Entführung in Pakistan Zwei Mitarbeiter der Welthungerhilfe verschleppt

Stand: 20.01.2012 11:33 Uhr

Pakistanische Polizisten bewachen das Haus, aus dem am Donnerstagabend zwei Entwicklungshelfer entführt wurden. | Bildquelle: dpa
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Pakistanische Polizisten bewachen das Haus, aus dem am Donnerstagabend zwei Entwicklungshelfer entführt wurden.

Ein deutscher und ein italienischer Mitarbeiter der Welthungerhilfe sind am Donnerstagabend in Pakistan entführt worden. Mindestens drei vermummte Bewaffnete seien in ihr Haus eingedrungen und hätten sie verschleppt, sagte der örtliche Chefermittler der Polizei, Azhar Ikram.

Aufenthaltsort der Verschleppten unbekannt

Die Entführung ereignete sich in der Nähe der Stadt Multan, die zur Provinz Punjab gehört. Die beiden Entwicklungshelfer hatten sich um Opfer der Jahrhundert-Flut aus dem Sommer 2010 gekümmert. Die Identität der Täter, ihre Motive und der Aufenthaltsort der Verschleppten ist nicht bekannt. Die Suche blieb bislang erfolglos.

Das Außenministerium in Rom bestätigte die Entführung des italienischen Staatsbürgers. Der Krisenstab des Ministeriums suche nach einer "positiven Lösung". Es appellierte an die Medien, den Versuch, den Entführten frei zu bekommen, nicht zu gefährden. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich bislang nicht äußern. Man werde den Berichten nachgehen und stehe in Kontakt mit den pakistanischen Behörden.

Offenbar hatten die Entführer Insider-Informationen

Die Bewaffneten sollen in das Haus, in dem sich die Entwicklungshelfer aufhielten, eingedrungen sein und den einzigen Wachmann gefesselt haben, sagte der Polizist Omar Farooq. "Dann gingen sie direkt zu den Zimmern des deutschen und des italienischen Staatsbürgers. Es sieht so aus, als hätten sie sie für einige Zeit beobachtet und Insider-Informationen gehabt." Mehrere Frauen, die sich ebenfalls in dem Haus befanden, seien nicht verschleppt worden. Unter den Frauen war auch eine Deutsche.

Entführungen von Ausländern sind keine Seltenheit

Kriminelle Banden entführen in Pakistan häufig ausländische Entwicklungshelfer, in der Hoffnung, einen hohen Erlös für deren Freilassung zu erhalten. Nach Angaben pakistanischer Beamter seien militante Gruppen und auch die Taliban immer wieder in Entführungen verwickelt.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein britischer Rotkreuz-Mitarbeiter nahe der pakistanischen Grenze entführt. Bislang fehlen Hinweise auf die Täter und ihr Motiv. Im vergangenen Juli waren in Pakistan zwei Schweizer Touristen verschleppt worden. Das Ehepaar befand sich zuletzt in der Gewalt von Taliban, die unter anderem die Freilassung von Aufständischen aus der Haft forderten. Im August wurde ein amerikanischer Entwicklungshelfer in der Metropole Lahore entführt. Al-Kaida teilte mit, der Mann befinde sich in ihrer Gewalt.

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