Schicksal von Geisel weiter unklar Deutscher seit einem Jahr in der Gewalt von Islamisten

Stand: 18.01.2013 12:23 Uhr

Sie halfen in Pakistan beim Wiederaufbau nach dem Monsun. Dann wurden die Mitarbeiter der Welthungerhilfe verschleppt. Seit einem Jahr sind der Deutsche und ein Italiener in der Gewalt von Geiselnehmern. Das Auswärtige Amt bemüht sich um die Freilassung. Doch immer noch sind keine Ergebnisse in Sicht.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Sie waren nach Pakistan gekommen, um zu helfen. Doch seit mittlerweile einem Jahr befinden sich ein Deutscher und ein Italiener nun in der Hand von Geiselnehmern. Aus Geheimdienstkreisen in Pakistan verlautet nun: Die Terrororganisation Al Kaida halte die beiden Entführten nahe der afghanischen Grenze im berüchtigten Waziristan fest. In einer gesetzlosen Gegend, in der sich sowohl Taliban-Kämpfer als auch Al-Kaida-Leute eingenistet haben und auf die der pakistanische Staat keinen Zugriff hat.

Die Entführten würden in dieser Region ständig verlegt, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter. Der Mann, der anonym bleiben wollte, sagte aber immerhin auch: Es gehe den beiden Verschleppten gesundheitlich gut. Kurz vor Weihnachten war erstmals ein Lebenszeichen des entführten Deutschen aufgetaucht.

Entführer fordern Geld und Freilassung politischer Gefangener

Vor einer blanken Wand sitzend erklärt er in einem Video, dass er 59 Jahre alt sei und für die Welthungerhilfe in Pakistan gearbeitet habe. Er fleht um sein Leben - und er fleht die Bundesregierung an, die Forderungen seiner Entführer zu erfüllen.

Offenbar verlangen die Geiselnehmer nicht nur ein Lösegeld, sondern auch die Freilassung mehrerer politischer Gefangener. An den Verhandlungen sind Geheimdienstkreisen zufolge sowohl die pakistanische als auch die afghanische Regierung beteiligt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte, sowohl der Krisenstab in Berlin als auch die Deutsche Botschaft in Islamabad seien intensiv mit dem Fall befasst und stünden in Kontakt mit allen relevanten Stellen.

Die Niederlassung der Welthungerhilfe in Multan (Pakistan) (Bild vom 20.01.2012) | Bildquelle: dpa
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Die Niederlassung der Welthungerhilfe in Multan (Archivbild)

Pakistanische Polizisten bewachen das Haus, aus dem am Donnerstagabend zwei Entwicklungshelfer entführt wurden. | Bildquelle: dpa
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Nach der Entführung bewachten pakistanische Polizisten das Haus (Archiv).

Bewaffnete drangen in das Wohnhaus ein

Der Deutsche und der Italiener arbeiteten bis zu ihrer Entführung in der Provinz Punjab. Sie halfen den Pakistanis beim Wiederaufbau nach den verheerenden Monsun-Fluten im Sommer 2010. Vor einem Jahr, im Januar 2012, wurden sie verschleppt. Polizeiangaben zufolge hatten damals mehrere Bewaffnete die Wachmänner überwältigt und waren dann in das Wohnhaus der beiden eingedrungen. Sie verschleppten ganz gezielt die beiden Europäer, obwohl sich auch andere Personen zu dem Zeitpunkt in dem Haus befanden.

Kurze Zeit später meldete sich der pakistansiche Arm der Taliban zu Wort: Die Entführten befänden sich in ihrer Gewalt. Es ist bekannt, dass die Taliban und die Terrororganisation Al Kaida enge Beziehungen pflegen. Einem Polizisten aus der Provinz Punjab zufolge, wo das Drama begann, waren zunächst einige Verdächtige festgenommen worden. Weil man ihnen aber nichts habe nachweisen können, seien die mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Dieser Beitrag lief am 18. Januar 2013 um 08:26 Uhr im Deutschlandfunk.

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