche Ehe. Dafür gab es wieder ein leidenschaftliches Plädoyer für den Klimaschutz. Eine weitere Frage, in der Franziskus mit Präsident Obama auf einer Wellenlinie liegt, aber nicht mit der republikanischen Mehrheit im Kongress. Der Papst sagte, er sei überzeugt davon, dass man etwas ändern könne - und dabei sollten die USA und der Kongress eine wichtige Rolle spielen.

Mahnende Worte: Der Papst spricht im US-Kongress
Jan Bösche, ARD washington
24.09.2015 18:22 Uhr

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