Pakistan: Mehr als 100 Tote bei Anschlägen im Wahlkampf

Vor der Parlamentswahl

Klima der Angst in Pakistan

Mehr als 100 Menschen sind bei Anschlägen auf Wahlkampfveranstaltungen in Pakistan bislang getötet worden. Vor allem liberale Politiker sind vor den Wahlen im Visier der Taliban. Nun wurde der Sohn von Ex-Premier Gilani entführt.

Kai Küstner, ARD-Studio Neu Delhi

Schon bevor die Pakistanis überhaupt an die Urnen getreten sind, ist klar: Diese Parlamentswahl wird als eine besonders blutige in die Demokratie-Geschichte des Landes eingehen. Jüngstes Beispiel: die gewaltsame Entführung des Sohnes von Ex-Premier Yousaf Raza Gilani.

Pakistanische Polizisten nach der Entführung von Ali Haider Gilani (Bildquelle: dpa)
galerie

Nach der Entführung von Ali Haider Gilani sichern Polizisten den Tatort.

Diesmal schlugen die Militanten nicht in den entlegenen und berüchtigten Gebieten nahe der afghanischen Grenze zu, sondern im Herzen Pakistans. Ali Haider Gilani befand sich gerade auf einer Wahlkampfveranstaltung in seiner Heimat, in der Provinz Punjab, als mehrere Bewaffnete heranrasten und aus einem Auto heraus das Feuer eröffneten. Dann - als die Menschenmenge in Panik floh - zogen die Militanten den Politiker in ihr Fahrzeug und fuhren mit ihm davon. "Das Auto, aus dem die Angreifer das Feuer eröffneten, war schwarz. Sechs Männer befanden sich darin. Das Nummernschild konnte ich nicht entziffern", berichtet ein Augenzeuge.

Sohn von Ex-Premier Gilani entführt
K. Küstner, ARD Neu Delhi
09.05.2013 21:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die Gilanis - eine einflussreiche Familie

Der Wahlkampfmanager Gilanis wurde bei dem Überfall getötet, mehrere weitere Menschen verletzt. Der Politiker entstammt einer der einflussreichsten Familien des Landes. Sein Vater, Yousuf Raza Gilani, war bis Juni 2012 Premierminister. Die Gilanis gehören der gemäßigten und derzeit regierenden Volkspartei PPP an, der selben Partei wie Benazir Bhutto, die - ebenfalls im Wahlkampf - im Dezember 2007 getötet worden war.

Pakistans Premierminister Gilani (Bildquelle: dapd)
galerie

Der Sohn von Ex-Premierminister Gilani wurde von mehreren Bewaffneten entführt.

Die Taliban hatten bereits lange vor der Wahl in erster Linie den großen liberalen Parteien, wie eben der PPP, den Krieg erklärt. Definitiv handle es sich bei dem Überfall um einen Terrorakt, befand die Polizei am Tatort.

Parlamentswahl am Samstag

Am Sonnabend wird in Pakistan gewählt. Doch bereits jetzt sind mehr als 100 Menschen bei Anschlägen auf Wahlkampfveranstaltungen getötet worden. Ziel der Extremisten ist ganz offensichtlich, ein Klima der Angst zu verbreiten und die Menschen von den Urnen fernzuhalten.

Ex-Premier Gilani selbst machte keine bestimmte Gruppe für die Entführung seines Sohnes verantwortlich. Er sprach lediglich davon, das die Entführung auf das Konto seiner politischen Gegner ginge. Und der Bruder des Verschleppten, ebenfalls ein Politiker, schwor mit Tränen in den Augen: "Wenn wir meinen Bruder bis zum Abend nicht wieder haben, werde ich dafür sorgen, dass die Wahl in meinem Gebiet nicht stattfinden wird."

Trauen sich die Menschen an die Urnen?

Fest steht, dass Pakistan zwar mit den Wahlen am Wochenende die historisch einmalige Chance hat, einer gewählten Regierung wieder eine gewählte Regierung folgen zu lassen. Doch die Frage ist, wie viele Menschen sich wirklich an die Urnen trauen. Je weniger Menschen aber wählen gehen, desto schwächer wird anschließend die Demokratie sein - jene Staatsform also, die die Extremisten bekämpfen.

Unterwegs im zerrissenen Land
tagesthemen 23:30 Uhr, 09.05.2013, Gabor Halasz, ARD Neu Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 09.05.2013 18:05 Uhr

Darstellung: