Jürgen Radomski.

Gelder von Ex-Siemens-Vorstand Radomski Von einem Steuerparadies ins nächste

Stand: 13.04.2016 12:10 Uhr

Auch der ehemalige Siemens-Vorstand Jürgen Radomski taucht in den "PanamaPapers" auf. Unterlagen zufolge ließ er von einem Schweizer Firmenkonto diskret Millionen nach Panama fließen. Radomski bestreitet das.

Von Benedikt Strunz, NDR

Für Tausende deutsche Steuerhinterzieher endete das Jahr 2012 mit einer miserablen Nachricht. Am 23. November lehnte der Bundesrat mit den Stimmen der grün und rot regierten Länder das Steuerabkommen mit der Schweiz ab. Das Papier, das an jenem Freitag faktisch beerdigt wurde, sah weitreichende Vergünstigungen für Hinterzieher vor, kritisierten damals SPD und Grüne. Deutsches Schwarzgeld sollte demnach in der Schweiz pauschal besteuert werden, die Hinterzieher aber sollten anonym und straffrei bleiben.

Das Signal, das mit der Ablehnung vom Bundesrat ausging, war klar: Steuerhinterzieher werden auch in der Schweiz strafrechtlich verfolgt, Nummernkonten sind nicht mehr sicher. Faktisch blieben Steuersündern somit nur noch zwei Auswege: die Selbstanzeige bei den deutschen Finanzbehörden oder die Flucht in entlegenere, besser versteckte Steueroasen. Vielleicht sind Jürgen Radomski im Winter 2012 diese oder ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen, als er Kontakt zu seinem Vermögensverwalter aufnahm.

Ziel: Drei Millionen Euro nach Panama übertragen

Dokumente, die NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" einsehen konnten, zeigen, dass Radomski im Winter 2012 mutmaßlich ein Konto bei der "Andbank" in Panama eröffnen ließ. Ziel war es, auf dieses Konto mehr als drei Millionen Euro zu übertragen.

Das Geld, das möglichst diskret nach Panama wandern sollte, lag zu diesem Zeitpunkt den Unterlagen zufolge bei der "Vontobel Bank" in Zürich und zwar auf einem Konto, das der Briefkastenfirma "Hightech Development Limited" mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln gehörte. Die Dokumente legen den Verdacht nahe, dass hinter dieser Firma niemand anderes als Radomski steckte. So tragen die Überweisungsträger Radomskis Unterschrift, auch ist mehrfach in Mails davon die Rede, dass es sich bei dem Geld um das Vermögen von Radomski handelt.

 

Ein brisantes Geschäft

Doch wie lassen sich mehrere Millionen Euro von der Schweiz nach Panama überweisen, ohne Spuren in der Schweiz oder gar nach Deutschland zu hinterlassen? Schließlich laufen bei Banken automatisierte Programme, die verdächtige Geldüberweisungen erkennen und direkt an den jeweiligen Geldwäschebeauftragten melden. Radomskis Berater hatten für dieses Problem offenbar eine Lösung. Sie schalteten den Offshore-Dienstleister "Mossack Fonseca" in Panama ein.

Ex-Siemens-Manager beauftragt panamaische Kanzlei

Wie die "PanamaPapers" zeigen, kennt sich "Mossack Fonseca" mit dem Verschleiern von Geldströmen bestens aus und hatte auch für Jürgen Radomski eine maßgeschneiderte Lösung parat. "Mossack Fonseca" schloss über eine weitere Firma, die "Britannia Advising Services Limited", einen Treuhandvertrag mit Radomski ab. Das Dokument trägt die Unterschrift des ehemaligen Siemens-Managers, auch eine Passkopie von Radomski liegt dem Vertrag bei. Radomskis Vermögen, das dieser laut einem internen Vermerk bei seiner Tätigkeit "in den USA und in Schweden" verdient haben soll, wurde dann zunächst in zwei Tranchen geteilt: in 1,126 Millionen Schweizer Franken und in 2,047 Millionen Euro. Laut Überweisungsträgern schickte die "Vontobel Bank" dieses Geld am 4. Dezember 2012 von Zürich aus auf eine sehr lange Reise.

Das Gebäude von "Mossack Fonseca" in Panama-Stadt.
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"Mossack Fonseca" in Panama-Stadt: Mit dem Verschleiern von Geldflüssen bestens vertraut.

Geldtransfer um die halbe Welt

Bevor Radomskis Millionen letztlich auf seinem neuen Konto in Panama landeten, durchlief sein Geld insgesamt fünf Bankkonten, die quer über die Welt verteilt waren. Der Name Radomski tauchte bei diesen Überweisungen an keiner Stelle auf. Steuerfahnder oder Staatsanwälte hätten keine Chance gehabt, der Spur des Geldes zu folgen. Zunächst gingen die beiden Tranchen auf ein Konto der Londoner HSBC Bank; dieses Konto gehörte einer Vermögensverwaltung mit Sitz auf den Bahamas - sie verfügt über eine eigene Bank in Nassau, die "Winterbotham Merchant Bank". Von London aus floss das Geld auf ein Konto der Britannia-Treuhand-Gesellschaft bei besagter Bank in Nassau.

Um die Millionen von dort auf ein weiteres Treuhandkonto bei der "Andbank" in Panama fließen zu lassen, bediente sich die Bank zweier weiterer dazwischen geschalteter Banken. Die Euro-Tranche wurde den Unterlagen zufolge über die Deutsche Bank in Frankfurt am Main geschickt, die Franken-Tranche über ein Konto der "Banc Agricol" in Andorra. In Panama wurde das Geld letztlich einem Konto bei der "Andbank" mit der Nummer 4111824 gutgeschrieben.

Keine Antwort auf Nachfragen

Für diesen letzten Schritt wies "Mossack Fonseca" seine Mitarbeiter darauf hin, dass der Name "Kurt Jürgen Radomski" keinesfalls auf dem Überweisungsträger auftauchen dürfe. Am 27. Dezember 2012 meldete die "Andbank", dass der Transfer abgeschlossen sei. Auf Nachfrage von NDR, WDR und SZ ließ Jürgen Radomski telefonisch erklären, dass er die Firma "Hightech Development" nicht kenne und auch kein Konto bei der "Vontobel Bank" oder in Panama besessen habe. Wie eine Kopie von Jürgen Radomskis Personalausweis in die Unterlagen kommen konnte und weshalb mehrere Dokumente seine Unterschrift tragen, könne man sich nicht erklären. Die "Vontobel Bank" wollte sich zum Vorgang nicht äußern.

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