Schwerster Anschlag seit Mai 2011 Bombenserie erschüttert Pakistan

Stand: 11.01.2013 00:25 Uhr

Bombenexplosion in Pakistan. Mehr als 100 Menschen starben | Bildquelle: REUTERS
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Die Bombenserie forderte mehr als 100 Tote und 200 Verletzte.

Bei mehreren Anschlägen in Quetta im Südwesten Pakistans sind mindestens 100 Menschen getötet und etwa 150 weitere verletzt worden. Der schwerste Angriff zielte auf einen vorwiegend von Schiiten besuchten Billardsalon. Zwei Selbstmordattentäter rissen nach Angaben der Polizei mindestens 80 Menschen in den Tod.

Der erste Attentäter habe den Sprengsatz in dem Spiellokal gezündet, sagte Polizeisprecher Mir Zubair Mehmood. Zehn Minuten später habe sich dann der zweite in einem Wagen vor der Einrichtung in die Luft gesprengt. Zu diesem Zeitpunkt waren auch zahlreiche Polizisten, Rettungskräfte und Journalisten herbeigeeilten. Unter den Opfern seien neun Beamte und ein Kameramann. Mehmood gab die Zahl der Verletzten mit 121 an. Die militante Sunniten-Sekte Lashkar-e-Jhangvi bekannte sich zu dem Anschlag.

Der schwerste Anschlag seit Mai 2011

Es war der schwerste Anschlag seit Mai 2011. Damals starben in der nordwestlichen Stadt Shabqadar 98 Menschen. Zudem war es der blutigste Anschlag auf Schiiten in Pakistan überhaupt. Laut Human Rights Watch wurden noch nie so viele Schiiten in dem Land getötet wie 2012. 20 Prozent der 180 Millionen Pakistaner sind Schiiten. Extremistische Sunniten betrachten sie als Ungläubige.

Wenige Stunden vor den Selbstmordanschlägen wurden bei einem weiteren Bombenangriff auf ein Fahrzeug der Grenzschutztruppen in Quetta mehr als zehn Menschen getötet und fast 30 weitere verletzt. Die Explosion ereignete sich den Behörden zufolge auf einem belebten Platz. Ein Polizeiermittler sagte, die Bombe mit einem Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm sei unter dem Fahrzeug platziert und per Fernsteuerung gezündet worden.

Explosion eines Gasbehälters reißt 22 Menschen in den Tod

Quetta ist die Hauptstadt der unruhigen Provinz Belutschistan. Die bergige Wüstenprovinz an der Grenze zu Afghanistan ist seit Jahren Schauplatz von Gefechten zwischen den Sicherheitskräften auf der einen und Unabhängigkeitskämpfern sowie islamistischen Aufständischen auf der anderen Seite. Zudem gibt es regelmäßig gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten.

Im Swat-Tal im Nordwesten des Landes wurden unterdessen durch die Explosion eines Gasbehälters 22 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt. Die Explosion ereignete sich in Mingora, als mehr als 1500 Menschen der Ansprache eines Predigers der sunnitisch-islamistischen Bewegung Tableeghi Jamaat zuhörten. Die Hintergründe des Vorfalls blieben zunächst unklar.

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