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Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan haben nach dem mutmaßlichen NATO-Angriff auf pakistanische Soldaten einen Tiefpunkt erreicht. Die US-Armee muss einen Stützpunkt in dem strategisch wichtigen Land räumen - und bemüht sich jetzt um Schadensbegrenzung.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Trauerfeier für die getöteten pakistanischen Soldaten ]
Wie viel schlechter können die ohnehin schon schlechten Beziehungen zwischen Pakistan und den USA eigentlich noch werden? Das fragen sich viele in Washington. Die US-Regierung ist jedenfalls darum bemüht, den Ärger und die Wut in Pakistan über den Tod von 24 Soldaten nicht weiter anzuheizen. "Wir trauern um die tapferen pakistanischen Streitkräfte, die ihr Leben verloren haben", sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney.
Wie es dazu kommen konnte, das wird jetzt gleich zweifach untersucht - von der NATO in Afghanistan und von CENTCOM, dem zentralen Kommando der US-Streitkräfte. Die NATO gibt an, sie habe das Feuer in der pakistanischen Grenzregion eröffnet, um afghanische Soldaten zu schützen, die ihrerseits angegriffen worden seien. Pakistan weist diese Erklärung zurück und sagt, die NATO-Kräfte hätten als erste auf die pakistanischen Streitkräfte geschossen.
Sollte das US-Militär dafür verantwortlich sein, wäre es der schlimmste Zwischenfall in den amerikanisch-pakistanischen Beziehungen seit zehn Jahren. Präsidentensprecher Carney: "Das ist ein ernstes Thema. Und wir nehmen es ernst. Wir haben schon seit langem eine komplizierte Beziehung zu Pakistan, aber es ist auch eine wichtige Beziehung, an der wir hart arbeiten, denn sie ist im Interesse der USA."
Aus Sicht des Weißen Hauses kommt Pakistan mit seinen engen Beziehungen zu bewaffneten Gruppen in Afghanistan eine Schlüsselrolle bei der Befriedung des Nachbarlandes zu. Bis Ende 2014 will die NATO, wollen die USA, ihre Kampftruppen vom Hindukusch abgezogen haben. Auch deswegen zeigte sich das US-Außenministerium besonders besorgt über Gedankenspiele Pakistans, als Konsequenz aus dem Angriff nun Anfang Dezember nicht an der Bonner Afghanistan-Konferenz teilzunehmen. Außenamtssprecher Mark Toner: "Wir hoffen, dass sie an der Konferenz teilnehmen. Denn dort geht es darum, ein stabileres, reicheres und friedlicheres Afghanistan aufzubauen, und das ist sehr im Interesse von Pakistan."
Sehr schnell nach dem Bekanntwerden des tödlichen NATO-Angriffs telefonierten Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta mit ihren Amtskollegen in Pakistan und sprachen ihnen ihr Beileid aus. Das änderte jedoch nichts an dem öffentlich gezeigten Ärger der pakistanischen Regierung und des pakistanischen Militärs. Pakistan schloss sofort zwei Verbindungsstraßen, auf denen die USA rund 30 Prozent des Nachschubs für ihre Soldaten nach Afghanistan bringen. Außerdem ordnete die Regierung in Islamabad an, das US-Militär müsse binnen Tagen einen Luftwaffenstützpunkt in Pakistan räumen. Von diesem Stützpunkt aus sollen die USA Drohnenangriffe auf Taliban-Kämpfer im Grenzgebiet und in Afghanistan gestartet haben.
Seth Jones von der Rand-Corporation, einem Thinktank im Großraum Washington befürchtet, dass diese Konsequenzen vielen Menschen in Pakistan nicht reichen: "Ich vermute, dass es jetzt öffentliche Unterstützung für einen pakistanischen Vergeltungsschlag gibt. Wir befinden uns in einer sehr, sehr gefährlichen Situation zwischen den USA und Pakistan."
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