Nach Tötung Bin Ladens Pakistan droht USA mit Konsequenzen

Stand: 05.05.2011 18:47 Uhr

Die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden durch ein US-Spezialkommando entwickelt sich zu einer massiven Belastung für die Beziehung Pakistans zu den USA. Der Leiter des pakistanischen Außenministeriums, Salman Bashir, warnte, weitere derartige Einsätze würden verheerende Konsequenzen haben. Solche Fehleinschätzungen würden "in einer furchtbaren Katastrophe" münden, sagte Bashir. Niemand solle bezweifeln, dass Pakistan in der Lage sei, seine Verteidigung selbst zu gewährleisten.

Bashir betonte weiter, die pakistanischen Sicherheitskräfte seien "weder inkompetent noch nachlässig in ihrer heiligen Pflicht, Pakistan zu beschützen".

Pakistan droht Washington mit Konsequenzen
tagesthemen 22:30 Uhr, 05.05.2011, Florian Meesmann, ARD Neu Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Auch die pakistanischen Streitkräfte richteten eine deutliche Warnung an den Verbündeten. Die Armee erklärte, die Souveränität Pakistans sei durch das US-Kommandounternehmen gegen Bin Laden verletzt worden. Bei ähnlichen Aktionen werde die Zusammenarbeit der Streitkräfte und Geheimdienste überprüft. Die Erklärung wurde nach einem Treffen des Oberkommandierenden Ashfaq Parvez Kayani mit einer Reihe hochrangiger Offiziere veröffentlicht.

Botschaft auch ans eigene Land

Nach Ansicht von Beobachtern richtete sich Bashir mit seinen Worten gleichermaßen an die USA wie an die einheimische Bevölkerung. Innenpolitisch, so die Einschätzung, versuche er Kritik zu begegnen, die pakistanische Regierung habe die Verletzung ihres Hoheitsgebietes gedultet.

Salman Bashir, Leiter des pakistanischen Außenministeriums
galerie

Verteidigung an zwei Fronten: der pakistanische Außenpolitiker Bashir

Zugleich trat Bashir deutlich der Ankündigung von US-Präsident Barack Obama entgegen, er behalte sich auch künftig das Recht vor, gegen Terroristen vorzugehen. Sein Sprecher Jan Carney hatte gesagt, Obama habe bereits während des Präsidentschaftswahlkampfs deutlich gemacht, dass er Einsätze in Pakistan anordnen würde, wenn dort Terrorverdächtige aufgespürt würden. Obama sei weiterhin der Ansicht, dass dies der "richtige Ansatz" sei.

Immer mehr Drohnen-Einsätze

Schon vor dem Angriff auf das Versteck Bin Ladens hatte das militärische Vorgehen der USA in Pakistan einen großen Teil der Bevölkerung empört. Obama hat seit seinem Amtsantritt den Einsatz unbemannter Drohnen in Pakistan verstärkt; seitdem wurden bei mehr als hundert Drohnenangriffen mehr als 670 Menschen getötet.

Radikale Muslims demonstrieren in der Stadt Multan gegen die Erschießung Bin Ladens.
galerie

Sie empört die Erschießung Bin Ladens: radikalislamische Muslims in der pakistanischen Stadt Multan

Die einflussreiche islamistische Partei Jamaat-e-Islami rief für Freitag zu Massenkundgebungen auf, um gegen die Zusammenarbeit der Regierung mit den USA im Kampf gegen gewaltbereite Extremisten zu protestieren. Die USA hätten mit ihrer Kommando-Aktion die pakistanische Souveränität und Unabhängigkeit verletzt.

Doch auch in den USA dauert die Kritik am Verhalten des Verbündeten an. Angesichts des angeblich jahrelang unentdeckten Verstecks von Bin Laden forderte die US-Abgeordnete Kay Granger, ein fast 200 Millionen Dollar schweres Hilfsprogramm für Flutopfer in Pakistan auf Eis zu legen. Präsident Obama hat sich zu solchen Forderungen bislang nicht geäußert.

Die pakistanische Version

Außenamtsleiter Bashir legte zugleich erstmals eine pakistanische Version des US-Einsatzes vor. Demnach hätten die pakistanischen Behörden die US-Hubschrauber zunächst nicht bemerkt, weil diese in niedriger Höhe flogen, um dem Radar zu entgehen. Als einer der Hubschrauber abgestürzte, habe das Militär binnen Minuten bestätigen können, dass es sich um einen ausländischen Hubschrauber handelte, weil pakistanische Hubschrauber nur tagsüber fliegen.

Die pakistanische Luftwaffe habe daraufhin zwei F-16-Kampfflugzeuge entsandt, die 15 Minuten später in Abbottabad eingetroffen seien. Zu diesem Zeitpunkt habe das US-Kommando aber bereits den Ort verlassen gehabt. Die pakistanischen Soldaten hätten in dem Gebäude die Familie Bin Ladens vorgefunden, die erklärt habe, dass der Al-Kaida-Führer erschossen und seine Leiche fortgebracht worden sei.

Der Oberkommandierende Kayani sei gegen 3.00 Uhr Ortszeit (0.00 Uhr MESZ) vom US-Oberbefehlshaber Mike Mullen informiert worden. Erst danach habe Obama seinen pakistanischen Amtskollegen Asif Ali Zardari angerufen.

Darstellung: