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65. Jahrestag der Unabhängigkeit
Pakistan - ein gescheiterter Staat?
Terror und Taliban - damit wird Pakistan meist in Verbindung gebracht. Mit Flaggen und Souvenirs zum 65. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien will Pakistan nun schöne Bilder produzieren. Doch was gibt Anlass zum Feiern?
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Langsam aber sicher haben sich Pakistans Städte in den letzten Tagen grün-weiß verfärbt. Überall flattern riesige Flaggen, Händler bieten Miniatur-Ausgaben davon an. Dazu Hüte, Turbane, Armreife - alles in grün-weiß: "Wir sind hier, um Flaggen zu kaufen", sagt ein Bewohner der Stadt Lahore. "Die Preise sind sehr hoch, aber wir müssen ja unsere Unabhängigkeit feiern, vor allem unsere Kinder. Die sagen: wir wollen dies, wir wollen das!"
Hohe Preise für Lebensmittel, für Benzin - das ist nichts Neues. Nun sind also auch die Preise für Patriotismus gestiegen: "Wenn jemand zu wenig zu Essen hat, was glauben sie, tut er dann? Kauft er Essen für sein Kind oder eine Flagge?", fragt ein junger Mann rhetorisch. Er ist Souvenir-Verkäufer. Seine Geschäfte laufen nicht so gut wie in den Jahren zuvor. Ist dies vielleicht ein Zeichen dafür, in welchem Zustand sich die Nation 65 Jahre nach der Unabhängigkeit überhaupt befindet?
Pakistan feiert 65. Unabhängigkeitstag in der Krise
K. Küstner, ARD Neu-Dehli
13.08.2012 23:54 Uhr
Für den Studenten ist alles in Ordnung...
"Gucken Sie sich doch hier um, alles ist in Ordnung", findet ein Student und bietet einen Rundgang auf seinem sehr idyllischen Universitäts-Campus an. Und auch ein junger Informatiker findet es unfair, dass - wer auch immer da draußen im Rest der Welt Pakistan hört - sofort an die Taliban denkt: "Wenn ich im Internet unterwegs bin, dann sind einige sehr nett zu mir. Aber es gibt auch solche, die ernsthaft denken, ich sei ein Terrorist. Die schmeißen mich aus Online-Spielen raus, blocken mich bei Facebook und so weiter."
Gleichzeitig lässt sich die Theorie nur schwer aufrecht erhalten, dass Pakistans Image lediglich eine Erfindung übel-wollender Mächte wäre, ersonnen etwa von Indien oder den USA. Mutige Intellektuelle sprechen das auch so aus.
...der Terrorismus-Experte sieht dagegen "Pakistan am Abgrund"
Der Terrorismus-Experte Ahmed Rashid etwa hat sein neues Buch übersetzt "Pakistan am Abgrund" genannt: "Die Befürchtung in Pakistan ist, dass sich eine soziale, wirtschaftliche und politische Kernschmelze vollzieht. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren an allen Fronten schlechte Politik gemacht", sagt Rashid.
"Wirtschaftliche Reformen sind gescheitert. Die Unterstützung für die Fundamentalisten und Extremisten ist nicht gestoppt worden, egal ob in Kaschmir oder Afghanistan. In Bildung, Gesundheit und den Sozialsystemen hat kein Wandel stattgefunden", meint der Terrorismus-Experte. "Wir brauchen eine komplette Kehrtwende in der Politik. Wenn das nicht passiert, geht es weiter steil bergab."
Weg von Terror, Taliban und Extremismus
In der Tat wird Pakistan auch im Westen als atombewaffneter Problem-Staat gesehen. Indien habe seinen Nachbarn, so heißt es, in den 65 Jahren seit der gemeinsamen Unabhängigkeit weit abgehängt und spiele heute in einer ganz anderen Liga.
Pakistans Souvenir-Verkäufer stellen fest, dass sich etwas ändert. Statt Anstecknadeln seien in diesem Jahr Kappen, Turbane und Armreife im Trend, sagt dieser Mann. Um das krisengeplagte Land auf einen Weg weg von Terror, Taliban und Extremismus, hin zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit zu führen, wird diese Art von Wandel aber nicht ausreichen.
Stand: 14.08.2012 01:45 Uhr
