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Kopfgeld nach Schmähfilm ausgesetzt
Mehr Beifall als Rügen für Mordaufruf des Ministers
Pakistans Eisenbahnminister will einen Mord am Produzenten des Mohammed-Schmähfilms mit 100.000 Euro belohnen. Islamisten unterstützten ihn umgehend. Die Regierung distanzierte sich von dem Aufruf. Um sein Amt muss der Minister aber kaum fürchten, weil er die Stimmung vieler Pakistaner trifft.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Der Minister und sein Mordaufruf bekommen Unterstützung: Eine islamistische Partei ließ ihre Anhänger in der Hafenstadt Karatschi aufmarschieren und setzte ihrerseits ein Kopfgeld von umgerechnet rund 100.000 Dollar für die Bestrafung des anti-islamischen Videomachers aus.
Beobachter meinen: Nicht nur der Minister, auch die Islamisten sehen nun ihre Chance, ein bisschen Werbung in eigener Sache zu machen. Weil sie mit ihrer lautstark und medienwirksam vorgetragenen Forderung, der Gotteslästerer verdiene den Tod, den meisten Pakistanern aus dem Herzen sprechen dürften. Dieser Einwohner Islamabads - der übrigens keinen Bart trägt, stattdessen ein modisches schwarzes Polohemd - meint zum Beispiel: "Es macht gar keinen Unterschied, ob es dafür eine Belohnung gibt oder nicht. Wer einen Akt der Blasphemie begeht, muss sterben."
Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld auf Filmproduzent aus
tagesthemen 22:45 Uhr, 23.09.2012, Gabor Halasz, ARD Neu Delhi
Regierung distanziert sich von Aufruf
Die pakistanische Regierung belässt es denn auch zunächst dabei, dass sie den Mordaufruf ihres Ministers verurteilt. Sie distanziere sich absolut von den Äußerungen, sagte der Sprecher des Premiers. Gleichzeitig erscheint es nicht besonders wahrscheinlich, dass der Minister seines Amtes enthoben wird. Die Regierung würde damit vermutlich bei der eigenen Bevölkerung - ebenso streng-gläubig wie streng anti-amerikanisch - noch mehr in Ungnade fallen.
Bei der Pressekonferenz jedenfalls, bei der Ghulam Ahmed Bilour seinen Mordaufruf verkündete, erntete er von Anwesenden spontanen Beifall. "Ich verkünde hiermit, dass ich jeden mit 100.000 US-Dollar belohnen werde, der diesen Gotteslästerer, diesen Sünder, der Unsinn über den Propheten geredet hat, umbringt."
Minister lädt Al Kaida zur "heiligen Mission" ein
Dem pakistanischen Eisenbahnminister ist durchaus bewusst, dass er zum Mord aufruft. Er begründet dies aber mit den Worten, das sei der einzige Weg, Gotteslästerern Angst einzujagen. Dann ließ sich der Mann - immerhin Mitglied der pakistanischen Regierung - gar dazu hinreißen, Terroristen mit seinem Unterfangen zu umwerben. "Ich lade die Brüder der Taliban und die Brüder von Al Kaida dazu ein, bei dieser heiligen Mission mitzumachen", sagte Bilour. "Die sollten sich an der guten Sache beteiligen."
Die pakistanische Regierung hat er damit zumindest außenpolitisch in eine äußerst peinliche Lage manövriert: Dieselben Terroristen um Hilfe zu bitten, die sie eigentlich bekämpft, entspricht nicht ihrer politischen Linie. Doch gleichzeitig ist die Regierung innenpolitisch erheblich unter Druck. Die Menschen sind unter anderem wegen dauernder Strom-und Gasknappheit und ständiger Preissteigerungen auch auf sie wütend. Außerdem wird sie von den Scharfmachern ständig als amerikanische Marionette verhöhnt.
Den vergangenen Freitag hatte die Regierung - wohl auch deshalb - zu einem Feiertag erklärt und von sich aus zu Demonstrationen gegen das islamfeindliche Video aufgerufen. Auch, um bei der Bevölkerung zu punkten. Doch es blieb nicht friedlich. Der "Tag der Liebe für den Propheten" verwandelte sich schnell in einen Tag der Gewalt. Bei den Protesten kamen mehr als 20 Menschen ums Leben.
Stand: 23.09.2012 19:31 Uhr
