Bombenserie erschüttert Pakistan Sunnitische Extremisten bekennen sich zu Anschlag

Stand: 11.01.2013 08:53 Uhr

Bei einer Serie von Anschlägen in Pakistan sind mehr als hundert Menschen getötet worden. Die zwei Bombenanschläge in der Stadt Quetta an der afghanischen Grenze galten offenbar der schiitischen Minderheit. Zu dem Doppelanschlag bekannte sich eine sunnitische Terror-Organisation.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Gleich eine ganze Serie von Explosionen hat das terrorgeplagte Pakistan erschüttert. Verantwortlich für die meisten Todesopfer ist ein Doppelanschlag im südwest-pakistanischen Quetta. Zunächst war es Polizeiangaben zufolge ein Selbstmordattentäter, der sich vor einem Billard-Club in die Luft sprengte. Als dann Polizei, Rettungskräfte und Medien zum Anschlagsort eilten, gab es eine zweite Explosion.

Bombenexplosion in Pakistan. Mehr als 100 Menschen starben | Bildquelle: REUTERS
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Allein bei dem Doppelanschlag in der Stadt Quetta starben mehr als 80 Menschen.

Offenbar hatten es die Attentäter ganz bewusst darauf abgesehen, diese zu treffen. Mehr als 80 Menschen wurden auf diese Weise in den Tod gerissen. Der Anschlag ereignete sich in einer Gegend, die vorwiegend von Angehörigen der religiösen Minderheit der Schiiten bewohnt wird.

"Das Jahr 2012 war ganz sicher das blutigste überhaupt für die Gemeinde der Schiiten in Pakistan", beklagt der Pakistan-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Ali Dayan Hasan. "Mehr als 400 Schiiten kamen bei mehreren Anschlägen und gezielten Tötungen ums Leben." Die Situation sei schlicht außer Kontrolle.

Gezielte Anschläge gegen schiitische Minderheit

Die Verantwortung für den Doppelanschlag übernahm eine berüchtigte und verbotene Terror-Organisation mit dem Namen Lashkar-e-Jhangvi. Diese Fundamentalisten sind bekannt dafür, dass sie in Pakistan regelmäßig die Minderheit der Schiiten attackieren. Die Taliban und andere sunnitische Fundamentalisten gelten als erbitterte Feinde dieser Glaubensrichtung.

Human Rights Watch erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe an die Adresse der pakistanischen Machthaber: "Während die staatlichen Autoritäten diese Gruppen verbieten, ist es im Fall von Lashkar-e-Jhangvi so, dass diese Organisation als Instrument für die nationale Sicherheit gebraucht wurde, vor allem in Afghanistan", sagt Hasan. Von je her habe die Terrorgruppe deshalb enge Beziehungen zum Militär und den Geheimdiensten gepflegt.

"Der Staat argumentiert: das liegt alles in der Vergangenheit", sagt Hasan. "Aber der pakistanische Staat ist im besten Fall unfähig - mit blutigen Konsequenzen." Und im schlimmsten Fall gebe es in seinen Reihen Elemente, die mit den Attentätern sympathisierten.   

Komplizierte politische Gemengelage

Kurz vor dem Doppel-Anschlag hatte es in Pakistan zwei weitere blutige Attacken gegeben. Ebenfalls in Quetta war auf einem Markt eine Bombe explodiert. Die Verantwortung übernahmen hier Separatisten, die für eine von Pakistan unabhängige Provinz Baluchistan kämpfen.

Im weit davon entfernt liegenden Swat-Tal, im Nordwesten des Landes, detonierte während einer religiösen Prozession ein Sprengsatz. Diese Angriffe zeigen, wie kompliziert - und wie mehrdimensional - die Gemengelage in Pakistan mittlerweile ist: ein Zusammenhang zu dem Doppelanschlag lässt sich vermutlich nicht herstellen.

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