Pakistan: Khan beschuldigt politischen Gegner des Mordes

Protest in Karatschi nach Mord an Politikerin (Bildquelle: dpa)

Nach Attentat in Pakistan

Mordvorwurf an politischen Gegner

Tödliche Schüsse kurz vor der Nachwahl in Karatschi - und für die Oppositionspartei von Ex-Cricketstar Khan stehen die Mörder fest: Das Attentat auf seine Parteifreundin ginge auf das Konto der Konkurrenzpartei MQM. Deren Chef lebt in London.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Imran Khan (Bildquelle: dpa)
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Für Imran Khan stehen die Mörder seiner Parteifreundin fest.

Für Imran Khan steht der Täter fest. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte der politische Senkrechtstarter mit: "Ich mache Altaf Hussein für diesen Mord direkt verantwortlich. Er hat die Angehörigen meiner Partei in seinen öffentlichen Ansprachen bedroht." In einem weiteren Tweet beschuldigt der ehemalige Cricket-Star die britische Regierung der Mittäterschaft: "Ich hatte sie vor Altaf Husseins Todesdrohungen gegen meine Partei gewarnt."

Tatsächlich hatte die britische Polizei schon vor Tagen Ermittlungen gegen den Beschuldigten eingeleitet, der alle Vorwürfe empört zurückwies. Altaf Hussein ist Chef der stärksten politischen Partei in der Millionenmetropole Karatschi. Er lebt seit vielen Jahren in London, weil er sich zu Hause nach eigenen Angaben bedroht fühlt. Seine MQM (Muttahida Quami Movement) hat im heimischen Karatschi seit 1980 keine einzige Wahl mehr verloren. Auch bei der Parlamentswahl am vergangenen Wochenende gewann die MQM die meisten Wahlkreise. Doch in einem umstrittenen Wahlkreis wurde nun wegen Wahlmanipulation noch einmal neu gewählt.

Oppositionspolitikerin in Pakistan erschossen
tagesthemen 23:15 Uhr, 20.05.2013

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Tödliche Schüsse unmittelbar vor der Nachwahl

Politische Beobachter in Pakistan sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Nachwahl und den tödlichen Schüssen auf Zahrah Hussein. Ihr Parteifreund Sha Mehmood Qureshi formuliert es so: "Ich danke alle Wählern hier im Wahlkreis 250, die trotz der Drohungen und trotz der brutalen Ermordung von Zahrah Hussein ihre Stimmen abgeben." Der stellvertretende Parteichef Qureshi ergänzt: "Die Wähler zeigen mit ihrem Mut, dass sie an die Demokratie glauben. Die Menschen in Karatschi sind aufgewacht. Sie sind gegen Gewalt und sie verlangen faire Wahlen." Die erschosssene Politkerin gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bewegung für Gerechtigkeit von Imran Khan.

Auch andere politische Gegner beschuldigen die MQM, die 18-Millionen-Stadt mit Mafia-Methoden zu regieren. Die Hafenstadt Karatschi ist das Finanz- und Handelszentrum Pakistans. Organisierte Kriminalität, politische Gewalt und Terror gehören zum Alltag.

Tödliche Schüsse auf Politikerin in Pakistan
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
19.05.2013 16:34 Uhr

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Polizei vermeidet Schuldzuweisungen

Die Polizei vermeidet einseitige Schuldzuweisungen. Man wisse nicht, wer die Motorradfahrer waren, die Zarah Hussein vor ihrem Haus erschossen, sagt ein Inspektor. "Auf Grund der Beweise, die wir sichergestellt haben, können wir kein Szenario ausschließen. Es kann sich um einen gezielten Mord handeln oder um einen versuchten Raubüberfall, der tödliche endete. Wir untersuchen weiter, dann werden wir mehr sagen können", sagt Polizeichef Aftab Ahmed Sheikh.

Die Bevölkerung der größten Stadt Pakistans ist politisch, ethnisch und religiös zerrissen. Das alles macht Karatschi zu einer gesellschaftlichen Großbaustelle, auf der eine neue pakistanische Regierung dringend anpacken müsste. Neuer Regierungschef der taumelnden Atommacht wird aller Voraussicht nach der religiös-konservative Nawaz Scharif.

Stand: 19.05.2013 17:19 Uhr

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