Ultrareligiöse Demonstrationsteilnehmer singen in Islamabad. | Bildquelle: AP

Tote und Verletzte in Pakistan Angebliche Gotteslästerung löst Krise aus

Stand: 26.11.2017 17:22 Uhr

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad halten die gewalttätigen Proteste islamistischer Demonstranten an. Bei den Ausschreitungen starben mehrere Menschen, etwa 230 wurden verletzt. Die Krise kommt für die pakistanische Regierung zu einem heiklen Zeitpunkt.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Schon seit Anfang November protestieren Menschen in der Hauptstadt Islamabad. Polizisten und Mitglieder paramilitärischer Einrichtungen wollten die Proteste am Samstag auflösen, doch die Demonstranten wehrten sich. Sie zündeten Fahrzeuge an und warfen mit Steinen. Bei den Auseinandersetzungen starben mindestens sieben Menschen, etwa 230 wurden verletzt.

Zwei Tage lang durften die privaten Fernsehsender nicht berichten. Auch viele Plattformen der sozialen Netzwerke wurden gesperrt. Die pakistanische Regierung wollte damit verhindern, dass noch mehr Demonstranten auf die Straße gingen. Dennoch kamen am Nachmittag Tausende Demonstranten auf einer Autobahnbrücke in Islamabad zusammen.

Staatskrise droht

In der Hafenstadt Karatschi versammelten sich mehr als 4500 Demonstranten, in Lahore blockierten schätzungsweise 3400 Ultrareligiöse wichtige Straßen.

Protestierende blockieren Zufahrtswege in der pakistanischen Stadt Peshawar. | Bildquelle: AP
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Islamistische Demonstranten protestieren seit Wochen gegen den pakistanischen Justizminister.

"Wir protestieren gegen das gewalttätige Vorgehen der Regierung", erklärte ein Demonstrant. "Dabei hatten unsere religiösen Führer doch nur ganz legitim gefordert, unsere Propheten zu berücksichtigen. Die Regierung muss sofort aufhören, gegen uns vorzugehen."

Was jetzt zu einer Staatskrise zu werden droht, begann mit einer zunächst banal wirkenden Formalie. Vor zwei Monaten wurde der Antrag, den Kandidaten für eine Parlamentswahl unterschreiben müssen, überarbeitet. Darin sollte ein Eid vereinfacht werden, in dem auch der Prophet Mohammed vorkommt.

Ein Aktivist der ultrareligiösen Gruppe TLYRAP wirft eine Tränengaspatrone. | Bildquelle: AFP
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Ein Aktivist der ultrareligiösen Gruppe TLYRAP wirft eine Tränengaspatrone auf Polizisten während einer Straßenschlacht in Islamabad.

Religiöse Hardliner werteten dies als Angriff auf den Propheten. Sie riefen ihre Anhänger dazu auf, gegen die Vereinfachung zu protestieren. Wegen angeblicher Gotteslästerung forderten die Demonstranten den Rücktritt des Justizministers. Die religiösen Führer hatten fälschlicherweise verbreitet, dass der Satz mit dem Propheten gänzlich gestrichen worden sei. Der Justizminister hatte eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben und nahm die Abänderung des Eids wieder zurück.

Armee um Hilfe gebeten

Vergeblich hatte die Regierung versucht, mit den Demonstranten zu verhandeln. Sie bat sogar die Armee um Hilfe. Die hielt sich allerdings zunächst zurück. Augenzeugen erklärten, sie hätten bislang keine Soldaten rund um das Protestcamp in Islamabad gesehen.

Politische Beobachter glauben, die Armee wolle nicht eingreifen, damit die Gewalt nicht noch weiter eskaliert. Die Krise kommt für die pakistanische Regierung zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Monaten war Regierungschef Nawaz Sharif wegen Korruptionsvorwürfen das Misstrauen ausgesprochen worden, woraufhin dieser zurücktrat. Im kommenden Jahr stehen neue Parlamentswahlen an.

Tote und Verletzte bei Ausschreitungen in Pakistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
26.11.2017 15:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 26. November 2017 tagesschau24 um 13:00 Uhr und Inforadio um 16:11 Uhr.

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