Syrische Soldaten auf einem Panzer in Palmyra | Bildquelle: AP

Vertreibung des IS aus Palmyra Assad-Regierung bejubelt die Befreiung

Stand: 27.03.2016 16:07 Uhr

Syriens Staatsfernsehen bejubelt die "Befreiung" Palmyras. Die ganze Welt könne sich freuen und Präsident Assad danken, schwärmt der Kulturminister. Tatsächlich ist die Vertreibung des IS aus Palmyra eine Niederlage für die Terrormiliz, aber nicht die erste.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Das syrische Staatsfernsehen berichtet seit dem Morgen fast ohne Unterbrechung live aus Palmyra. Die Reporter stehen unter anderem im Stadtzentrum und erklären immer wieder, dass sich die Extremisten vom "Islamischen Staat" komplett zurückgezogen hätten. Es ist ein Sieg mit großer Symbolkraft, einer, von dem sich das Regime womöglich auch erhofft, dass er sein Image im Ausland verbessert. 

Die ganze Welt könne sich heute freuen, schwärmte Kulturminister Essam Khalil im Staatsfernsehen. Die ganze Welt schulde dem syrischen Präsidenten und Führer Bashar al-Assad Dank, weil er es gewesen sei, der die Altertümer mit allen möglichen Mitteln schützen ließ. 

Ein Vertreter des Militärs erklärte, dass dies die erste große Niederlage für den IS sei. Die Terrormiliz hatte allerdings zuvor bereits vergleichbare Niederlagen erlitten, etwa als sie vor gut einem Jahr endgültig aus der nordsyrischen Stadt Kobane und später auch aus Sindschar im Nordirak vertrieben wurde.

Syrische Truppen erobern antike Stadt Palmyra vom IS zurück
tagesthemen 23:40 Uhr, 27.03.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Schwere Verluste für IS?

Laut der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London wurden seit Beginn der Offensive in Palmyra mindestens 400 IS-Dschihadisten getötet. Dies wären, so der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdelrahman, die schwersten Verluste, die dem IS bislang in einer einzigen Schlacht zugefügt wurden. Diese Angaben sowie die des Assad-Regimes können nicht unabhängig überprüft werden.

Syrische Armee in Palmyra | Bildquelle: dpa
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Die syrische Armee in Palmyra. Der IS wurde vertrieben.

An der Offensive beteiligten sich auch russische Streitkräfte. Augenzeugen berichteten, dass am Boden syrische und russische Artillerieeinheiten gemeinsam kämpften. Die Luftwaffe Russlands flog Hunderte von Angriffen auf den Ort. Nach offiziellen Angaben aus Moskau wurden allein zwischen Freitag und Samstag 158 Ziele bombardiert.

IS mordete und zerstörte in Palmyra

Die Dschihadisten hatten Palmyra im vergangenen Mai erobert. In den Monaten danach schockten sie die Weltöffentlichkeit mit Filmaufnahmen von Hinrichtungen in den antiken Ruinen. Sie zerstörten Grabmäler und Skulpturen und sprengten mehrere Tempel, auch das vor laufender Kamera.

Für Mamoun Abdulkarim, den Chef der staatlichen syrischen Altertümerverwaltung, ist dies deshalb ein Tag der Freude: Es seien die schönsten Momente in seinem Leben gewesen, als er hörte, dass die Stadt endlich befreit wurde. Auch die UNESCO, die Kultur-Organisation der Vereinten Nationen, begrüßte "die Befreiung der antiken Stätten Palmyras" auf ihrer Webseite.

Syriens Altertümerchef kündigte den Wiederaufbau des einzigartigen historischen Areals an: "Sobald es die Sicherheitslage erlaubt, wird die UNESCO eine Kommission nach Palmyra senden. Die Organisation ist bereit, ihre Pflicht zu erfüllen. Sie wird Berater schicken, aber wir laden auch jeden ausländischen Experten, der Palmyra liebt, dazu ein, zum Wiederaufbau beizutragen."

Man werde, so der Direktor, diesen Wiederaufbau aber vor allem aus eigener Kraft schaffen.

Syrische Regierungstruppen erobern Palmyra zurück
J. Stryjak, ARD Kairo
27.03.2016 16:11 Uhr

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